Scandal 4x22

Scandal 4x22

Das vierte Staffelfinale der Serie Scandal mischt die Karten neu, aber leider nicht mehr, als es fast jede Episode bisher getan hat. Ein Gewinnerteam geht aus You Can't Take Command nicht hervor, dafür aber die Unfähigkeit der Autoren, tote Plots gehen zu lassen.

Olivia (Kerry Washington) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC
Olivia (Kerry Washington) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC
© (c) ABC

Die Teams in der Serie Scandal haben seit jeher eine kurze Halbwertszeit. Das Staffelfinale You Can't Take Command wurde offenbar vom Ende her aufgezogen. Das einzige Ziel der ganzen Operation ist es, Olivia (Kerry Washington) und Fitz (Tony Goldwyn) gemeinsam auf den Balkon des Weißen Hauses zu bekommen. Unterwegs darf man dafür auch mal jede Logik in die Pause schicken. Wenn es wenigstens neben dem nervenden Liebesglück auch ein zufriedenstellendes Finale gegeben hätte, könnte man damit ja noch leben.

I am fine with it.

Das erste, symptomatische Problem an der Story der vierten Staffel ist die Unbeständigkeit in der Figur Rowan (Joe Morton). Er ist der große Gegenspieler, der mächtigste Mann der Welt, der offenbar jeden auf seine Seite ziehen oder manipulieren kann, den er gerade braucht. Abgesehen natürlich von den Verantwortlichen seines Fake-Jobs beim Smithsonian. Manchmal ist er ein Verrückter, der seine mörderischen Spiele mit allen um ihn herum treibt, manchmal ein eiskalter Taktiker, den man mit den richtigen Waffen in die Enge treiben kann, wie Maya (Khandi Alexander) es einst geschafft hat. Wie fast alle Figuren unterliegt er weder einer realen noch einer serieninternen Logik, sondern ausschließlich der Schablone, die die Autoren anlegen. Er muss in die Lesart passen und Bestechendes zur Interpretation liefern. So muss er zum Beispiel zu Beginn der Episode You Can't Take Command Mellie (Bellamy Young) eröffnen, dass sie eine große Inspiration für seine Tochter sei, die Frau, die keine Stunde später den Platz der First Lady auf dem Balkon des Weißen Hauses einnehmen wird. Was für ein netter Nebeneffekt, ein schöner kleiner Hinweis, den man auffangen und interpretieren kann. Ist der ganze mörderische Wahnsinn etwa eingefädelt, um Olivia dahin zu bringen, wo sie immer schon hin wollte, an Fitz' Seite? Ist das die Art eines Psychopathen, väterliche Fürsorge zu zeigen?

Ein weiterer Grund für seinen Besuch bei der First Lady ist der Überraschungseffekt, der schon in der letzten Episode ausgespielt wurde. Rowan hat die Macht, überall hinzukommen, und er fliegt so weit unter dem Radar, dass Mellie ihn nicht einmal erkennt, als sie ihm gegenüber sitzt. Er kann die First Lady zu allem erpressen, was er will. Er hat sich den Weg zu ihrer politischen Beraterin Elizabeth (Portia De Rossi) geebnet, wohl über die Aussicht auf Cyrus' Job. Er schafft es, die animalischen Triebe in jedem offen zu legen und jeden in seinem Umfeld zu Mördern oder zumindest Handlangern in unmenschlichen Taten zu machen, indem er ihnen die Erfüllung tiefer Wünsche verspricht, indem er ihnen die Gelegenheit gibt, egoistisch zu sein. Er selbst stellt sich über alles und er öffnet anderen den Weg, sich ebenfalls über andere zu stellen und dabei immer noch humaner zu bleiben als er selbst.

Rowan als Figur ist nur noch ein Symbol, kein Charakter mehr. Was er tut ergibt nur noch selten Sinn. Wieso holt er sich die Namen von Mellie, wenn er ohnehin alle in einem Bus töten will? Die Namen tun nichts zur Sache, Rowan hat über Huck (Guillermo Diaz) ohnehin Zugang zu seinen Opfern, der ehemalige Agent kennt die Ziele, das Treffen mit Mellie hat mit den Morden nicht viel zu tun.

Doch die Schwächen der Story hören damit nicht auf. Denn niemand erklärt uns, wie Huck es geschafft hat, alle diese Menschen auf ihren Sitzen zu töten, ohne dass jemand etwas unternommen hat. Das Problem mit B-613 ist, dass die Beteiligten übermenschlich mächtig sind und unerklärliche Fähigkeiten haben, wann immer es der Story dient.

I was wrong to take care of us?

Schließlich läuft alles darauf hinaus, dass Mellie und Cyrus (Jeff Perry) ihren Platz im Weißen Haus räumen müssen, während Olivia endlich ihren Fuß in diese Tür bekommt. Vom Ende der Episode You Can't Take Command gesehen ist alles nur für diesen einen Zweck passiert. Und das hat echtes Augenrollpotential. Plötzlich sind alle Bedenken, die Ehe zwischen Mellie und Fitz zu lösen, unwichtig. Und das nur, weil die Frau, die bisher alles für ihn getan hat, das auch dieses Mal getan hat. Fitz hat eine zivile Passagiermaschine abgeschossen und eine Nation in den Krieg geführt, um seine Affäre zu retten. Er hat nicht nur Vernas Blut an den Händen, er hat sich so einiges zu Schulden kommen lassen, meistens für die Macht und Olivia. Und jetzt schwingt sich dieser Mann auf, seine Frau zu verurteilen, weil sie erpresst wurde.

