Saint George 1x01

Der in Los Angeles geborene Schauspieler und Comedian George Lopez („Die Schlümpfe“) dürfte dem einen oder anderen vielleicht aus diversen Spielfilmen oder seiner Serie George Lopez (2002-2007) bekannt sein. Auch eine Talkshow auf TBS durfte der Allrounder mit lateinamerikanischen Wurzeln bereits sein Eigen nennen. Jetzt hat Lopez mit Saint George eine neue Comedy auf FX ergattert und spielt dabei genau genommen wie bereits in der TV-Serie „George Lopez“ erneut sich selbst. Als erfolgreicher Unternehmer mit mexikanischen Hintergrund geht er gerade durch eine Scheidung und versucht deshalb, sein Leben neu zu ordnen und vielleicht sogar eine neue Liebe zu finden.
Vorweg sei gesagt, dass Saint George zweifellos eine ganz bestimmte Zielgruppe anspricht, zu welcher sich der Rezensent nicht wirklich zählen würde. Die Auftaktepisode von „Saint George“ präsentiert sich als eine Aneinanderreihung platter Witzchen und stereotypischer Vorurteile. Man möchte zwar nicht abstreiten, dass man sich hier und da nicht einem kleinen Lacher erwehren kann, doch fragt man sich auch, ob das wirklich an der Qualität der Comedy oder einfach nur an der absurden Lächerlichkeit von „Saint George“ liegt.
Mexican Bulldog
Der Aufbau von Saint George, welches vor einem Live-Publikum aufgenommen wird, könnte einfacher und klassischer nicht sein: George Lopez spielt George, einen Geschäftsmann, der den Energiedrink La Energia erfunden und dadurch ein kleines Vermögen gemacht hat. Georges Privatleben gestaltet sich derweil als eher frustrierend, trennt er sich doch gerade von seiner Frau Mackenzie (Jenn Lyon, Justified). Auch Georges neuer Job als Lehrer an einer Abendschule verspricht einiges an Stress, wird er dort doch permanent von seiner Vorgesetzten angegraben. Sein Onkel Tio (Danny Trejo) und dessen Sohn Junior (David Zayas) sorgen dann noch für ausreichend Chaos, sodass George in seinem neuen Leben ordentlich auf Trab gehalten wird.
In der Pilotfolge von Saint George werden sogleich sämtliche geläufige Muster des Comedygenres abgegrast: Die verrückte Verwandtschaft, der Protagonist, der augenscheinlich nie Geldprobleme bekommen wird und ein eigentlich recht sorgenfreies Leben zu haben scheint, seine heiße Ex-Frau, peinliche Situationen, welche größtenteils aus unbeholfenen Versuchen, neue Frauen kennenzulernen, resultieren - „Saint George“ geht den wohl einfachsten Weg, den das Genre zu bieten hat und baut dabei noch einige Elemente ein, die wohl gerade bei der Zuschauerschaft mit lateinamerikanischen Hintergrund Eindruck hinterlassen sollen.
Das nie aufhörende, schallende Gelächter des Publikums - ob es nun wirklich live im Studio sitzt oder doch nur via Tonband eingespielt wird - geht einem recht schnell auf den Geist und begleitet ununterbrochen die äußerst flachen und oft auch nicht minder politisch inkorrekten Witzchen, welche anscheinend eines der wichtigsten Merkmale der Show sind.
We're going in
Einzig David Zayas und Danny Trejo möchte man etwas abgewinnen können. Beide sind aus eher ernsthafteren Produktionen bekannt, sei es nun Zayas' langjähriges Engagement bei der Showtime-Serie Dexter oder Trejos Auftreten in unzähligen Filmprojekten (z.B. „Machete“). Sowohl Zayas als auch Trejo scheinen einen Riesenspaß zu haben und generieren einige wenige Lacher. Doch auch hier fragt man sich abermals, ob man als Zuschauer wirklich über den Inhalt der drögen Witze, oder viel mehr über Zayas und Trejo selbst lacht, welche schlicht und einfach zwei sehr komische Figuren abgeben und so lächerlich überzeichnet wirken, dass einem nicht viel übrig bleibt, als sich über deren lachhaften Auftritt zu amüsieren.
Die Geschichte der Pilotfolge selbst hat man sich aus irgendeiner Asservatenkammer einer x-beliebigen Comedyserie aus den letzten beiden Jahrzehnten geholt und dann dieser eine Art lateinamerikanischen Anstrich verpasst, um zumindest ein wenig originell zu wirken. Natürlich geht auch dieses Vorhaben nicht wirklich auf, sodass sich Saint George als die fade Witzparade herausstellt, die es nun mal ist oder eventuell sogar sein will.
Fazit
Auch für Saint George wird sich ein Publikum finden lassen, doch der Autor dieser Kritik erhofft sich, dass die ersten zehn Folgen der neuen FX-Comedy nicht so erfolgreich sein werden, dass der Sender auf einen Schlag weitere 90 Episoden bestellen muss. Dies wurde bereits vorher vertraglich festgehalten, denn ähnlich wie bei Charlie Sheens Anger Management konnten die Macher von „Saint George“ den gleichen 10/90-Deal herausschlagen, welcher nach einem positiven Erfolg der ersten zehn Folgen der Serie die Bestellung von 90 zusätzlichen Folgen nach sich ziehen würde.
Schwer zu glauben, dass die Macher von Saint George Material für insgesamt 100 Folgen zusammenbekommen würden. Wenn man sich jedoch wie in der Pilotfolge an gängige Schemata des Genres hält, diese billig kopiert und einfach in einen lateinamerikanischen Rahmen setzt, dürfte selbst „Saint George“ auf diese beachtliche Anzahl von Episoden kommen. Ein paar platte Gags kann man sich immer aus dem Ärmel schütteln, mit George Lopez, David Zayas und Danny Trejo hat man ein paar Zugpferde mit an Bord, die ein stetiges Publikum mit ähnlichem kulturellen Hintergrund sichern könnten. So wäre selbst „Saint George“ dazu in der Lage, sich irgendwie halten zu können und mehr als nur diese eine, unsägliche Folge hervorzubringen, obwohl das Format nach seiner Pilotepisode normalerweise sofort wieder in der Vergessenheit verschwinden sollte.
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 7. März 2014Saint George 1x01 Trailer
(Saint George 1x01)
Schauspieler in der Episode Saint George 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?