Scandal 3x18

Scandal 3x18

Das Staffelfinale The Price of Free and Fair Elections bringt jede Menge intensive und schmerzhafte Szenen. Am Ende zeigt sich, wer den weißen Hut die ganze Zeit getragen hat. Scandal gewinnt mal wieder auf ganzer Linie.

Das verdammte Paar: Fitz (Tony Goldwyn) und Olivia (Kerry Washington) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC
Das verdammte Paar: Fitz (Tony Goldwyn) und Olivia (Kerry Washington) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC

Am Ende der letzten Episode sah es so aus als wenn das große Scandal-Staffelfinale sich um eine Bombe in der Kirche drehen würde, der große Showdown mit Maya Pope (Khandi Alexander) schien unmittelbar bevorzustehen. Doch die Episode The Price of Free and Fair Elections überrascht uns mit einer ganz anderen Geschichte. In der Welt von Olivia Pope (Kerry Washington) ist nie ganz klar, wer eigentlich noch die Guten sind. Dieses Staffelfinale gibt uns das überraschende Gefühl, immerhin einen kurzen Blick in die Seelen der Beteiligten zu erhaschen.

Der weiße Hut

Diese Episode kann man nur vom Ende her aufrollen. Während Cyrus (Jeff Perry) und Olivia sich in die Frage versteigen, wie so zu diesen Monstern werden konnten, sehen wir, wer das wahre Monster ist und die ganze Zeit war: Rowan Pope (Joe Morton), der Mann, der in letzter Zeit eine Wandlung durchgemacht haben schien und seine menschliche Seite zeigte.

Irgendwie war ja auch nichts von dem, was er gesagt oder gezeigt hat gelogen. Er hat Olivia schon zu Beginn der Staffel angekündigt, dass er sie in dieses Flugzeug bringen wird. Er liebt seine Tochter und eines seiner Ziele ist immer gewesen, sie aus dem Washingtoner Politikzirkus zu entfernen, damit sie woanders ein neues, normaleres Leben anfangen kann. Und er hat alles bekommen, was er immer wollte. Olivia ist mit Jake (Scott Foley) in einem Flugzeug in ihr neues Leben, er selbst hat den Posten als Schattenmonster zurück, den US-Präsidenten tief in seiner Schuld.

Auf der anderen Seite des moralischen Spektrums findet sich in der Episode The Price of Free and Fair Elections David (Joshua Malina) wieder. Er hatte von Anfang an den weißen Hut auf und er hat ihn nie abgesetzt. David Rosen ist der Gegenentwurf zu Rowan Pope und es ist ja auch ein kleines bisschen tröstlich, dass es ein Staatsanwalt ist und nicht eine weitere Schattengestalt. Am Ende ist der Glaube an das Gute, an den offiziellen, ehrlichen Weg auch in der verdrehten Scandal-Welt nicht verloren.

Wahl- und Liebeskampf

Der Weg zu diesem Finale ist gepflastert mit Leid und traurigen Einsichten in eine schmutzige Politik. Einige Szenen davon sind schon fast wieder amüsant, wie Leo Bergen (Paul Adelstein) Sallys Kleidung zerreißt um ihr die Aura des Messias zu verleihen. Andere Szenen sind schmerzhafter, wie der Zusammenbruch von Jerry (Dylan Minnette), den wir zwar kaum kennen, der aber als unschuldiges Kind das ungeteilte Mitgefühl genießt. Die Erkenntnis, dass diese Wahl durch Mitleid gewonnen wird, in jeder Hinsicht, ist fast noch schlimmer als die Tatsache, dass die letzte Wahl gefälscht wurde. Auch wenn die Menschen dieses Mal wählen durften, fühlt es sich nicht so an als wenn der Gewinner aus den richtigen Motiven an der Spitze steht.

