Scandal 2x13

Allianzen in der Serie Scandal haben eine relativ kurze Halbwertszeit. Zumindest schien es lange so. In der Episode Nobody Likes Babies werden die Tatsachen auf den Tisch gelegt und die Autoren lassen uns erstaunt zuschauen, wie die Beziehungen der Figuren unter diesem Druck ausspielen. Am Ende steht die Welt Kopf, jede Episode fühlt sich mittlerweile an wie ein Finale, dabei haben wir gerade einmal die Hälfte der zweiten Staffel hinter uns.
Offenbarung Nummer Eins
Olivia (Kerry Washington) findet heraus, dass Verna (Debra Mooney) hinter dem Attentat steckt. Doch was verändert das schon? Sie haben auch lange vermutet, dass Hollis (Gregg Henry) hinter der Sache steckt und konnten nichts tun ohne sich selbst zu gefährden. Doch nun hat Olivia ihr Team wieder hinter sich und das scheint ihr die Sicherheit zu geben, ihr Geheimnis bewahren zu können. Obwohl sie sich überwunden hat, Hollis auszuliefern, geht es nun wieder darum, alles zu verdecken.
Verna hat es in melodramatische Worte verpackt, doch es ist etwas dran: Nicht nur der Ruf der Verschwörer steht auf dem Spiel, es geht um das Vertrauen der US-Bürger in ihr politisches System, die Freiheit, wählen zu können. Und das ist eines der höchsten Güter dieses Landes.
Wir haben uns lange mit der Frage getragen, wer das Attentat auf den Präsidenten angezettelt hat - und es ist ein kleiner Schock. Doch nur wenige Minuten später stellen andere Entwicklungen diese Wahrheit in den Schatten, so dass man sich am Ende kaum noch erinnern kann, dass es Verna war. Weder Olivia noch Fitz (Tony Goldwyn) noch wir bekommen Zeit darüber nachzudenken, was das bedeutet.
Verna schien Olivias engste Freundin zu sein, ihre Vertraute. Doch sie hat alle hintergangen um ihren eigenen Ruf zu schützen. So wirklich bedeuten, tut das am Ende dieser Scandal-Episode nichts mehr, denn das Opfer lebt weiter, zumindest physisch wie zuvor und die Täterin liegt im Sarg vor uns. Die Geschichte dieses Geheimnisses könnte an dieser Stelle zu Ende sein, doch schon als Fitz das Krankenzimmer verlässt, kann einen ein ungutes Gefühl überkommen. Und das täuscht nicht. Doch dazu später.
Offenbarung Nummer Zwei
Wir haben James (Dan Bucatinsky) länger nicht gesehen, jetzt wissen wir, wieso: Er hat sich für die Familie entschieden, für seine kleine Tochter, für ein Leben in Ruhe. Doch er ist bereits zu weit gegangen und David (Joshua Malina) kann ihn nicht einfach ziehen lassen. Das alles resultiert in einem großartigen Gespräch zwischen James und Cyrus (Jeff Perry), in dem wir so einiges über jemanden lernen, von dem wir dachten, dass wir seine dunkelsten Geheimnisse bereits kennen.
Er ist nicht zum Strippenzieher geboren, Cyrus sieht sich selbst als Mann im Scheinwerferlicht. Doch der kann er nicht sein. Also nimmt er den Weg als graue Eminenz, der ihm ebenfalls Macht sichert. Das sagt viel über den Charakter aus, doch das Seelenstriptease ist für diese Episode noch lange nicht vorbei. Dass Cyrus Hollis töten wollte, hat selbst Olivia ihm recht schnell wieder vergeben. Sein Amanda-Geheimnis liegt noch im Dunkeln, was es besonders skurril macht, dass Olivia mit der Hollis-Sache konfrontiert ausruft: Oh Gott, ich hätte fast einen unschuldigen Menschen töten lassen!
Und noch seltsamer wird es als wir erkennen müssen, dass der letzte Strohhalm, nach dem er greift, ein Mordanschlag auf seinen eigenen Ehemann ist. Sicher ist niemand in der Serie Scandal, daher darf man mit einem erleichterten Seufzer feststellen, dass James seiner eigenen Ermordung noch einmal knapp entgeht. Und schnell zeigt sich, dass Cyrus sich richtig entschieden hat. Er hat seinem Mann vertraut, ihm sein ganzes Lebenswerk in die Hände gelegt und James hat es seine Freiheit riskierend beschützt.
Cyrus hat James so oft angelogen, James wiederum hat das Geheimnis seines Mannes so sehr bedroht wie sonst niemand. Doch manche Bande sind stärker als sie aussehen. Eins davon ist offenbar die Beziehung zwischen dem Chief of Staff des POTUS und dem ehemaligen Politik-Journalisten.
