Scream 2x12

Ein Killer kommt selten allein. Zumindest gilt das für die zweite Staffel der US-Serie Scream, denn kaum haben die Bewohner der Stadt eine grausame Mordserie hinter sich, so setzt offenbar ein neuer Mörder das Werk seiner Vorgängerin fort.
I'll be right back
Die Sommerferien sind zu Ende und Lakewood möchte nach den vergangenen Morden zur Normalität zurückkehren. Emma (Willa Fitzgerald) kehrt nach einer Behandlung aus der Therapie zurück und wird zum Schulbeginn von ihren Freunden willkommen geheißen.
Doch als Brookes (Carlson Young) Freund Jake (Tom Maden) verschwindet, macht sich die Gruppe verständlicherweise Sorgen um ihn. Als sie dann jedoch diverse Textnachrichten von ihm empfängt, ist das Thema für sie zunächst abgehakt. Zumindest, bis dessen blutige Leiche ihr im Rahmen eines Talentwettbewerbs vor die Füße fällt.
Speziell für Audrey (Bex Taylor-Klaus) entpuppt sich der Beginn einer neuen Mordserie zur nervlichen Zerreißprobe, denn der Killer terrorisiert sie nicht nur mit Nachrichten und Anrufen, er sorgt zusätzlich dafür, dass sie als Mörderin ins Rampenlicht gerückt wird, wenn sie sich weigert, seine Spielchen mitzuspielen.
Während immer mehr Bewohner der Stadt dem Killer zum Opfer fallen, machen vor allem Noah (John Karna) und dessen neue Freundin Zoe (Kiana Lede) unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Maskierten, der beide lebendig begräbt und ihre Freunde dazu auffordert, sie zu suchen. Während Noah mit einer Schnittwunde inklusive Schock überlebt, kommt für Zoe allerdings jedwede Hilfe zu spät.
Kurz darauf macht Brookes Vater, der Bürgermeister (Bryan Batt), schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Mistgabel. An den Tatort gelockt, stehen Emma und Audrey mit Blut an den Händen als die Idealen Verdächtigen parat, so dass dem neuen Sheriff Acosta (Anthony Ruivivar) nichts anderes übrigbleibt, als diese zu verhaften.

Allerdings befreit sie der maskierte Mörder auf dem Weg zur Polizeistation, um sein Spiel mit ihnen auf den Höhepunkt zu treiben. Obwohl zunächst viele Hinweise auf die Neuankömmlinge Eli (Sean Grandillo) und Stavo (Santiago Segura) deuten, so stellt sich schließlich heraus, dass Kieran (Amadeus Serafini) das blutige Werk seiner Freundin Piper (Amelia Rose Blaire) vollenden und sich für ihren Tod an den „Lakewood Six“ rächen wollte. Emma und Audrey können ihn schließlich überwältigen und der Polizei übergeben, doch ein Telefonanruf im Gefängnis lässt erahnen, dass die Maske von Brandon James damit nicht zum letzten Mal ein Monster verstecken dürfte.
Killing people is way more fun than therapy
Das zweite Jahr in Lakewood beziehungsweise „Murderville“ fühlt sich bereits nach kurzer Zeit ziemlich vertraut an: Scream macht stilistisch da weiter, wo es aufgehört hat. Dabei lässt sich problemlos behaupten, dass sich die Horrorserie im Grunde genommen nicht weiterentwickelt hat. Aber das muss sie auch nicht, denn Fans des Slasher-Genres wissen wie jeder andere Zuschauer natürlich auch Innovation zu schätzen, doch die Grundregeln, die Noah (John Karna) uns so gerne und ausführlich vor Augen führt, machen den Reiz und den lockeren Unterhaltungswert solch einer Serie aus.
Dementsprechend sollte man sich natürlich auch auf die Welt und die Materie einlassen und sich mit ein paar Gegebenheiten einfach abfinden: Der Killer ist wieder einmal ein geniales Multitalent, welches talentierter Hacker und Einbrecher ist, der quasi jeden Zug seiner Opfer vorausahnen und stets über das komplette Wissen der Kommunikation der Clique verfügt. Als zusätzlich gewiefter Hobbybastler und Fallensteller sollte sein Terminkalender dermaßen voll sein, dass die Bezeichnung „fleißig“ noch deutlich untertrieben ist.

