Scorpion 1x01

Scorpion 1x01

Ein Team von genialen Menschen unterstützt die Regierung, um eine Katastrophe am Flughafen von Los Angeles zu vermeiden. Doch obwohl Scorpion gleich drei dieser Hochbegabten versammelt, sollte jeder, der sich von der Serie unterhalten lassen will, sein Gehirn lieber auf Standby schalten.

Das Team von „Scorpion“ / (c) CBS
Das Team von „Scorpion“ / (c) CBS

Walter O'Brien (Elyes Gabel) und seine drei Freunde Toby (Eddie Kaye Thomas), Happy (Jadyn Wong) und Sylvester (Ari Stidham) sind hochbegabt, aber pleite. Als durch einen Softwarefehler die Kommunikation zwischen dem LAX und den sich in der Luft befindenden Flugzeugen ausfällt, können nur noch sie die Stadt vor der drohenden Katastrophe bewahren.

You're a million miles from normal

Als Agent Cab Gallo (Robert Patrick) im Unterschlupf von Walters Team auftaucht, macht er ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können: Einen saftigen Scheck und die Möglichkeit 20000 Leben zu retten.

Da der Weg zum Flughafen aufgrund von Staus versperrt ist, landet das Team in einem Diner mit Internetzugriff, in dem die scheinbar alleinerziehende Mutter Paige (Katharine McPhee) arbeitet, und gleichzeitig ihren jungen Sohn beaufsichtigt. Von dort aus hackt O'Brien in das System des LAX und versucht den Softwarebug zu beheben. Mit unerwarteten Problemen konfrontiert, hetzen Ingenieurin Happy und Psychoanalytiker Toby durch die Stadt, um eine Backup-Version der Flughafensoftware zu organisieren. Doch obwohl sie an die Daten gelangen, werden diese durch einen unglücklichen Zufall unbrauchbar.

Als Walter kurz vor der Aufgabe steht, richtet ihn Paige wieder auf und inspiriert von ihrem Sohn, fällt ihm ein möglicher Lösungsvorschlag ein. Daraufhin rasen er und Paige mit dem Auto quer durch die Stadt zum Flughafen, um einen letzten verzweifelten Rettungsversuch zu unternehmen. Obwohl es ihnen gelingt, eine Telefonverbindung zu einem sich in der Luft befindenden Flugzeug herzustellen, müssen sie einen erneuten temporären Rückschlag hinnehmen. Daraufhin greifen Walter und Paige in waghalsiger Manier zum letzten Strohhalm: Auf der Landebahn versuchen sie bei voller Fahrt, in einem Ferrari, die nicht korrumpierte Software direkt per Netzwerkkabel vom wenige Meter über ihnen fliegenden Flugzeug zu erhalten.

Selbstverständlich gelingt dieses Manöver in letzter Sekunde, womit die Kommunikation wiederhergestellt und die Landung der Maschinen sichergestellt werden kann.

So fast it makes me furious

Die Dinge, die einem nicht entgeistert die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen, sind an einer Hand abzählbar: Vom optischen Standpunkt gesehen, leistet „Furious 6“-Regisseur Justin Lin auf handwerklicher Ebene phänomenale Arbeit. Gut durchdachte Kamerafahrten harmonieren mit herausragend choreographierten Actionsequenzen auf eine besonders gelungene Weise, die eher den Eindruck eines Kinofilms als den eines Serienpiloten erwecken. Die Audiovisuelle Präsentation als Gesamtwerk ist also definitiv nicht das Problem der Serie.

Deutliche Defizite sind bei Scorpion allerdings in fast allen anderen Bereichen spürbar. Die hochintelligenten Nerds mit sozialen Interaktionsproblemen sind mittlerweile ein sehr plattgetretenes Klischee, an dem sich die Autoren ordentlich bedienen. Die Figuren werden lieblos in Szene gesetzt, denn anstatt den Zuschauer ihre Charakteristika durch ihre Handlungen kennenlernen zu lassen, werden sie einfach nach dem „tell don't show“ Prinzip eingeführt. Gezeigt wird dies, indem Agent Gallo zu jedem von ihnen kurzerhand erklärt, was ihre Fähigkeiten ausmacht, wodurch sie mehr wie erzählerische Werkzeuge anstelle von Figuren wirken, für die der Zuschauer Empathie empfinden soll. Zudem erfüllen sie alle die selbe Funktion im Grundfigurenmodell als Experten beziehungsweise Hacker/Magier.

Walter (Elyes Gabel) und Paige (Katharine McPhee) versuchen Leben zu retten. © CBS
Walter (Elyes Gabel) und Paige (Katharine McPhee) versuchen Leben zu retten. © CBS

Das ist das Stichwort für die Elemente, die Scorpion zu einem schwer erträglichen und fast lächerlichen Erlebnis machen. Die Erklärungen und Handlungen sind dermaßen hanebüchen, dass man am liebsten im Takt einer Waschmaschine im Schleudergang mit den Augen rollen möchte. Die Autoren geben dem Zuschauer ein unglaublich absurdes (Stichtwort: Endsequenz) und unlogisches Szenario zu schlucken, indem er immer und immer wieder das, was geschieht einfach hinnehmen muss. Denn wer einmal anfängt etwas zu hinterfragen, hat sich aufgrund der Häufigkeit dieser Faktoren eine zeitaufwendige Aufgabe gesucht.

Sicherlich könnte man versuchen, darüber hinwegzusehen und sich von der guten Action und dadurch einhergehenden Kurzweiligkeit berieseln zu lassen, wären da nicht die Momente, in denen sich die Serie ernst nimmt. Die Szenen, in denen Walter über seine schlechten Erfahrungen spricht und seine Beziehung zu Paiges Sohn aufbaut, wirken ziemlich aufgesetzt und der Versuch eine Ernste und schwermütigere Nachricht dem Ganzen unterzumischen, geht sehr schnell unter.

Die Charaktere bleiben über die gesamte Folge hinweg oberflächlich und blass. Dafür, dass Paige als O'Brians Anker und Bindeglied fungieren soll, lassen sich ihre Beweggründe, sich so stark in Gefahr zu begeben, nur schwer nachvollziehen. Dass ihr Sohn nicht einfach nur „challenged“ ist, sondern so wie er dargestellt wird, Merkmale des Asperger-Syndroms beziehungsweise Autismus zeigt, sollte ihr als Mutter eigentlich schon einmal aufgefallen sein. Für Robert Patrick bleibt nicht viel Spielraum und er macht seine Sache mit den begrenzten Mitteln, die ihm das Drehbuch erlaubt, in Ordnung. Trotzdem sollte er sich vielleicht überlegen, in die Vergangenheit zu reisen, um die Entstehung dieser Serie zu verhindern, dann wäre vielen diese schwache Pilotepisode erspart geblieben.

Fazit:

Scorpion ist sehr wahrscheinlich die dümmste Serie über intelligente Menschen, die ich jemals gesehen habe. Flache und lieblose Charaktere, unnatürlich wirkende Dialoge und abstruse Handlung können nicht von den durchgestylten Actionsequenzen gerettet werden. Es fehlt trotz der interessanten Grundidee an allen Ecken und Kanten an Substanz. Wer Wert auf gut aufgebaute Figuren und eine intelligente Geschichte legt, sollte um diese Serie einen großen Bogen machen, denn der Stich dieses Skorpions ist Gift für die Gehirnzellen.

Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 23. September 2014

Scorpion 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Scorpion 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Genie-Werkstatt
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 22. September 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Januar 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 29. Januar 2015
Regisseur
Justin Lin

Schauspieler in der Episode Scorpion 1x01

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