Siren 1x01

Siren 1x01

Seit jeher liefern Fantasiewesen Stoff für zahlreiche Bücher, Filme und Serien. So auch die neue Freeform-Produktion Siren. Sie erzählt die Geschichte des kleinen Örtchens Bristol Cove, in dem das Auftauchen einer Meerjungfrau für reichlich Tumult sorgt.

„Siren“ (c) Freeform
„Siren“ (c) Freeform
© ??Siren“ (c) Freeform

Es gibt viele Legenden rund um Meerjungfrauen, die mysteriösen Wesen aus den Tiefen der Ozeane. Schon zu Beginn des Jahres bediente sich Guillermo del Toro dieser Fantasie und traf mit seinem Film „The Shape of Water“ genau ins Schwarze. Auch AMCs The Terror und die Dokumentarreihe „Blue Planet II“ von BBC schlagen thematisch in die gleiche Kerbe und machen sich zunutze, dass uns Menschen Geschichten aus den unergründlichen Weiten des Meeres faszinieren. Wer ist nicht schon mal im Meer geschwommen und hat sich plötzlich gefragt, was da unten wohl sein könnte... Und spätestens seit Siren ist diese Angst vielleicht berechtigt. Eric Wald und Dean White schreiben die Geschichte zur Serie rund um die geheimnisvollen Geschöpfe. Sie wenden sich damit an alle Zuschauer, deren Vorstellungskraft nicht an der Oberfläche der Wellen Halt macht.

Siren“ entführt uns in den beschaulichen Ort Bristol Cove, der auch den Namen Mermaid Capital of the World trägt. Der alljährliche Day of the Mermaid gehört zu den Highlights, zu dem sich nahezu jeder Bewohner einfindet. Nicht nur, weil ganz offensichtlich sonst nicht viel Aufregendes passiert, sondern auch, weil über Generationen Geschichten über Meerjungfrauen, die vor vielen Jahren den Ort beheimateten, kursieren. Doch es wird klar, dass alle romantischen Legenden rein gar nichts mit der Realität zu tun haben. Wie wir später erfahren, hat das Städtchen seine ganz eigene, verborgene, brutale Vergangenheit im Zusammenhang mit den seltsamen Meeresbewohnern. Viele Jahre zuvor sollen damalige Bewohner einen Genozid an den geheimnisvollen Geschöpfen vollzogen haben. Als dann eine Gruppe Fischer von etwas Undefinierbarem auf offener See angegriffen wird und sich unmittelbar die Navy SEALs der Sache annehmen, werden die Gerüchte plötzlich wieder nackte Realität (im wahrsten Sinne des Wortes). Der Kampf um das Meer entfacht erneut.

Ben (Alex Roe) und seine Freundin Maddie (Fola Evans-Akingbola) arbeiten als Meeresbiologen und helfen in Not geratenen Meerestieren. Als eines Abends eine nackte, rätselhafte Frau vor Bens Auto läuft, zögert er nicht, sie in seine Obhut zu nehmen. Noch ahnt er nicht, wie ähnlich sein Fund seinen sonstigen Patienten ist. Auch wenn er zunächst die merkwürdige Person nicht einordnen kann, drängen sich ihm immer wieder die Geschichte seines alten Freundes und dessen Erlebnisse an Bord des Fischerbootes auf. Auge in Auge mit der sonderbaren Erscheinung beginnt er, den Berichten seines Freundes Glauben zu schenken. Es wird klar, dass die Legenden über Meerjungfrauen wahren Begebenheiten entsprechen. Und eine davon sitzt genau vor ihm und stellt sich als Ryn (Eline Powell) vor. Im weiteren Verlauf der Geschehnisse werden Ben und Maddie immer mehr in den Bann dieses Geschöpfes gezogen und fühlen sich nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht getrieben, ihr zu helfen. Sie holen Helen (Rena Owen) mit ins Boot, da sie sich auf dem Gebiet der Meerjungfrauen besser auskennt als alle anderen. Gemeinsam versucht die kleine Gruppe, Ryn zu schützen und ihre Schwester aus den Fängen des Militärs zu befreien.

