Selena: The Series 1x01

© hristian Serratos als Selena (c) Netflix
Mit Selena: The Series legt Netflix die Serien-Bio der bekannten gleichnamigen Sängerin vor, die auf dem Olymp ihrer Karriere in jungen Jahren ermordet wurde und in einer großen Fangemeinde Legendenstatus innehat. Von den Anfängen an begleiten wir die Künstlerfamilie durch schwere Zeiten hin zum großen Ruhm. Ob das nicht besser als Film funktioniert hätte, sondern genug Stoff für neun Episoden hergibt?
Wovon handelt es?
Wir lernen Selena (Christian Serratos, The Walking Dead) auf dem Weg zu einem großen Erfolg kennen, umschwärmt von ihren Fans rollt sie vor. Doch innerlich freut sie sich nicht, denn von nun an muss sie alleine auf der Bühne stehen. Ihre Geschwister, die immer an ihrer Seite waren, übernehmen fortan nur noch Rollen abseits des Rampenlichts.
Doch dieser Konflikt liegt in ferner Zukunft, denn nach wenigen Minuten werden wir zurück ins Jahr 1971 geworfen, zu Selenas Eltern im Krankenhaus, mit ihrer kleinen Tochter auf dem Arm, einem Mädchen, die eigentlich ein Junge sein sollte. Weil sie keinen Namen für ein Mädchen vorbereitet haben, übernehmen sie von ihrer Bettnachbarin deren Backup-Namen Selena. Damit beginnt die Geschichte eines Superstars.
Acht Jahre später übt ihr Vater Abraham Quintanilla (Ricardo Chavira) mit ihrem Bruder A. B. für dessen Gitarrenkarriere, als er eine bezaubernde Stimme vernimmt. Er geht der Sache auf den Grund - und es ist seine kleine Tochter Selena, die im Garten für sich selbst singt. Keine weiteren Erklärungen sind notwendig, ab sofort steht sie der Familienband als Sängerin vor. Ihre Schwester Suzette Quintanilla (Noemi Gonzalez) ist die Schlagzeugerin der Truppe.
Wir erfahren, dass Abraham selbst eine mehr oder weniger florierende Musikkarriere sein eigen nennen durfte, aber den Sprung zum Erfolg nicht geschafft hatte. Nun sieht es für die Familie finanziell eher mau aus und er hofft, dass seine musikalisch begabten Kinder ihn aus dem Sumpf ziehen können.
Die junge Selena (Madison Taylor Baez) hat eine faszinierende Stimme, doch sie kann damit nicht jeden begeistern. In einem Seniorenheim wird die Familienband durch einen DJ mit Kasettenrekorder ersetzt. Unterdessen läuft es im Restaurant der Eltern immer schlechter, die US-Wirtschaft bricht zusammen, die Sorgen werden größer.
1981 muss die Familie für Essensmarken anstehen, was besonders dem Stolz des Vaters zusetzt. Die schwierigen Teile der Armut lässt er von seinen mittlerweile nicht mehr so kleinen Kindern erledigen. Derweil arbeitet er daran, die Familienband auf Kurs zu bringen. Suzette ist weniger begabt als die anderen beiden, aber die Kinder arbeiten untereinander daran.
Doch es wird nicht besser und so zieht die Familie nach Corpus Christi zu der Familie des Onkels. Onkel Hector versucht Abraham einen Job als Trucker zu verschaffen, denn er kann die Besessenheit seines Bruders mit Musik nicht verstehen, die Vision von Selena als Star nicht sehen.
Langsam bekommt die Band auf Abrahams Bemühen hin erste Auftritte auf Familienfesten. Doch für den Durchbruch fehlt etwas, was der Mutter der Familie, Marcella Quintanilla (Seidy Lopez), auffällt: Die Familie muss auf Spanisch singen, das geht den Menschen mehr ans Herz im Süden des Landes.