Dabei ist es definitiv eine logische Entscheidung gewesen, Piper nun einen Komplizen zu geben, der sie bereits letzte Staffel unterstützte. Allerdings wäre es interessant gewesen, wenn erwähnt worden wäre, dass ihre Leiche gefunden und obduziert wurde, nachdem es im letzten Finale noch hieß, sie sei nie gefunden worden.
Solche Kleinigkeiten ziehen sich durch die Staffel und man muss im Prinzip auch dieses Mal davon ausgehen, dass Kieran (Amadeus Serafini) nicht alleine war. Soll er in When a Stranger Calls etwa Zeit gehabt haben, Audrey im Kino zu betäuben, dann wegzuschaffen, um anschließend Brooke zu verwunden und sich blitzschnell wieder umzuziehen? Wenn hier kein Crossover zu The Flash vorbereitet wird, dann hatte er entweder Hilfe, oder das Drehbuch hätte noch ein klein wenig mehr Schliff vertragen können.
Dabei ist es interessant, festzustellen, dass es in dieser Staffel bis auf die Ausnahme von Zoe (Kiana Lede) fast ausschließlich Figuren erwischt hat, die durch ihre arrogante und selbstverliebte Art bereits in der ersten Staffel als Opfer prädestiniert waren: Dass Jake und speziell auch der Bürgermeister so lange überlebt haben, war beinahe überraschend. Allerdings wissen wir nach dem Finale auch noch nicht, ob Brooke und Eli noch unter den Lebenden weilen, wobei zumindest Brooke mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Serie erhalten bleiben dürfte.
Wo ist Cotton Weary, wenn man ihn braucht?
Bereits die „Scream“-Filme liebten es, das Prinzip des red herring zu benutzen und den Zuschauer so auf eine falsche Fährte zu locken. Während in den Filmen der Charakter Cotton Weary (Liev Schreiber) diese Rolle als Dauerverdächtiger mit Ausrufezeichen (bis zu seinem Ableben) übernahm, bekommen wir in dieser Staffel gleich zwei dieser Kandidaten geliefert: die Neulinge Stavo (Santiago Segura) und Eli (Sean Grandillo).
Während Eli erst später als potentieller Killer in den Fokus rückt, wird einem Stavo dermaßen platt aufgedrängt, dass selbst unerfahrene Zuschauer ihn als „viel zu verdächitg“ von ihrer Liste streichen mussten. Ein neuer Schüler mit einer Obsession für Mordfälle, der in seiner Freizeit blutige Bilder von seinen ermordeten Klassenkameraden zeichnet, während er sie den Rest der Zeit wortlos anstarrt, ist wirklich eine Nummer zu dick aufgetragen. Aber vielleicht ist er ja noch nicht völlig aus dem Spiel, denn schließlich scheint die Möglichkeit auf einen weiteren beziehungsweise neuen Killer noch offen.

Parallelen zum Filmfranchise
Dementsprechend gab es zu Kieran auch nicht viele uns bekannte Alternativen, was seine Enttarnung zumindest auf gewisse Weise vorhersehbar machte. Interessanterweise lassen sich für diejenigen unter uns, die mit dem „Scream“-Franchise vertraut und mit Teenie-Slashern aufgewachsen sind, schnell Gemeinsamkeiten des jeweiligen Staffelfinales und den Abschlüssen der Filme feststellen: Während im ersten Teil der Filmreihe beziehungsweise der Serie der Showdown während einer Party stattfand, wurde der Ort des Geschehens bei den Fortsetzungen in ein Kino verlegt.
Lediglich die Killer wurden ausgetauscht, denn, während im ersten Teil der Filme der Freund der Protagonistin sich als einer der Mörder zu erkennen gab, war es im zweiten Teil eine der Gruppe unbekannte Reporterin mit Beziehungen zum ersten Täter.
Das zeugt davon, dass sich die Macher von Scream mit der Materie auseinandergesetzt haben und dieser ein respektvolles Kopfnicken gönnen.
Fazit
Scream behält nach wie vor seine kleinen Macken und Eigenheiten, aber liefert dementsprechend auch genau das, was es verspricht: leichte Unterhaltung, die hilft, das Sommerloch zu füllen. Wer der ersten Staffel bereits etwas abgewinnen konnte, der wird auch von der qualitativ ähnlichen Fortsetzung der Geschichte der „Lakewood Six“ überzeugt sein. Erwartet man kein komplexes und logisches Meisterwerk und lässt man sich einfach auf die Slasher-Serie ein, kann man viele Stunden voller guter Unterhaltung verbringen.
Der Trailer zur zweiten Staffel von „Scream“:
Verfasser: Tim Krüger am Samstag, 20. August 2016(Scream 2x12)
Schauspieler in der Episode Scream 2x12
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