Ein anderer Kampf mit ähnlichem Unwohlseinsfaktor wird in der Episode The Price of Free and Fair Elections um die Liebe gekämpft. Olivia verrät Mellies Geheimnis an Fitz (Tony Goldwyn). Das ist ein schwerer Vertrauensbruch und man kann Olivia das durchaus nachtragen. Doch im Zentrum der Scandal-Geschichte hat von jeher die Beziehung zwischen Olivia und Fitz gestanden. Und von diesem Standpunkt aus ist Olivias Verrat irgendwo zwischen Selbstsabotage und letztem Funken Aufrichtigkeit anzusiedeln.

Olivia kann nicht zulassen, dass Fitz seine Frau verlässt weil sie ein mitfühlender Mensch ist, der sein eigenes Glück nicht auf dem Unglück anderer aufbauen will. Sie weiß, dass er nicht mehr gehen kann, wenn er erfährt, was sein Vater Mellie (Bellamy Young) angetan hat. Es ist nicht nur Mitgefühl und Verantwortung. Es ist auch die Erkenntnis, was eigentlich hinter der Misere seiner Ehe steht und die Möglichkeit, es zu reparieren.

Und sonst?

Eine Szene, die auf andere Art und Weise schmerzhaft ist, ist die Sexszene zwischen Quinn (Katie Lowes) und Huck (Guillermo Diaz). In den letzten Episoden waren die Aufeinandertreffen der beiden immer noch mit dem Rausch des Macht und der Verlockung des Verbotenen umgeben, doch in The Price of Free and Fair Elections kann man sich eigentlich nur noch Abbys Übelkeit anschließen.

Auch die Tatsache, dass Charlie (George Newbern) Hucks Familie findet und er zurückgeht, fühlt sich seltsam unpassend an. Hat er nicht eigentlich das letzte Mal, als das ein Thema war, gesagt, dass er auch wenn er wüsste, wo sie sind, nicht zurück kann? Der ganze Plot um die drei war das schwächste Glied in der Kette und man darf hoffen, dass die Scandal-Macher in der nächsten Staffel etwas anderes darauf aufbauen. Immerhin ist Charlie als ausführender Arm von Rowan wieder bei B-613 und Huck und Quinn sind kein Paar mehr. Beste Voraussetzungen, das alles einfach unter einen Teppich des Vergessens zu kehren.

Harrison (Columbus Short) wird durch das Gespräch mit Papa Pope aufgewertet. Vielleicht spielt das keine Rolle mehr weil er umgebracht wurde, vielleicht wird er von Rowan aber auch auf die dunkle Seite gezogen und hat in der nächsten Staffel endlich etwas mehr zu tun.

Mellie ist nicht mehr das trinkende Elend, das sie in den letzten Episoden war. Aber wie sie darüber fühlt, dass ihr Mann zurückgekehrt ist, muss sich noch zeigen. Die Szene, in der sie schwört, dass sie sich gewehrt hat, war schmerzhaft anzusehen angesichts der Stärke und Klarsicht, die wir von ihr gewohnt sind.

Fazit

Von Anfang an ergibt es keinen Sinn, dass Maya Jerry umbringt, doch die Scandal-Macher verstehen es meisterhaft, uns mit diversen Dramen und großen Gesten so sehr abzulenken, dass man ganz vergisst, darüber nachzudenken, bis Harrison es endlich anspricht. Das ist die Kunst der Autoren. Es sind nicht die cleversten Wendungen oder die originellsten Einfälle, die sie uns geben. Aber sie haben es geschafft, dass wir so tief in die Leben der Figuren investiert sind, dass wir ebenfalls kaum zum durchatmen kommen solange sie keine Ruhe haben.

In dieser Hinsicht machen sie mit der Episode The Price of Free and Fair Elections einen wunderbaren Job.

Außerdem ist es schön, Olivia und Jake immerhin einen kleinen Moment der Ruhe zu gönnen, auch wenn man davon ausgehen muss, dass dieses Happy End nicht lange anhalten wird.

Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 18. April 2014
Episode
Staffel 3, Episode 18
(Scandal 3x18)
Deutscher Titel der Episode
Der Preis für freie und faire Wahlen
Titel der Episode im Original
The Price of Free and Fair Elections
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. April 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Autoren
Shonda Rhimes, Mark Wilding
Regisseur
Tom Verica

Schauspieler in der Episode Scandal 3x18

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