Doch Selena kann kein Spanisch, denn auch wenn die Eltern aus Mexiko stammen, ist die Herkunft weit weg und die Kinder sehen sich als Amerikaner.
Wir treffen die Band 1986 wieder. Selena ist mittlerweile ein Teenager, die Band packt mit spanischen Hits die Tanzfläche voll. Doch das ist erst der Anfang...
Wie kommt es rüber?
Die Netflix-Produktion Selena: The Series ist vollgepackt mit wunderschöner Musik, mit hübschen Menschen, bezaubernden Bildern und klangvollen Worten. Die Geschichte der verstorbenen Sängerin wird mit einem Schleier der Melancholie erzählt. Abgegriffene Szenen werden individuellen Geschichten vorgezogen. Allzu weit hinter die Kulissen will die Familie, die das Serienprojekt koproduziert hat, nicht blicken lassen. Am Ende kommt eine typische Cinderella-Geschichte heraus, bei der ein armes Mädchen es zu Reichtum und Ruhm bringt. Ecken und Kanten sucht man vergeblich, sowohl an den Charakteren als auch im Drehbuch.
Was die Sache noch ärgerlicher macht, ist die Tatsache, dass die Geschichte sich weniger um Selena und ihren Kampf an die Spitze dreht als um ihren Vater, und später um ihren Bruder. Es dauert bis zum Ende der zweiten Episode, bis Selena überhaupt eine wichtige Unterhaltung ins Drehbuch geschrieben bekommt. In erster Linie dreht sich die Serie um ihren Vater, der erstaunlich wenig hinterfragt wird, und sich als hart arbeitender Mann zeigt, der alles tut, um seine Familie an die Spitze zu bringen. Selenas Durchbruch in einem männlich dominierten Feld wird wenig Platz eingeräumt. Nur einmal, auf einer frühen Preisverleihung, trifft sie ihre ältere Konkurrentin auf der Toilette und bedankt sich bei ihr, den Weg für junge Sängerinnen geebnet zu haben. Dieser Teil der Story, der eigentlich zentral sein sollte, wirkt ziemlich emotionslos runtergeschrieben.
Ihr Charakter bleibt eine schöne Fassade, die nicht dieselbe Aufmerksamkeit und Charakterentwicklung bekommt wie ihre männlichen Familienmitglieder. Auf der Bühne wirkt sie ergreifend, was aber vor allem am Charisma der Darstellerin liegt. Abseits des Mikrofons bekommt sie wenig, womit sie arbeiten kann. Das ist schade und auch wenn die Serie an sich nicht schlecht ist, ist es als Selena-Bio dürftig. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seine Familie aus der Armut holen will, allenfalls die Geschichte einer Familie, aber leider nicht die Geschichte einer faszinierenden Frau, die durch ihren frühen Tod im Alter von 23 Jahren zur unsterblichen Legende geworden ist.
Fazit
Die Serie erzählt über neun Episoden die Geschichte einer Familienband und blickt dabei hinter die Kulissen, wie sie es aus der Armut auf die Bühnen des Landes geschafft haben. Der titelgebende Star scheint vor allem als Marketinginstrument zu dienen, denn es geht weniger um Selena als Person, sondern um ihren Vater und ihren Bruder sowie deren Bemühungen, die Band auf die musikalische Landkarte zu bringen. Der Kampf, wie die beiden um einen Plattenvertrag sorgen, wie sie sich gegen Konkurrenz durchsetzen, wird seziert. Wenn Selena einen Jungen treffen will oder um ihre Stimme bangt, dann bleibt das stets eine schnell und oberflächlich abgehandelte Nebenstory. Wenn sie schon als Teenager nur wenig Zeit hat zur Schule zu gehen, dann ist das vor allem ein Konflikt für den Vater. Wie Selena selbst darüber denkt und fühlt, erfahren wir überhaupt nicht. Schade.
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Freitag, 4. Dezember 2020Selena: The Series 1x01 Trailer
(Selena: The Series 1x01)
Schauspieler in der Episode Selena: The Series 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?