Die Serie Seed erfindet das Comedygenre nicht neu und schreckt auch nicht vor stupidem Slapstick zurück. Gleichzeitig manifestiert sich im dynamischen Handlungsverlauf zwischen verhinderten Blowjobs und Kautabak jedoch ein unterhaltsames Grundgerüst.

Die Ähnlichkeiten zwischen Harry (Adam Korson) und seinem leiblichen Sohn Billy (William Ainscough) sind schwer zu übersehen in „Seed“. / (c) City
Die Ähnlichkeiten zwischen Harry (Adam Korson) und seinem leiblichen Sohn Billy (William Ainscough) sind schwer zu übersehen in „Seed“. / (c) City

Die neue Comedy Seed beginnt wenig vielversprechend. Doch wenn man es erst einmal über die kitschige Wortschwelle „I am Harry. But the kids - they call me dad.“ aus dem Serienintro hinweggeschafft hat, wird man durch das kanadische Format mit allerlei vergnüglichen Begebenheiten belohnt.

Dad?!

Harry (Adam Korson) ist ein attraktiver Mann vom Typ „Kindskopf“, der sich lieber mit seiner Spielkonsole auseinandersetzt als mit seiner Kurzzeitfreundin Brenda - die eigentlich Linda heißt.

Er ist nicht der Doktor, für den er sich vor Jahren in seinem Samenspender-Resümee ausgegeben hatte, sondern arbeitet lediglich als Bartender. Sein Leben plätschert vor sich hin, bis sich plötzlich ein elfjähriger Junge an Harrys Fersen heftet. Der kleine Billy (William Ainscough) hat mit der Hilfe eines computerbegabten Freundes herausgefunden, dass sich hinter dem Spenderpseudonym seines leiblichen Vaters kein Geringerer als Harry verbirgt.

Nach vielen platten Gags - wie dem bereits einhundertmal ähnlich dargestellten Abwimmelungsversuch von Billy an der Haustür oder dessen Ausstattung mit Kautabak und Wodka - wird der Humor dann unvermittelt etwas kreativer. Als Harry erfährt, dass seine Spendernummer „XE30000“ lautet, assoziiert er damit sofort einen „Sperm-Robot sent from the Future“. Das ist zwar nicht sonderlich geistreich, verleitet aber Billy dazu, sich zu der euphorischen Schlussfolgerung „... that means I am half robot“ hinreißen zu lassen. Das bringt auch dem bislang allzu schablonenhaft als „altkluge Nervensäge“ auftretenden Jungen ein paar Pluspunkte ein.

One-Way-Gebärmutter

Auf Anhieb witzig ist der Charakter von Harrys Cheffin Irene (Vanessa Matsui), die an seiner Seite in der Bar arbeitet. Als der Vaterfrischling in seiner Überforderung an Irenes Mutterinstinkte appelliert, weist sie ihn mit einem trockenen „My womb only accepts incoming“ zurück.

Solche Lichtblicke werden leider immer wieder von einer Vielzahl von beliebig wirkendem Slapstick überlagert. War es denn wirklich unbedingt nötig, dass dem Barkeeper (!) Harry der Smoothie aus dem Mixer ins Gesicht spritzt?

Entwicklungen in High Speed

Nach vier Minuten und neunundzwanzig Sekunden greift Billy im Bus nach Harrys Hand. Knappe fünf Sekunden darauf verkündet die erste attraktive Frau ihr Entzücken über das Vater-Sohn-Gespann. Neben seinen gut gemeinten Ratschlägen à la „You have to become the Alpha-Dog. School is a lot like those prison-movies“ findet Harry dabei noch die Zeit, der hübschen Dame seine Nummer zuzustecken.

