Sleepy Hollow 1x06

Sleepy Hollow 1x06

In der Episode The Sin Eater erfahren die Zuschauer in einer Reihe von Rückblenden Details über den Werdegang des Ichabod Crane. Sleepy Hollow profitiert zwar durch ein neues Wesen. Gleichzeitig leidet die Serie jedoch unter fragwürdigen dramaturgischen Entscheidungen.

Ichabod (Tom Mison) verschlägt es in einer Rückblende in seine Vergangenheit. / (c) FOX
Ichabod (Tom Mison) verschlägt es in einer Rückblende in seine Vergangenheit. / (c) FOX

Die Sleepy Hollow-Episode The Sin Eater hätte viel besser sein können, als sie es letztendlich geworden ist. Grundsätzlich ist es nicht zum Vorteil der Serie, wenn Abbie Mills (Nicole Beharie) und Ichabod Crane (Tom Mison) getrennt voneinander agieren müssen. So verleihen vor allem die gute Chemie zwischen den beiden Schauspielern und die regelmäßigen Witzeleien der Serie einen großen Teil ihres Charmes. Da beide Protagonisten hier jedoch über recht interessante Erzählstränge verfügen, wiegt diese Trennung immerhin weniger schwer. Als weit nachteilhafter erweisen sich die unspektakuläre und wenig durchdachte Auflösung der „Geschichte der Woche“.

Baseball und Demokratie

Abbie und Icky schauen sich in ihrer knapp bemessenen gemeinsamen Zeit ein Baseballspiel an. In diesem Zusammenhang ist es zwar unterhaltsam, wie Crane durch Abbies Schwärmereien über Sport und Demokratie zum Schimpfen animiert wird: „I thought only horses slept standing up!

Doch auch das „Basket face“, das Ichabod einem der Schiedsrichter entgegenschmettert, wirkt etwas weniger spritzig als die Witze aus den vorangegangenen Episoden. Zugegebenermaßen könnte die schale Wirkung dieser Sequenz auf die Rezensentin jedoch in ihrer Abneigung gegen Baseball begründet liegen...

Ickys Geschichte und Goldie Hawn

Schnell trennen sich die Wege der beiden witnesses: Ichabod wird durch seine eigenen Freimaurerbrüder entführt. Indem er gegenüber Mr. Rutledge (James Frain; True Blood, The Tudors) seine Identität beweisen muss, bietet sich auf geschickte Weise die Gelegenheit, in die Vergangenheit des Charakters einzutauchen. Zuvor stellt Crane dabei allerdings noch seine messerscharfe Kombinationsgabe unter Beweis, indem er Rutledges Abstammung vom Gründervater Edward an dessen Manschettenknöpfen abliest. Übrigens würde dies Rutledge Jr. in unserer Welt zu einem Verwandten von Goldie Hawn machen!

In The Sin Eater wird deutlich, dass sich Crane in erster Linie wegen seiner Katrina (Katia Winter) und einem allzu dämonischen Briten auf die Seite der Unabhängigkeitskämpfer geschlagen hatte.

Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) verbringen Zeit bei einem Baseballspiel. © FOX
Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) verbringen Zeit bei einem Baseballspiel. © FOX

Eine alte Schuld

Bedauerlicherweise sind die Ereignisse, die sich um Ichabods Zusammentreffen mit Arthur Bernard (Tongayi Chirisa) ranken, stets recht vorhersehbar und wenig spannend geraten. Kaum überraschend hatte sich Ichabod schließlich ja zum Guten bekehren lassen: Er wollte dem ehemaligen Sklaven damals die Freiheit schenken und hatte seinen Frieden mit ihm geschlossen. Damit dürfte selbst die vorangegangene Folter - mehr oder weniger - als vergolten gelten, was Ichabod im Grunde genommen bereits jetzt von seiner Sünde reinwäscht. Der Plausibilität der Handlung um den „Sin Eater“ wäre es somit also durchaus zuträglich gewesen, wenn Crane Bernard tatsächlich im Wald ermordet - und somit wahre Schuld auf sich geladen - hätte. Allein die Tatsache, dass er das Leben von Bernard am Ende nicht vor dem blauen, britischen Dämon hatte retten können, lässt sich schließlich kaum als „Sünde“ bezeichnen.

Der Sündenfresser

John Noble (Fringe) gibt in seiner Rolle des Pflanzenfreundes und zwischenzeitlich in Rente gegangenen „Sin Eater“ Henry Parish eine interessante Figur ab. Noble kann den Charakter verhältnismäßig schnell mit Leben füllen und die Vergangenheit des Wesens - Todgeweihte im letzten Moment von ihren Sünden zu befreien - macht durchaus neugierig. Doch leider ist Parishs Spielzeit mit nur zwei Einsätzen zu knapp bemessen, um sich für ihn wirklich begeistern zu können.

