Scandal 3x03

In der Episode Mrs. Smith Goes to Washington haben die untreuen Senatoren und toten Bloggerinnen ausgedient. Die Scandal-Autoren wagen sich an die ganz großen Fische: islamistischer Terrorismus, supergeheime Unterwanderungspläne, Explosionen in Washington. Doch wirklich bestechend sind Mellies kleine Feierstunde und die Feststellung, wie viel Macht Rowan Pope (Joe Morton) über die Menschen hat, die sein Leben gestreift haben.
Verzweifelte Mutter
Mary Nesbitt (Cynthia Stevenson, Men in Trees) engagiert Pope & Associates, um eine familiäre Angelegenheit zu regeln. Doch schnell stellt sich heraus, dass ihr Scheck eine Art Abschiedsbrief gewesen ist, denn sie steht mit einer Bombe um den Oberkörper vor ihrem Kongressabgeordneten Jim Struthers (Mark Moses, Desperate Housewives, The Killing, Mad Men) und verlangt Einsicht in die Akte ihres toten Sohnes. Die Geschichte nimmt eine seltsame Wendung, als Olivia (Kerry Washington) traumwandlerisch in die Geiselnahme platzt. Die Anwesenheit der Krisenmanagerin nimmt die Spannung aus der Sache, denn niemand wird ernsthaft angenommen haben, dass Olivia der Bombe einer verwirrten Mutter zum Opfer fällt. Mary Nesbitt ist also der Fall der Woche, und genauso klar wie Olivias Überleben ist ihr Tod am Ende der Episode.
Krisenmangement ist eine Sache, aber wenn man sieht, wie Olivia sich den Scharfschützen präsentiert, dann kann man Davids (Joshua Malina) Worten durchaus Glauben schenken: Olivia scheint große Todessehnsucht zu haben.
Die Auflösung, dass der tote Sohn eigentlich ein amerikanischer Agent war, dass sein Tod ein Unfall war und die Wahrheit zur Rettung der Aktion niemals ans Licht kommen darf, ist weniger originell, als man es von der Serie Scandal gewohnt ist. Doch es kommt nun darauf an, ob dieses Ereignis mit der Episode Mrs. Smith Goes to Washington abgeschlossen ist. In dem Fall wäre die Story schwach und ziemlich vorhersehbar. Doch die Wahrheit über den toten Agenten könnte auch ohne seine Mutter an die Oberfläche kommen. Oder mit der Geschichte um Remington verbunden werden. In diesem Fall hätten die Serienautoren die große Story um Remington clever vor unseren Augen weiterentwickelt, ohne dass wir es gemerkt hätten. Und das könnte durchaus interessant werden.
Doch in dieser Scandal-Episode ist die Geschichte um Chris Lawrence und seine Mutter vor allem dann spannend, wenn sie sich auf die Beziehungen der bekannten Figuren auswirkt. Plötzlich wird die Geiselnahme zu einem Kampf zwischen zwei Männern, die in dieselbe Frau verliebt sind. Oder zu einem Kräftemessen zwischen Cyrus (Jeff Perry) und David.
Die Ehe im Zentrum
Doch das interessanteste Nachspiel hat die Geiselnahme auf die präsidiale Ehe. Mellie (Bellamy Young) nutzt den aufregenden Tag, um ihre Position klarzumachen. Und liefert Fitz (Tony Goldwyn) und uns eine wunderbare Racheansprache, wie nur Mellie sie geben kann. Ein bisschen angetrunken, ein bisschen angetörnt, aber klarsichtig wie immer erklärt sie Fitz das Machtverhältnis zwischen ihnen beiden. Mellie ist nicht der Typ für eine idyllische Familie, der Umgang mit den Kindern - man sieht es auch in dieser Scandal-Episode wieder - fällt ihr nicht einfach, sie ist nicht das Muttertier. Doch sie hat sich einen loyalen Ehemann erhofft. Und bekommen hat sie einen notorischen Betrüger, der seiner Ehe nicht entkommen kann und seine Ehefrau darunter leiden lässt. Mellie ist nicht so einfach unterzukriegen und ihr Abschied klingt wie eine vielversprechende Kampfansage: „I live to fight another day!“
Ein paar Geheimnisse
Zeitgleich mit Marys Angriff hat sich ein gewisser Peter Foster (Patrick St. Espirit, Sons of Anarchy) aufgemacht, das Weiße Haus zu stürmen, um mit dem Präsidenten über Remington zu sprechen. Dass er nicht einfach ein Irrer ist, bestätigt uns Cyrus, als er ihn laufen lässt. Der Mann weiß mehr, als gesund für ihn sein könnte. Die beiden großen Plots dieser Staffel sind Remington und Olivias Vater. Und in gewisser Weise sind beide miteinander verbunden, schließlich war es erst Rowan/Eli Pope, der Cyrus mit den Remington-Fakten vertraut gemacht hat. Doch Rowans Macht ist subtiler als die Macht der anderen. Es geht nicht nur um Vernetzung und Strippenziehen, es geht um Gehirnwäsche und Manipulation. Huck (Guillermo Diaz) kann sich gegen seinen ehemaligen Boss nicht wehren und auch Olivia und Jake (Scott Foley) müssen einsehen, dass der allmächtige Rowan sie immer noch in der Hand hat. In das Geheimnis der letzten Staffel, Defiance, war Olivia selbst verstrickt. Sie stand gleichzeitig auf mehreren Seiten, wollte das Geheimnis schützen, aber nicht den Weg mitgehen, den die anderen beschritten hatten. Nun können wir Olivia noch viel weniger vertrauen: Sie weiß selbst nicht mehr, auf welcher Seite sie steht. Wird sie im richtigen Moment gegen ihren Vater aufstehen können oder vielleicht ihren weißen Hut verlieren?
Fazit
Die Episode Mrs. Smith Goes to Washington hat interessante Seiten, am stärksten sind die Konflikte zwischen den Figuren. Der Fall der Woche setzt hoch an, es geht um internationalen Terrorismus und dessen Bekämpfung. Doch dann löst die Story sich in Wohlgefallen auf. Man wird abwarten müssen, ob es ein Nachspiel haben wird.
Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 20. Oktober 2013(Scandal 3x03)
Schauspieler in der Episode Scandal 3x03
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