Nachwuchs Nr. 2

Als nach Sohn Billy plötzlich auch eine Tochter namens Anastasia (Abby Ross) in der Bar auftaucht, ist es amüsant, obwohl Harry dabei gleich vor Überraschung das Bier aus dem Mund prusten muss. Anastasias Mutter ist eine dominante Kinderpsychologin namens Janet (Laura De Carteret). Ihr nicht leiblicher Vater Jonathan (Matt Baram) ist ein erfolgreicher Anwalt, dem in Anbetracht seines fragilen Nervenkostüms eine Therapie sicherlich nicht schaden würde. Aufgrund erzieherischer Differenzen einigt sich Harry mit dem Akademikerpaar jedoch in gegenseitigem Einverständnis darauf, den Kontakt wieder abzubrechen.

Samen gesucht

Kaum ist Harry den väterlichen Verpflichtungen für „That's kind of a stripper name“-Anastasia und Billy wieder entkommen, erhält der Barkeeper einen Anruf von Rose (Carrie-Lynn Neales), der entzückten Frau aus dem Bus.

Rose möchte insgeheim schwanger werden. Doch anstatt bei der Samenspenderagentur einen stolzen Preis für das männliche Erbgut zu bezahlen, will sie sich lieber mit Harry zu unverbindlichem Sex verabreden. Ihr Kinderwunsch spiegelt sich dabei nicht nur in der Tatsache wider, dass sie das Zimmer unter dem Namen „Fellopian“ - also quasi als „Frau Eileiter“ - reserviert.

Vater gesucht

Zoey (Stephanie Mills), deren Held Mahatma Gandhi heißt, und Michelle (Amanda Brugel), ihr Held ist Chuck Norris, sind die lesbischen Mütter von Billy. Unvermittelt suchen sie Hilfe bei Harry, um ihrem Sohn gewisse neue Verhaltensweisen wieder auszutreiben. So hatte Billy plötzlich nach Kautabak verlangt - woher er das wieder hat?

Als dann auch noch Anastasia bei Harry von einer sogenannten „Lipstick-Party“ aus anruft, formiert sich aus Zoey, Michelle, Janet, Jonathan und Billy eine Art Schicksalsgemeinschaft. Es gilt, die 15-jährige Anastasia vor den Einflüssen einer derartigen Feier - bei der die Mädchen mit verschiedenen Lippenstiftfarben Blowjobs verteilen - zu retten. Anastasias überaus beschützerischer Vater Jonathan sieht aber eigentlich nur einen Weg, um seine Tochter zu bändigen: „We need to get her braces - that kind with sharp metal edges on them.

Zusammenführung

Nicht zuletzt, um im Notfall auf seine Organe zurückgreifen zu können, entscheiden sich schließlich beide Elternpaare dafür, Harry ein Teil ihres Lebens werden zu lassen: „It needs a village to raise a child. And every village has an idiot.

Die von Männern frustrierte Rose aus dem Bus hatte sich letztendlich doch gegen die Schwangerschaftsversuchsvariante „Harry im Bett“ entschieden. Bedauerlicherweise erkennt sie erst nach der vollzogenen künstlichen Befruchtung, dass sie stattdessen „Harry aus der Pipette“ bekommen hat. Zusammen mit Harrys Spermien hat die Single-Frau damit auch die unangefochtene „Love-Interest“-Position für den umtriebigen Bartender erobert.

Fazit

Nicht alle Witze in der Auftaktepisode Seed sind gelungen. Doch entgegen der bescheidenen Erwartungen, die mit dem Konzept eines umtriebigen Samenspenders einhergehen, kann die kanadische Comedy den Zuschauern eine ansehnliche Zahl an Schmunzlern und sogar Lachern abringen.

Die verschiedenen Charaktere des halbstündigen Formates erscheinen nach dem Piloten zwar fast alle noch sehr eindimensional und auch das schauspielerische Potential ist noch nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig erweckt die dynamische Figurenkonstellation jedoch den vielversprechenden Eindruck, dass in den folgenden Episoden noch allerlei amüsante Verstrickungen auf Harry und seine Familien hinzukommen werden.

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