
Salem, Massachusetts - kein anderer Ort holt so eindringliche Erinnerungen an die grausame, dunkle Zeit der Hexenprozesse im ausgehenden 17. Jahrhundert hervor. Diese böse Vorahnung nutzen die Autoren der gleichnamigen Fernsehserie und führen uns in eine Welt, in der jeder Geheimnisse hat und diese bei seinem Leben schützen muss. Niemand ist sicher, und die Motive der meisten Figuren sind doppelbödig.
Worum geht es?
Die Pilotepisode der Serie Salem, The Vow ist zweigeteilt in die Zeit vor und nach dem Krieg. Die junge Mary (Janet Montgomery, Made In Jersey, Entourage) muss mitansehen, wie ihr Geliebter John (Shane West, Nikita) von dem mächtigen George Sibley (Michael Mulheren, Law & Order) in den Kriegsdienst getrieben wird. Sie bleibt alleine mit zwei Geheimnissen zurück: Sie ist schwanger und eine Hexe.
Jahre später kehrt der totgeglaubte John zurück nach Salem und findet eine veränderte Welt vor. Mary hat einen umfassenden Racheplan in Gang gesetzt, der an Kaltblütigkeit kaum zu übertreffen ist. Mit schweren Gewissensbissen hat sie sich des ungeborenen Babys durch Hexenmagie entledigt, den unsäglichen, aber schwer reichen Sibley geheiratet und hält ihn durch weitere Magie unter Kontrolle - was sie zur mächtigsten Frau in Salem macht. Öffentlich tritt sie als scharfe Gegnerin der Hexen auf. Doch in Wirklichkeit nutzt sie ihre Macht nun, um die Hexen zu schützen und die Puritaner gegeneinander aufzuhetzen, so dass diese sich gegenseitig umbringen.
Die Serie Salem stellt die Hexenprozesse unter eine interessante Fragestellung: Was, wenn dunkle Magie real wäre und die Hexenprozesse von den weiblichen wie männlichen Hexen unterlaufen und zu ihren eigenen Zwecken genutzt worden wären?
Was passiert?
Mary, die Frau im Zentrum der Geschichte, ist getrieben von Rachsucht. Die Mächtigen in Salem haben ihren Lebenstraum von einer glücklichen Familie mit John zerstört. Darüber ist sie ruchlos und kaltblütig geworden. Auch wenn sie die Hexen schützt, ist sie keine Guttäterin, die in die Arme ihres Geliebten stürzt, als er überraschend zurückkehrt. Sie hat sich an ihren Gegnern orientiert und leitet die Geschicke der Stadt mit Kälte und Scharfblick - Opfer inbegriffen. Doch sie tritt ihrem ehemaligen Geliebten auch nicht gleichgültig gegenüber. In der Pilotepisode The Vow bleibt Mary eine schwer zu durchschauende Figur, von der man hoffentlich noch einiges zu erwarten hat.
John, ihr ehemaliger Geliebter, hält sich ebenfalls bedeckt. Einzig seine Vorliebe, in schwierigen Situationen aus der Masse hervorzutreten, um der Öffentlichkeit ins Gewissen zu reden, zieht sich durch seinen Charakter. Er kehrt als angesehener Captain zurück in die Stadt, schnell zeigt sich aber, dass er trotz „Erfolg“ im Kampf kein Kriegstreiber ist, sondern ein recht aufgeklärter Mann, der sich noch bedeckt hält.
George Sibley selbst, Mitglied des Stadtrates und in der späteren Handlungszeit der Pilotepisode Marys Ehemann, spielt kaum noch eine Rolle, hält seine Ehefrau ihn doch mit einem Zauber unter Kontrolle, was ihn zu einer kränklichen Marionette macht.
Eine wichtige Rolle spielt auch Prediger Cotton Maher (Seth Gabel, Fringe), der die Hexenprozesse anführt und mit schon fast vorauszuahnender Doppelmoral nachts seinen Spaß bei den Prostituierten sucht.
Eine weitere Hauptfigur ist Isaac Walton (Iddo Goldberg, Mob City), den wir in der ersten Szene für Unzucht gefoltert sehen und der ein guter Freund von John ist.
Wichtig werden könnte auch die junge Anne Halen (Tamzin Merchant, The Tudors), die sich der Engstirnigkeit ihrer Heimatstadt widersetzt und sich offenbar von dem mysteriösen John angezogen fühlt.
Auf Seiten Marys findet sich die Hexe Tituba (Ashley Madekwe, Revenge), die ihr beisteht, aber darüber hinaus in der ersten Episode der Serie Salem noch undurchsichtig bleibt. Sie erinnert Mary an ihre Ziele als diese nach einem Treffen mit John in ihrer Überzeugung wankt. Sie ist fürs Erste der Anker in die Welt der Hexen.
In der Pilotepisode The Vow lernen wir die Zusammenhänge in der Stadt anhand dieser Figuren kennen, jeder mit seinen eigenen Zielen und geheimen Plänen. Wir begleiten die Mächtigen zu intensiven Abendessen, bei denen der Subtext lauter ist als das, was wirklich gesagt wird.
Fazit
In Salem begleiten wir die Figuren in eine dunkle Zeit, die dank detaillierter Kostüme zum Leben erweckt wird. Die Magie der Serie darf nicht verwechselt werden mit dem, was wir in Serien wie Charmed und The Vampire Diaries serviert bekommen; sie ist dunkel, abstoßend und produziert in ihren stärksten Momenten schockierende Szenen, die weit eher an American Horror Story erinnern.
Durch den Zeitsprung ist eine Entwicklung der Figuren in der Pilotepisode The Vow bereits eingebaut, die dank der guten Darsteller durchaus bestechend ist.
Trailer zur Serie „Salem“