Abbie, die den „Sin Eater“ im Auftrag von Katrina und mit der Hilfe ihrer Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) erst ausfindig macht, muss sich zwar nicht - wie Crane - in den oft etwas albernen Rückblenden mit Dämonen herumschlagen. Doch auch in der Gegenwart von Sleepy Hollow geht es teilweise recht seltsam zu. Neben dem „Sin Eater“, der durch das tatsächliche Verspeisen von Sündenmaterie begeistert, glänzt in dieser Episode auch Captain Frank Irving (Orlando Jones) durch skurriles Verhalten, indem er seine Skepsis durch seine verlorene Unschuld begründet.

Déjà vu

Wie es zuvor bereits in For the Triumph of Evil... (1x03) aufseiten Abbies der Fall war, besteht des Rätsels Lösung auch in dieser Episode darin, sich einer alten Schuld zu stellen. Doch weder in Abbies Zugeständnis, als Kind wahrhaftig den Dämon gesehen zu haben, noch in Cranes Konfrontation mit dem Geist von Arthur geht ein Gefühl der Dringlichkeit einher, das den ganzen Rehabilitationsaufwand im Nachhinein rechtfertigen würde.

Die labbrige Auflösung

Die Prämisse eines Wesens, „who has the power to cleanse the wicked of their sins“ ist an sich vielversprechend. Leider kommen bei der Auflösung dieses „Falls der Woche“ mehrere unglückliche Variablen zusammen. Zum einen erscheint Ichabods „Sünde“ wie gesagt etwas überbewertet. Zum anderen wirkt das Verhalten aller beteiligten Akteure in der Endsequenz reichlich willkürlich: Icky erklärt sehr ausführlich, dass er sterben muss. Selbst wenn seine Trennung von dem kopflosen Reiter gelingen könnte, hätten die Kräfte des Guten kaum eine Chance gegen den nun noch ein Stück unverwundbareren Bösewicht.

John Noble porträtiert den zwischenzeitlich in Rente gegangenen %26bdquo;Sin Eater%26ldquo; Henry Parish. © FOX
John Noble porträtiert den zwischenzeitlich in Rente gegangenen %26bdquo;Sin Eater%26ldquo; Henry Parish. © FOX

Doch dann taucht - so unangekündigt wie bedauerlicherweise vorhersehbar - Sündenfresser Henry Parish aus dem Nichts auf. Neben seinem allzu glücklichen Timing lässt sich auch bemängeln, dass er - äußerst gelegen kommend - auch als Entgifter einsetzbar ist.

Zwar kann man Abbie und Ichabod - dank der beiden Schauspieler - glauben, dass sie sich innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen sind. Doch wenn ein solch drastischer Schritt wie ein Selbstmord zum Wohle des „großen Ganzen“ beiläufig und gänzlich unspektakulär wieder aus der Welt geschafft wird, tut dies der Ausstrahlung der Serie keinen Gefallen.

Fazit

Von Beginn an hat sich die Serie Sleepy Hollow in den richtigen Momenten selbst mit einem Augenzwinkern betrachtet. Während dies zwar auch in The Sin Eater aufblitzt („Next time you see that witch in a dream tell her to be more specific“), mangelt es dieser Episode dennoch an Humor. Gleichzeitig verhindern es eine allzu vorhersehbare Handlung und logische Ungereimtheiten, dass man sich ernsthaft am Grusel berauschen könnte.

Das größte Plus dieser Episode besteht - neben dem Grundgedanken des „Sin Eater“ - darin, dass die Handlung sich in der großspurig betitelten Episode God, Honor, Fatherland fortsetzen wird.

Optimistisch macht dabei die Tatsache, dass Icky und Abbie hier wieder vereint auftreten werden. Neben der nach wie vor vielversprechenden Jenny wird zudem höchstwahrscheinlich auch John Nobles Henry Parish in die Handlung zurückkehren. Selbst wenn er nicht automatisch Ichabods „Verbindung“ zum kopflosen Reiter in sich aufgenommen haben sollte, kann er den Unhold zumindest aufspüren. Vielleicht wird man bei dieser Gelegenheit ja auch etwas mehr über diese Figur erfahren...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 5. November 2013

Sleepy Hollow 1x06 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 6
(Sleepy Hollow 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Geborgte Zeit
Titel der Episode im Original
The Sin Eater
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 4. November 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Regisseur
Ken Olin

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x06

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