Scandal 3x14

In der Episode Kiss Kiss Bang Bang heißt es, Abschied nehmen: von der Idee, dass jemand einen weißen Hut tragen kann, von Jakes Good Guy-Seite, von der Möglichkeit, die Probleme der Figuren auch nur am Rande mitzufühlen, und natürlich von James Novak (Dan Bucatinsky).
Der Mörder
Jake (Scott Foley) hat James erschossen. Die Scandal-Welt ist bevölkert von undurchsichtigen Gestalten. Und dann geht der gute Typ los und erschießt den lustigen. Da muss man schon mal schlucken.
Mit der Episode Kiss Kiss Bang Bang müssen wir also Abschied nehmen von James, ausgerechnet der Figur, die immer wieder für einen lockeren Spruch gut war. Der Tod des Journalisten fühlt sich ein bisschen verlagert an, so oft hat er sich schon in Lebensgefahr gebracht, unter anderem durch seine Defiance-Recherchen. Nun stirbt er an dem Abend, an dem er und sein Mitverschwörer beschließen, die Sache zu begraben und zu vergessen. Die ganze Sache darf wohl als ausgemachte Tragödie durchgehen, in mehrfacher Hinsicht.
James stirbt, obwohl er keine Gefahr mehr war, die Geheimnisse sollten unter dem Teppich bleiben. Der Mord an James lässt uns Jake endgültig mit anderen Augen sehen. Dabei wäre der Mord an sich sogar noch verzeihbar, Jakes B-613-Geschichte ist lang und grausam. Wir haben schon an Huck (Guillermo Diaz) gesehen, dass das Leben als Auftragskiller im Namen des Staates tiefgreifende Spuren hinterlässt. Rowans Ansprache unterstreicht das noch einmal. Die schlimmste Strafe, die man bekommen kann, ist Command zu sein und die Verantwortung über Leben und Tod zu tragen.
Doch es ist das Ende der Episode, das dem guten Typen Jake das Genick bricht. Er hockt sich neben den sterbenden James auf die Straße und spricht mit ihm. Diese Szene ist grausamer als alles, was wir bisher in der Serie Scandal gesehen haben. Sie betrifft eine Situation, die man nicht nachfühlen kann. Ist es besser, wenn der eigene Mörder neben einem ausharrt oder wenn man alleine stirbt? Die „Scandal“-Autoren haben sich auf neues Terrain begeben und wir können ihnen nur noch mit offenem Mund folgen. Auch wenn niemand von uns bisher die Wahl des US-Präsidenten manipuliert hat, irgendwie gab es immer Anknüpfungspunkte, bei denen wir mitfühlen konnten. Jakes Beförderung hat das beendet.
Er spricht James gut zu, sagt ihm, dass es seiner Tochter gut gehen wird. Er foltert den Sterbenden nicht, man hat das Gefühl, dass er aufrichtig versucht, es ihm einfacher zu machen. Doch die Kaltblütigkeit schockiert dennoch. Er hat nicht nur eiskalt gemordet, er hat minutenlang neben seinem Opfer gesessen und dabei kein einziges Mal seine Tat und deren Motive in Zweifel gezogen.
Jake ist ein gebrochener Charakter. Bisher schien er im Gegensatz zu Huck relativ gut aus der B-613-Sache herausgekommen zu sein. Doch die Episode Kiss Kiss Bang Bang zeigt, dass er noch viel gezeichneter ist als Huck. Huck hatte immer wieder Phasen des Zweifels, des Selbsthasses. Seine Taten beging er wie im Rausch und wenn er wieder runterkam, verabscheute er, was er getan hatte. Huck wurde uns als Süchtiger präsentiert. Jake begeht seine Morde ruhigen Blutes, in vollem Bewusstsein der Folgen. Er gesteht seine Tat Olivia gegenüber, ohne mit der Wimper zu zucken.
Die Retterin
Das Schlimme an der letzten Szene neben der Eiseskälte des Mörders ist vor allem die Einsicht, dass so jemand kaum mehr zu retten ist. Olivia ist seit der ersten Episode der Serie Scandal die Retterin der verlorenen Seelen, in jeder Hinsicht. Sie löst Probleme der Mächtigen, aber sie hat auch jedes Teammitglied zunächst gerettet. Retten ist ihr Schicksal, das sagt ihr quasi auch Rowan (Joe Morton) in einem kurzen väterlichen Exkurs.
Doch Jake zu retten ist kaum mehr möglich. Huck hat getötet, aber er hat auch menschliche Züge gezeigt, er hat gelitten. Auch in seinen schlimmsten Phasen war er immer fähig, seine Entscheidungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, auch wenn er sich schließlich für die Sucht entschieden hat. Jake erscheint ruhiger. Wer fähig ist, so lange neben einem Sterbenden zu sitzen ohne einmal in Zweifel zu verfallen, im letzten Moment doch noch zu helfen, die Rettungskräfte zu alarmieren, der ist wahrlich nicht mehr zu retten, selbst nicht von Olivia. Sicher wird er in naher Zukunft einen Zusammenbruch erleiden, doch man darf nicht vergessen, was er in dieser Episode getan hat.
