Shrill 1x01

© idy Bryant in „Shrill“ (c) Warner Bros./Hulu
Bis vor einigen Jahren war es quasi unmöglich, eine Serie zu sehen, in der die Hauptfigur übergewichtig war. Meist war dies den Nebendarstellern vorbehalten, die meist die Rolle der Außenseiter einzunehmen hatten. War eine Person außerhalb des idealen Schönheitsmaßes dann doch mal auf unseren Bildschirmen zu sehen, ging es hauptsächlich um deren Transformation zu einem gesünderen, dünneren und infolge dessen glücklicheren Lebensstil. Dabei sei kurz mal in den Raum gestellt, ob es wirklich okay ist, einem normalgewichtigen Schauspieler falsches Fett an die Wangen zu kleben, damit er das frühere Abbild seines Charakters darstellen kann, dem es meistens um einiges schlechter ging (siehe Friends oder New Girl). Doch mit der immer stärker werdenden Bewegung der Body Positivity, die darauf abzielt, dem eigenen Körper vor allem Selbstliebe entgegenzubringen, konnten wir in den letzten Jahren auch in der Fernseh- und Serienwelt einige (wenn auch noch lange nicht ausreichende) Veränderungen erleben.
Die von Hulu veröffentlichte Comedyserie Shrill versucht, als gutes Beispiel voranzugehen und beschäftigt sich mit dem Thema Body-Shaming etwas genauer.
„There is a small person inside of you, dying to get out"
Annies (Aidy Bryant) Gewicht nimmt einen großen Teil ihres Lebens ein. Ob es bei der Klamottenwahl ist, beim Frühstück oder in der Öffentlichkeit, wenn sie mal wieder von einer Fitnesstrainerin gedrängt wird, an einem Programm teilzunehmen, da natürlich alle übergewichtigen Menschen an einer Diät interessiert sind. Doch Annie hat gelernt, sich klein zu machen: nett zu lächeln, Konfrontationen auszuweichen oder es am besten sofort jedem in ihrem Umfeld recht zu machen. Auch in der Redaktion, in der sie lieber Redakteurin als Assistentin wäre, fällt es ihr immens schwer, sich gegenüber ihres schlecht gelaunten Bosses zu profilieren.

Auch ihre lockere Sexbeziehung mit Ryan (Luka Jones), von der sie sich mehr zu erhoffen scheint, zeugt nicht gerade von ihrem herausragenden Selbstbewusstsein. Dass ihr Sexbuddy sie jedoch nicht nur zur Hintertür herausgehen lässt, weil sie seine Freunde nicht treffen soll, sondern auch noch ohne Kondom mit ihr schläft, zeugt von einer grauenhaften Persönlichkeit seinerseits. Doch Annie lässt es mit sich machen und geht lieber jedes Mal danach in die Apotheke, um sich die Pille danach zu besorgen. Bis sie dann doch eines Tages schwanger ist, da die Pille nicht für Frauen mit ihrem Körpergewicht geeignet ist...
Ihre Abtreibung ist dann auch der Warnschuss für sie, nach dem sie erkennt, dass sie ihre Prinzipien für niemanden über Bord werfen sollte und sich einige Veränderungen in ihrem Leben (nicht ihrer Figur!) wünscht. Gleich darauf zeigen sich auch schon die ersten Entwicklungen, bei denen sie von ihrer Freundin Fran (Lolly Adefope) unterstützt wird. Sowohl gegenüber Ryan als auch ihrem Boss bekennt sie endlich Haltung.

Step by Step
Doch wenn Veränderung so leicht sein könnte, wäre die Serie schnell erzählt und auch nicht wirklich gut gemacht. „Shrill“ punktet an dieser Stelle besonders mit ihrem bodenständigen und nicht überdramatischen Umgang der Problematik. Das lässt sich besonders am Ende der Pilotepisode erkennen, wenn Annie erneut der penetranten und beleidigenden Fitnesstrainerin begegnet, die nicht aufhört, ihr ein anderen Körperbild aufzwingen zu wollen. Obwohl Annie ihre gut versteckten Beleidigungen zum ersten Mal nicht nur überhört, sondern Kontra gibt, zieht sie sich doch schnell wieder in ihren Kokon zurück und setzt sich nicht zur Wehr, als sie auch noch als fat bitch bezeichnet wird. Den Realitätsfaktor rechne ich den Produzenten hier sehr hoch an, wobei ich zugeben muss, dass ich mir ein stärkeres Comeback von Annie trotzdem gewünscht hätte.
Womit wir auch schon beim nächsten Kompliment an die Serie wären: die starke Protagonistin und Sympathieträgerin Annie, die an sich eine durchschnittliche junge Frau ist, jedoch versucht, aus dieser Rolle auszubrechen und mehr aus sich zu machen. Entweder werden sich die Zuschauer mit ihr identifizieren können oder sie bei ihrer Entwicklung anfeuern wollen.
Des Weiteren bietet die Comedyserie vielleicht nicht immer die besten Gags und liefert nicht Humor am laufenden Band, trotzdem kommt es zu merkwürdig unterhaltsamen Situationen, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen.
Fazit
Zum Auftakt der Serie konnte Shrill eine solide Leistung vorweisen, die hoffentlich in den nächsten Episoden noch weiter ausgebaut wird. Wir hoffen, noch mehr von den Nebencharakteren zu erfahren und dass auch der Comedyteil der Serie nicht vernachlässigt wird. Doch besonders freuen wir uns, dass Body-Positivity sich nicht nur als Modetrend erweist, sondern weiteren Einzug in den gesellschaftlichen Alltag erhält. Zeit, sich mit dem Thema Fat-Shaming auseinanderzusetzen, wurde es allemal.
Verfasser: Greta Kaiser am Freitag, 15. März 2019Shrill 1x01 Trailer
(Shrill 1x01)
Schauspieler in der Episode Shrill 1x01
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