Eine der Stärken von „Siren“ ist mit Sicherheit Powells Performance und die dazugehörige, außerordentliche Figurenzeichnung. Wenn die meisten Menschen an Meerjungfrauen denken, sehen sie sicherlich freundliche, attraktive Geschöpfe vor sich, die mit ihrer glänzenden Flosse auf einem Stein sitzen und Seefahrer mit betörendem Gesang den Kopf verdrehen. Doch die Schöpfer von „Siren“ schlagen da einen anderen Weg ein und kreieren mit Ryn und Donna zwei Raubtiere, vor denen man sich besser in Acht nimmt. Obwohl mit Emotionen und Vernunft ausgestattet, reagieren sie instinktiv auf ihre Umwelt. Und das ist erfrischend, weil es von der Norm abweicht. Von einer Sekunde auf die nächste legt Ryn ihre scheinbare Unsicherheit und Unbeholfenheit ab und wird zum wilden Monster. Diese Unberechenbarkeit macht den Charakter so spannend. In der einen Minute rührt sie zu Tränen und in der nächsten bekommt man es ob ihrer Brutalität mit der Angst zu tun.

Wenn sie Helen versucht zu erklären, dass sie ihre Schwester sucht, wirkt sie zerbrechlich. Als sie auf einem Boot erwacht und sich erst einmal eine Ratte zum Frühstück genehmigt, ähnelt sie einem Raubtier. Diese Dualität zwischen Mensch und Tier gipfelt im Wechsel ihrer Erscheinung zwischen Land und Wasser. Sobald sie ins Meer eintaucht, verwandelt sie nicht nur ihr Äußeres. Sie mutiert zur erbarmungslosen Jägerin, die keinen Halt vor ihrer Beute macht. In ihrem Element hat sie die Macht, an Land wandelt sie meist zögerlich. Die Betonung liegt auf meist. Powell schafft es, ohne viele Zeilen zu sprechen verletzlich, bestialisch, seltsam, traurig, wütend und ängstlich zu sein. Sie passt nicht nur aufgrund ihrer speziellen Optik perfekt in die Rolle, sie überzeugt auch mit einer glänzenden und authentischen Darbietung. Leider wirken daneben alle anderen Charaktere sehr blass. Einzig Rena Owen kann durch eine natürliche Aura auf dem Bildschirm nahezu mithalten. Auch wenn ihre Figur mit ein wenig zu vielen Klischees der geheimnisvollen und weisen älteren Frau, die über alles Bescheid weiß, versehen ist. Wenn man für die Personen keine komplexen Charaktere formt, reicht das mannigfaltige Casting nicht aus.

Auch wenn „Siren“ hier und da kleine Schwächen hat, überzeugt mich das Gesamtkonzept und der Gedanke dahinter. Die Serie widmet sich tiefen menschlichen Ängsten vor den für sie nicht erreichbaren Teilen der Welt. Sie bespricht die Furcht bei gleichzeitiger Faszination für alles, was nicht erklärbar ist. Daneben steht die Zerrissenheit zwischen menschlichem und tierischem Dasein in Form von Ryn im Raum. Ist sie ein menschliches Tier oder ein tierischer Mensch oder keines oder alles. In einer Zeit, in der Menschen ihre natürlichen Instinkte so tief unter der Oberfläche vergraben haben, ist es spannend zu sehen, wie sich in den Fantasiewesen Natur und Kultur vereinen. Die Meerjungfrauen bringen die natürlichen Triebe aus den Tiefen mit nach oben und breiten sie vor uns aus. Ich vergebe 3,5 Sterne und bin gespannt, wie es weitergeht.

Verfasser: Gine Kreuzer am Freitag, 30. März 2018

Siren 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Siren 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Wer bist du?
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 29. März 2018 (Freeform)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 27. Februar 2019
Regisseur
Scott Charles Stewart

Schauspieler in der Episode Siren 1x01

Darsteller
Rolle
Alex Roe
Eline Powell
Ryn
Rena Owen

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