
Darum geht es in Save Me:
Das Leben von Beth Harper (Anne Heche, Men in Trees) ist ziemlich verfahren: zwischen ihr und ihrer jugendlichen Tochter Emily (Madison Davenport) herrscht Eiszeit. Und Beths Ehegatte Tom (Michael Landes) hat eine Affäre mit seiner Angestellten Carly (Alexandra Breckenridge, American Horror Story), für die er seine Frau verlassen will, um ihr ein neues Leben zu beginnen.
Ein neues Leben wird aber zunächst einmal Beth selbst geschenkt: An dem Abend, als sie hinter Toms Affäre kommt, stürzt sie sich im Zuge gesteigerter Volltrunkenheit auf ein riesiges Sandwich, an dem sie sich verschluckt - und qualvoll erstickt. Aber ihr Tod ist nur von kurzer Dauer. Denn Gott will sie noch nicht bei sich haben. Er/Sie schickt sie zurück unter die Lebenden und sendet ihr Eingebungen, die ihr offenbar helfen sollen, ihr Leben und ihre Familie wieder in Ordung zu bringen. Auf die Nachricht, dass Gott zu Beth spricht, reagiert ihre Umgebung zunächst mit einer gesunden Portion Skepsis. Doch woher weiß sie so viel? Zum Teil sogar über Dinge, die noch gar nicht geschehen sind?
Karten auf den Tisch
Eine persönliche Bemerkung des Rezensenten vorab: Ich bin kein sonderlich großer Fan von Anne Heche. Ich kann selbst noch nicht mal genau sagen, warum, aber ich mag sie einfach nicht besonders. Damit will ich gar nichts gegen ihre Fähigkeiten als Schauspielerin sagen, es ist einfach ein Gefühl nicht sehr ausgeprägter Sympathie.
Von Serien, die ursprünglich mal für die Season geplant waren, dann aber in den Sommer verschoben werden, ist außerdem ohnehin meist nicht viel zu erwarten. Ein Review ist da eigentlich schon fast überflüssig. Save Me wird, sollte nicht - ihrem Thema gemäß - ein Akt göttlicher Intervention eintreten, so oder so nicht fortgesetzt werden. Hätte mich unser stellvertretender Chefredakteur nicht noch einmal daran erinnert, hätte ich glatt vergessen, dieses Review zu schreiben.
Mit anderen Worten: Ich hätte nicht mit geringeren Erwartungen an Save Me herangehen können. Und wurde auf das Angenehmste überrascht.
Gute Unterhaltung
Die Serie versteht es, gut zu unterhalten. Nicht selten ertappt man sich dabei, wie man lauthals in Gelächter ausbricht. Was für eine Comedyserie ja schon mal nicht das Verkehrteste ist. Sicher, mit dem Eingreifen Gottes in das Leben eines Menschen beackert sie ein Feld, dem sich Film und Fernsehen durchaus schon früher gewidmet haben, man denke etwa an die beiden „Bruce Allmächtig“-Filme. Trotzdem hat Save Me etwas sehr Frisches an sich.
Als jemand, der zuvor mit Religion nicht das Geringste am Hut hatte, weiß Beth überhaupt nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen soll - und sie entscheidet sich für ein recht offensives Vorgehen. Sie macht gegenüber ihrer Umgebung keinen Hehl daraus, dass Gott zu ihr spricht, und sie ist sich dabei selbst sehr wohl bewusst, wie verrückt das klingen muss, was ihr wiederum eine Art von selbstironischer Vorwärtsverteidigung erlaubt. Das ist für den Rezeptionsgenuss insofern von Bedeutung, weil es das Fremdschämen, das sich eigentlich immer dann einstellt, wenn eine Figur etwas von sich gibt, was sie in den Augen aller anderen verrückt erscheinen lassen muss, auf ein erträgliches Maß reduziert.
Göttliche Hilfe
Zugleich kommen dadurch auch Beths neu gewonnene Lebensfreude und Unerschütterlichkeit viel besser zum Tragen. Sie nimmt das Geschenk ihres zweiten Lebens an - und versucht, das Beste daraus zu machen. Freunde und Familie reagieren zunächst verständlicherweise zurückhaltend auf die neue, göttlich inspirierte Beth. Je mehr sich ihre Einsichten jedoch als korrekt erweisen, desto mehr wird das ihr entgegenschlagende Misstrauen erschüttert.
Save Me ist eine emotional durchaus berührende Geschichte einer Frau, die ihr Leben wieder in Ordnung bringt - und dabei etwas göttliche Hilfe erfährt, was die Sache so witzig macht. Etwa wenn sie ihre ehemalige Freundin Jenna (Heather Burns) darüber aufklärt, wie sehr es ihr Mann vermisst, dass sie ihn „Downtown“ in „Joblob City“ besucht - und dadurch die Ehe der beiden wieder in Schwung bringt. Was wiederum dafür sorgt, dass sich auch Jenna und Beth wieder näherkommen.
Klischeevermeidung
Die Serie vermeidet einige der üblichen Klischees: so wird Beths Rivalin Carly anfangs gar nicht so unsympathisch gezeichnet. Im Gegenteil: man kann sehr gut verstehen, was Tom an ihr findet. Und zwar nicht nur vom Äußerlichen her. Ihre etwas fiesere Seite dringt erst in dem Augenblick durch, als Tom auf einmal wieder sich zu seiner Frau hingezogen fühlt. Und das ausgerechnet in dem Augenblick, als diese vermeintlich geistig völlig durchknallt. Ja, das kann man Carly fast ein wenig nachempfinden, dass das nicht so gut bei ihr ankommt.
Fazit
Ein göttlicher Spaß mit einem gut aufgelegten Cast, einer Anne Heche, der sich auch der Rezensent nicht länger verschließen kann, dazu witzigen Dialogen und einem Schuss physischer Comedy. Da kann dranbleiben. Auch wenn es nur für ein paar Sommerwochen ist.