Zumindest ist das ein schöner Gedanke, den man eine Episode lang genießen kann. Direkt setzt die Scandal-Paranoia ein und man fragt sich: Hat niemand hier Hintergedanken? Ist die Idylle nicht nur die Vorstufe zum groß angelegten Verrat? Fürs Erste ist es schön, zwei zu sehen, die sich füreinander aus Liebe, aus Familiensinn und nicht aus Machtüberlegungen entschieden haben.
Abschluss
Neben einer ganzen Reihe von schockierenden Offenbarungen liefert die Episode Nobody Likes Babies auch einen Abschluss für Quinn (Katie Lowes). Es wurde auch Zeit, dass ihre Geschichte entweder Teil der großen Storyline wird oder jemand ihr sagt, dass man manche Dinge auch gehen lassen muss. Und dieser jemand ist Huck (Guillermo Diaz), für den Identitätskrise kein Fremdwort ist.
Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Dafür, dass die Autoren diese Geschichte, die ja eigentlich Gegenstand der ersten Staffel war, noch bis in die 13. Episode der zweiten Staffel gezogen haben, ist die Auflösung ziemlich unspektakulär. Es ist eine eindringliche Rede, die Huck ihr hält. Und sie sagt ebenso viel über ihn aus wie über sie.
Dennoch muss man sich fragen, ob dieser offene Abschluss mit der Gerechtigkeitsliebe der Olivia Pope Hand in Hand gehen kann. Und es sagt niemand, dass dies ein Abschluss sein muss. Die Scandal-Autoren sind Experten darin, ungelöste Probleme unter der Oberfläche weiterbrodeln zu lassen.
Eine andere Geschichte täte hingegen gut daran, hier und jetzt zu enden: die traurige Liebesgeschichte des Senators. Olivia lehnt Edisons Antrag endgültig ab. Die Szenen mit ihm waren in der Regel die schwächsten in jeder Episode. Wenn sich hier nicht noch eine Wendung versteckt, dann wäre es nicht schade, wenn er seinen Hut nimmt.
Offenbarung Nummer Drei
Das Team um Olivia hat sich in der letzten Episode wieder in Angriffsstellung gebracht. Die Episode Nobody Likes Babies spült auch das letzte Geheimnis an die Oberfläche und es hängt alles an Abby (Darby Stanchfield). Sie wurde von ihrer Freundin hintergangen, doch wir lernen, dass auch sie die Notwendigkeit fragwürdiger Taktiken soweit verinnerlicht hat, dass die Lüge um David sie nicht gegen Olivia wendet. Vielleicht ist es auch die Dankbarkeit darüber, was Olivia für sie getan hat.
Auf jeden Fall zeigt das Team sich von seiner starken Seite, wieder vereint und hoffentlich stärker als zuvor.
Das dicke Ende
Die am meisten schockierende Offenbarung der Episode Nobody Likes Babies ist alles, was um Fitz herum geschieht. In wenigen Minuten an Vernas Krankenbett sieht er sein Leben über sich zusammenbrechen und bekennt dann endlich einmal Farbe. Lange Zeit hat er sich wie ein liebestoller Teenager aufgeführt, hatte kein anderes Ziel als eine weitere Nacht mit seiner Geliebten. Er hat sich alle Entscheidungen abnehmen lassen, wirkte abwechselnd wie eine Handpuppe für Cyrus, Mellie (Bellamy Young) und Olivia.
Nun, endlich, in der Mitte der zweiten Staffel ergreift er die Gelegenheit beim Schopf. Und begeht einen Mord. Aber es ist ein Mord wie ein Befreiungsschlag. Von nun an muss man Fitz auf dem Zettel haben, wenn etwas passiert. Bisher war er mehr schmuckes Beiwerk.
Und dieser neue Fitz tut etwas, was der alte niemals getan hätte: Er stößt eine Olivia vor den Kopf, die sich ihm geradezu anbietet. Und er wendet sich seiner Frau zu. Man kann seinen Gedankengängen folgen: Mellie hat sich nie verstellt. Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie an der Macht bleiben will, koste es, was es wolle. Das macht sie nicht unbedingt zu einer netten Person, aber es verbündet die beiden, denn sie ist bei ihm geblieben. Sie wollte die Macht mit ihm.
Fazit
Wow, die Episode Nobody Likes Babies ist wieder einmal eine wilde Fahrt auf der Scandal-Achterbahn und vielleicht ist es die spektakulärste bisher überhaupt. Die Stärke der Serie liegt in der Charakterzeichnung und in dieser Hinsicht kann diese Episode aus den Vollen schöpfen.
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 17. August 2013(Scandal 2x13)
Schauspieler in der Episode Scandal 2x13
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