Die Scandal-Autoren lieben es, mit Metaphern um sich zu werfen, doch wenn die Geschichte so sehr darunter leidet, wie am Ende der vierten Staffel, dann verliert auch das seinen Reiz. Am Ende der Episode spielt ein Lied „Here Comes the Sun“. Das ist nicht nur übertrieben kitschig und lässt Raum, in dem man sich fragt, wie Olivia es auf den Balkon geschafft hat, ohne dass Fitz davon erfährt. Noch schlimmer ist, dass die Metapher schlechter kaum gewählt sein könnte, schließlich war das Symbol für Olivia und Fitz seit jeher Vermont, während die Sonne für Olivia und Jake (Scott Foley) reserviert ist.

Man könnte sich darüber auslassen, dass es das Ende eines Happy Ends mit Jake bedeutet, dass Olivia die Sonne gefunden hat: Fitz. Doch das ewige Hin und Her erweckt den Eindruck, dass kaum eine Metapher noch etwas Echtes zu bedeuten hat. Es sind leere Szenen, die so wirken, als ob sie eine tiefere Bedeutung hätten, aber im nächsten Moment ist diese Bedeutung schon wieder hinfällig.

So kann das nicht funktionieren. Vor allem nicht, wenn das wieder zu Olivia und Fitz führt, eine Sache, die die Story immer geschwächt hat, wenn sie auftrat. Im Grunde gibt es für die fünfte Staffel nur eine Chance: Die beiden müssen es miteinander versuchen, vor den Augen der Welt. Sollte wieder einmal ein geheimnisvoller Grund zu Trennung, langen Anrufen und Liebesschmerz führen, ist das erträgliche Limit überschritten.

Auch andere Entscheidungen von Fitz lassen einen verwirrt zurück. Er schmeißt die beiden Leute raus, die alles für ihn getan haben, und setzt eine Frau an die Spitze, der er nicht vertrauen kann. Cyrus an die Luft zu setzen, ist eine Sache. Aber ihn durch Elizabeth zu ersetzen, ist einfach nur absurd. Sie hat ihm die Wahrheit gesagt, doch auf welche Art? Entweder das Ganze ist ein lang angelegter Plan gewesen, in dem Fall sollte Fitz sich böse mitgespielt fühlen. Oder sie war einfach wirklich zu dumm, nicht zu wissen, wem sie was sagen kann. In dem Fall sollte er sie aus offensichtlichen Gründen niemals in die Nähe einer wichtigen Funktion lassen.

Sie hätten das Weiße Haus für sich haben können, diejenigen, die sich als Moralaposteln aufspielen, Fitz, Olivia und Abby (Darby Stanchfield). Doch das darf in der serieninternen Logik nicht sein, darum muss Fitz natürlich mindestens an Elizabeth festhalten.

Auch ein anderer Cliffhanger ergibt kaum mehr Sinn. Quinn (Katie Lowes) findet heraus, dass Huck den Mehrfachmord im Auftrag von Rowan begangen hat. Als Team für Olivia sind die beiden immer wieder sehenswert, doch wann immer die Autoren versuchen, ihnen eigene Plots zu geben, wird es seltsam bis ungemütlich.

B-613 ist noch lange nicht am Ende, und das stört wohl nicht nur David (Joshua Malina). Rowan, wie wir ihn kennengelernt haben, wird sich nicht lange von einer Anklage wegen Veruntreuung aufhalten lassen. Elizabeth sitzt auf Cyrus' Platz und Maya ist auf freiem Fuß. Wenn Scandal sich in einer Sache treu bleibt, dann ist das der Umstand, dass man unter sich bleibt. Wenn man sich den Beginn der neuen Staffel vorstellt, sind alle Bedrohungen altbekannt. Ein Staffelfinale hätte durchaus etwas mehr aufräumen dürfen.

Fazit

Das Staffelfinale You Can't Take Comman ist keine schlechte Episode. Es bringt genau das, was man von Scandal erwartet: ständige Wendungen ohne Achtung vor irgendeiner Figur, hochkarätige Verschwörungen und Liebesdrama. Doch als Staffelfinale ist die Episode enttäuschend, keine Bedrohung ist aufgelöst, im Grunde hat sich kaum etwas verändert, vor allem nicht die Tatsache, dass die Serienautoren leider weiterhin an Olivia und Fitz als Traumpaar festhalten und bereit sind, dafür vieles zu opfern.

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 18. Mai 2015

Scandal 4x22 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 22
(Scandal 4x22)
Deutscher Titel der Episode
Abrechnung
Titel der Episode im Original
You Can't Take Command
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. Mai 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. Oktober 2015
Autoren
Shonda Rhimes, Mark Wilding
Regisseur
Tom Verica

Schauspieler in der Episode Scandal 4x22

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