Scream 1x10

Bei Scream geht im Städchen Lakewood ein maskierter Serienkiller um, der überwiegend Personen aus dem Freundeskreis von Teenagerin Emma (Willa Fitzgerald) ins Visier nimmt. Einer nach dem anderen fallen sie dem unbekannten Täter zum Opfer, der sein grausames Spiel mit den Bewohnern der Stadt treibt.
Everybody is watching the horror show
Als Emma verstörende Anrufe vom Killer erhält, der sie auf eine Schnitzeljagd mit Puzzlestücken und Motivsuche schickt, beschließt sie gemeinsam mit ihren Freunden, dem Unbekannten den Kampf anzusagen und Nachforschungen anzustellen.
Doch je näher sie dem maskierten Mörder kommt, desto mehr geraten sie und ihre Clique in Gefahr und die Gruppe Teenager wird schon bald um manche Mitglieder dezimiert. Dabei stellen sie genau wie die eher hilflose Polizei eine Vielzahl an Vermutungen und Theorien zum Ursprung und zur Identität des Täters auf.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei Emma und ihre Mutter Maggie (Tracy Middendorf), deren Vergangenheit um die düsteren Ereignisse in Zusammenhang mit dem Tod des Amokläufers Brandon James fest mit den aktuellen Geschehnissen verknüpft ist. Ist das gemeinsame Kind von Maggie und Brandon etwa zurückgekehrt, um Rache für ihren Vater und Maggies Freigabe zur Adoption zu nehmen?
Der Showdown führt die Überlebenden auf eine Party nach dem Halloweenball, die von den blutigen Aktivitäten des Killers jäh unterbrochen wird. Auf einem Dock unweit der Party kommt es schließlich zur (möglicherweise) letzten Konfrontation zwischen „Final Girl“ und messerschwingendem Bösewicht.
I'm not three days from retiring and I will not be right back.
Durch Slasherexperte Noah (John Karna) legen die Autoren zu Beginn von Scream ihre Absichten für eine erfolreiche Staffel dar, damit der Slasherfim im Serienformat auch funktioniert: Sympathische Figuren müssen her, damit es dem Zuschauer nahegeht, wenn diese ins Gras beißen.
Dieses Konzept geht leider nur bedingt auf, denn im Laufe der Staffel stellt es sich als große Schwierigkeit heraus, jemanden sympathisch wirken zu lassen, während man ihn oder sie bis zum Finale als potentielle/n Mörder/-in in Verdacht behalten soll. Manche Figuren wie etwa Brooke (Carlson Young) sammeln diese Sympathiepunkte erst äußerst spät ein.

