Die Autoren der kanadischen Sitcom Schitt's Creek nehmen sich eine uralte Idee vor: Überraschend verarmte Millionäre müssen sich im wahren Leben zurechtfinden. Ein starker Cast und ein quirliger Sinn für Komik machen die Pilotepisode Our Cup Runneth Over sehenswert.

Cast der Serie „Schitt's Creek“ / (c) CBC
Cast der Serie „Schitt's Creek“ / (c) CBC

Über manche Sitcoms bildet man sich unwillkürlich ein Urteil, bevor man die erste Episode überhaupt gesehen hat. Meist passiert das, wenn die Serienbeschreibung sich anhört wie zig andere Serien, die man aus Mangel an Originalität bereits schon nicht mehr geschaut hat. Oft liegt man mit diesen Vorurteilen wohl nicht so falsch, doch manchmal lohnt sich auch ein zweiter Blick. Schitt's Creek gehört zu diesen Serien.

Worum es geht

Die Prämisse der Serie ist schnell erklärt: Die Familie Rose lebt in Saus und Braus - eine riesige Villa, zahlreiche Bedienstete, Kreditkarten ohne Limit. Doch in der Pilotepisode Our Cup Runneth Over wird all das durch einen Besuch der US-amerikanischen Steuerbehörde beendet. Es stellt sich heraus, dass ihr Finanzmanager sich abgesetzt und die Familie ohne ihr Vermögen, dafür mit großen Steuerschulden zurückgelassen hat.

Wie ihr Berater ihnen erklärt, haben die Mitglieder der Familie Rose nun zwei Möglichkeiten: Obdachlosigkeit oder Umzug in ein kleines Dorf, das Vater Johnny (Eugene Levy, „American Pie“) vor Jahren als Witz gekauft hat.

Drei Minuten nach Beginn der Pilotepisode landen die Roses in Schitt's Creek und das urkomische Drama nimmt seinen Lauf. Der erste Anwohner, auf den sie noch inmitten ihrer wenigen Umzugskisten treffen, ist der Bürgermeister Roland Schitt (Chris Elliott, How I Met Your Mother, Eagleheart), der äußerlich dem Klischee eines Hinterwäldlers entspricht und sich auch ansonsten nicht eben auf die sozialen Umgangsformen versteht, die die Roses an den Tag legen. Nachdem er die Familie ins einzige Motel des Ortes gebracht hat, macht er es sich vor dem Fernseher und auf der Toilette des Zimmers bequem.

Alle vier Roses sind auf ihre Art und Weise entsetzt von ihren neuen Umständen. Sohn David (Dan Levy) ist von der Aussicht, nur ein Handtuch im Band zu haben, entgeistert und wendet sich umgehend an Stevie ( Emily Hampshire), die am Empfang des Motels sitzt. Mutter Jocelyn (Catherine O'Hara, „Kevin - Allein zu Hause“) konnte ein paar Diamantohrringe unter ihrer Zunge vor der Pfändung bewahren, die nun ihr wertvollster Besitz sind. Sie versucht sich den Anwohnern gegenüber höflich - mit kaum verborgenem Hochmut.

Vater Johnny scheint am meisten mit den Beinen auf dem Teppich geblieben zu sein, doch innerhalb weniger Stunden gerät er in eine Fehde mit dem Bürgermeister des Ortes, die darin endet, dass Roland die Türen der Familienzimmer im Motel ausbaut. Und Tochter Alexis (Annie Murphy) reißt sich lange genug von ihrem Handy los, um sich mit ihrem Bruder über das Bett mit der geringsten Ermordungswahrscheinlichkeit zu streiten und ihrer Familie mitzuteilen, dass ihr Freund Stavros sie mit einem Privatflugzeug abholen wird.

Zumindest ist das der Plan, bis Stavros feststellt, dass er bereits eine Party zur verabredeten Zeit besuchen will und die Beziehung beendet. Während die Familie noch über Stavros streitet, bringt Kellnerin Twyla (Sarah Levy) die übergroßen Speisekarten, die alle vier Roses vor eine logistische, komische Herausforderung stellen. Der erste Tag in der Armut geht mit der Pilotepisode Our Cup Runneth Over zu Ende.

Wie kommt es rüber?

Zurück bleibt die Erkenntnis, dass man auch aus einer alten Idee eine unterhaltsame Serie machen kann. Zumindest, wenn man die richtigen Autoren und Schauspieler hat. Die Serienmacher legen es auf eine spezielle, manchmal alberne, manchmal trockene Art von Humor an, die vielleicht nicht bei allen Zuschauern ankommt, aber sicher Fans finden kann. Doch es gibt zahlreiche Serien, die dieses Ziel nicht erreichen.

Dass die Pilotepisode Our Cup Runneth Over den Ton, den sie anstrebt, trifft, liegt unter anderem wohl daran, dass die ganze Produktion eine Art Familienunternehmen ist. Alle Stränge laufen bei der kanadischen Schauspielerfamilie Levy zusammen, deren Mitglieder denselben Humor zu haben scheinen. Die zentralen Personen in der Produktion der Serie Schitt's Creek sind Vater Eugene und Sohn Daniel Levy. Die beiden zeichnen als Erfinder, Produzenten, Co-Autoren und Hauptdarsteller der Serie verantwortlich. „Schitt's Creek“ ist die erste Fernsehserie ihrer Produktionsfirma „Not a Real Company Productions“.

Neben den beiden taucht auch Tochter Sarah Levy kurz in der Rolle der Kellnerin Twyla in der Pilotepisode Our Cup Runneth Over auf. Besonders Daniel, der bisher vor allem als Moderator und Fernsehpersönlichkeit in Erscheinung getreten ist, macht seine Sache als Überhipster David überraschend gut und amüsant.

Doch auch die beiden Frauenfiguren in der Familie können sich sehen lassen. Catherine O'Hara als melodramatisches, ehemaliges Seifenopersternchen und die verwöhnte Tochter, dargestellt von Annie Murphy, sorgen für zahlreiche Lacher.

Die Story ist auf dem Umstand aufgebaut, dass die Roses aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden und sich in einer anderen Welt zurechtfinden müssen. Die Familie bedient alle Klischees reicher, ignoranter Fernsehfamilien, doch ihre Gegenparts, die Kleinstadtbewohner, teilen sich in zwei Gruppen auf. Auf der einen Seite haben wir Figuren wie Roland, bei dem die Serienmacher ebenfalls mit vielen Klischees spielen, und auf der anderen Seite Figuren wie Stevie, die sich als mehr oder weniger normale, intelligente Menschen zeigen. Mit beiden Parteien geraten die Roses in amüsanter Weise aneinander.

Fazit

Die Serie Schitt's Creek serviert uns mit ihrer Pilotepisode Our Cup Runneth Over unterhaltsame zwanzig Minuten. Neben der speziellen Art von Humor liegt es vor allem daran, ob man Gefallen an den Figuren finden kann. Die Schauspieler machen einem das einfach.

Promo zur Serie „Schitt's Creek“:

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