Abschied des Serienclowns
Wir müssen uns von James verabschieden, dem Scandal-Clown, der selbst im größten Drama die Wende zur Komik geschafft hat. Er war immer ein Sympathieträger, er hat als Journalist versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, und als Ehemann hat er versucht, das Monster zu bändigen. Und das alles hat er mit einem stets lockeren Spruch auf den Lippen getan. Er war nie so eiskalt wie die anderen und er stand immer außerhalb der großen Verschwörungen. Bis zum Ende war er der einzige, dessen Charakter nicht durch Machtsucht in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Er musste sich immer wieder zwischen der Wahrheit und seinem Ehemann entscheiden. Anders als Mellie (Bellamy Young), Fitz (Tony Goldwyn), Olivia und all die anderen, in deren Entscheidungen die Macht immer eine zentrale Rolle spielte. Hätte James sich für die Wahrheit entschieden, hätte man es ihm nicht nachtragen können, nun hat er sich für seine Familie entschieden, und auch das kann man nachfühlen.
James wird als amüsante und liebenswerte Figur - die letzte ihrer Art - in der Serie Scandal vermisst werden. Doch die Rückblicke in der Episode Kiss Kiss Bang Bang tragen gar nicht so viel dazu bei. Einerseits ist es zwar schön, noch ein letztes Mal James' lockere Art zu erleben, aber die Rückblicke zielen in erster Linie auf Cyrus (Jeff Perry) ab. Jede seiner Erinnerungen ist auf den Zusammenbruch ausgerichtet. Es ist typisch für ihn, dass er sich in die Arbeit stürzt, statt in Ruhe zu trauern. Sein Zusammenbruch vor laufenden Kameras fühlt sich so furchtbar an, dass man einfach mit ihm mitleiden muss.
Was sonst noch geschah
Mellie und Andrew ( Jon Tenney) landen im Bett, und Huck und Quinn (Katie Lowes) küssen sich. Ersteres hat sich seit langem angekündigt und ist wenig aufsehenerregend. Die beiden sind ein amüsantes Paar, sie zeigen, wie Mellie aufblühen könnte, wenn sie einen intelligenten und engagierten Ehemann an ihrer Seite hätte. Ein Streit über Waffengesetze als Vorspiel lässt Hoffnung aufkeimen, dass die Komik sich mit James' Tod nicht aus der Serie Scandal verabschiedet hat.
Das zweite neue Paar ist eher gewöhnungsbedürftig. Große Macht, Aggressionen, Geheimnisse. Man kann sich schon vorstellen, dass der Sprung zur sexuellen Anziehungskraft da nicht weit ist. Doch was bei Quinn und Charlie so gut funktioniert, fühlt sich bei Huck und Quinn einfach falsch an. Die beiden waren eher wie Geschwister, Huck als großer Bruder war immer wieder sehenswert, aber nicht als Liebhaber.
Noch schlimmer ist in der Episode Kiss Kiss Bang Bang nur der Plot um Harrison (Columbus Short), Adnan ( Nazanin Boniadi) und Olivias Mutter (Khandi Alexander). Was letztere auf dem Plan stehen hat, wissen wir immer noch nicht. Doch immerhin hatten wir Gelegenheit, sie kennenzulernen, ihre zwei Gesichter zu entlarven. Es ist also ein kleines bisschen spannend, was sie vorhat. Anders liegt der Fall bei Adnan. Wir wissen nicht, wo sie herkommt, was sie will, was sie getan hat, welche Vergangenheit sie mit Harrison verbindet. Noch bevor wir ansatzweise erahnen, wer sie ist, scheint sie einen Rückzieher zu machen und fleht bei Harrison um einen Ausweg. Die Informationen, die wir bisher haben, reichen einfach nicht aus, um sich in dieser Story zu engagieren. Aber wenn man berücksichtigt, welche großen Dramen wieder einmal in einer Scandal-Episode Platz finden, kann man das verzeihen.
Fazit
Am Ende der Episode Kiss Kiss Bang Bang ist die Scandal-Welt nicht mehr dieselbe. In den ersten zwei Staffeln wurden diese Veränderungen meist am Stand der Beziehung zwischen Olivia und Fitz festgemacht oder an der Stufe der Macht, auf der die Figuren standen. Nun geht es um alles oder nichts, wir verabschieden einen Charakter, der wesentlich an der typischen Serienatmosphäre beteiligt war. Ebenso einschneidend ist Jakes Charakterentwicklung, die alles verändern könnte. Dass er an die Spitze von B-613 gekommen ist, war noch das altbekannte Machtspiel. Nun geht es um die Auswirkungen, die diese Macht auf die Figuren hat.
Trailer zu „Scandal“ (3x15)
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 22. März 2014(Scandal 3x14)
Schauspieler in der Episode Scandal 3x14
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