Nach ordentlichem, aber nicht spektakulärem Start verliert sich die eigentliche Slasherserie über viele Episoden in langgezogenem Teeniedrama, was bei einer MTV-Serie zwar wenig schockierend und auch nicht wirklich deplatziert ist, aber bei Fans der Filmreihe tendenziell auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte.
Allerdings ändert sich das ungefähr ab der siebten Episode In the Trenches und das Tempo zieht glücklicherweise gleichzeitig mit der Spannung an. Eben diese Spannung, gefährliche Versteckspiele und das eine oder andere Opfer tragen gemeinsam mit dem Killerratespiel zu einer Scream-Atmosphäre bei, die man sich schon ein wenig früher gewünscht hätte.
Dabei finden sich viele auch für die Filmreihe typische Elemente wieder, die fernab von Realismus mit einem zwinkernden Auge betrachtet werden sollten, damit der Spaß nicht verloren geht. Die Polizei ist herrlich inkompetent und stets überzeugt, endlich den richtigen Killer gefasst zu haben, der Jake (Tom Maden) überlebt ein bis zum Heft in seine Brust gerammtes Messer und spaziert kurze Zeit später schon wieder munter durch die Gegend, während alle Verdächtigen während der Morde zufällig im Wald oder am See spazieren gehen.
Staring death in the face
Doch Realismus ist bei einer Slasherserie eben nicht die Messlatte, auch wenn bei einigen Dingen - wie etwa der Größe des Killers, die in den meisten Szenen so gar nicht zur zierlichen Figur von Amelia Rose Blaire passte - ein Auge fürs Detail angenehm aufgefallen wäre. Allerdings kann dies auch mit Spekulationen über einen zweiten Killer begründet werden, wobei gerade bei Audrey (Bex Taylor-Klaus) die Verbindung zu Piper womöglich auf eine schräge Weise, die sie nicht zur Gehilfin der Mörderin werden lässt, erklärt wird. Dass sich die Macher mit der Materie auseinandergesetzt haben, beweisen sie im Gegenzug wiederum beispielsweise auch durch die obligatorische Kranfahrt über die von Ambulanzen und Polizei geprägte Szenerie in der Schlussszene.
Während die letzten Episoden wirklich sehr unterhaltsam waren, ist es wirklich schade, dass der Auflösung und dem letzten Showdown im Finale lediglich fünf Minuten gewidmet wurden. Wozu hat man im Vergleich zu einem Film denn ein Vielfaches der Zeit, wenn man es nicht für eine der wichtigsten Szenen der Staffel nutzt? Schließlich bekam selbst die Geschichte um Brookes Vater beispielsweise wesentlich mehr Zeit eingeräumt, auch wenn sie letztendlich nur sehr wenig zur eigentlichen Story beigetragen hat.
Zudem wirkte Piper fasst schon eher ein wenig niedlich anstatt wirklich verrückt und gefährlich. Ihr die teilweise ziemlich blutigen Morde zuzutrauen, fällt daher nicht ganz so einfach. Das mit dem Blut ist zudem eine etwas schwierige Sache, denn die gore-Momente wären in dieser Form gar nicht unbedingt nötig gewesen, da ein hoher Blutgehalt noch nie wirklich die Essenz der „Scream“-Filme war. Aber, nachdem der gemeine Horrorfan bereits auf einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, ist es auch nicht einfach, ihn mit clever konstruierten Twists noch zu Überraschen, so dass der Griff zu Schockmomenten ein einfaches Mittel darstellt, um Reaktionen zu bekommen.

Die beinahe exessiv betonte Nutzung von Social Media ist zwar eine Übertragung des angestaubten Slashergenres in die Moderne, doch immer, wenn die moderne Elektronik außer Reichweite - wie etwa auf der Bowlingbahn - war, waren die Spannungsmomente am größten.
Dialoge und schauspielerische Leistungen gehen selten über Durchschnittsqualität hinaus und treffen hin und wieder auch den unteren Rand des Qualitätsspektrums. Doch bei aller Kritik schafft Scream es, den wichtigsten Test zu bestehen: Der Unterhaltsfaktor stimmt und gerade gegen Ende der Staffel macht es Spaß, die Slasherserie zu schauen, auch wenn sie vielleicht ein wenig in den Guilty Pleasure-Bereich rückt.
Das offene Ende aufgrund Audreys Beweisvernichtung und der fehlenden Leiche (trotz Kopfschuss) lassen genügend Freiraum für eine neue Staffel. Der Tod von Brandon James ist nicht erwiesen und selbst wenn seine Tochter tatsächlich gestorben sein sollte, könnte er immer noch selbst aktiv werden oder einen möglichen Jünger in der zweiten Staffel auf Teeniejagd schicken.
Fazit
Nach ordentlichem Start verfällt Scream über weite Strecken in ein Teeniedrama mit viel Luft nach oben, um gegen Ende wieder deutlich anzuziehen und daran zu erinnern, warum das „Scream“-Franchise eine bekannte Marke ist und dadurch Kennern sowie Neulingen gute Unterhaltung bietet.
Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 2. September 2015(Scream 1x10)
Schauspieler in der Episode Scream 1x10
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