Chilling Adventures of Sabrina 2x01

Chilling Adventures of Sabrina 2x01

Nach kurzer Verschnaufpause ist Chilling Adventures of Sabrina mit neuen Folgen zurück, um nahtlos an die magische Erfolgsgeschichte aus dem letzten Jahr anzuknüpfen. Dafür dreht man den Campfaktor auf Anschlag und wird noch wilder, verführerischer und bizarrer. Unterhaltsam ist das allemal. Die kleine Neuausrichtung birgt aber auch Risiken.

„Chilling Adventures of Sabrina“ (c) Netflix
„Chilling Adventures of Sabrina“ (c) Netflix
© ??Chilling Adventures of Sabrina“ (c) Netflix

Diese Kritik bezieht sich auf die ersten fünf Folgen der zweiten Staffel von „Chilling Adventures of Sabrina".

Die erste Staffel von Chilling Adventures of Sabrina hat Spaß gemacht. Die Netflix-Hexenserie, basierend auf den gleichnamigen Gruselcomics des Verlags Archie Horror, war sicherlich nicht perfekt und hatte allen voran damit zu kämpfen, über zehn Folgen ein konstantes Niveau zu halten, was nicht immer gelang. Aber ganz abgesehen von der schwankenden Qualität zwischen den einzelnen Folgen oder auch von der eher unklaren Richtlinie, die sich die Verantwortlichen um Serienschöpfer Roberto Aguirre-Sacasa auferlegt haben, hat „Chilling Adventures of Sabrina“ definitiv Spaß gemacht. Dem wunderbaren Cast um Kiernan Shipka, Lucy Davis und Miranda Otto (!) sowie den subversiven, teuflisch guten Untertönen sei Dank.

Was die Serie in ihrer ersten Staffel so kurzweilig gestaltet hatte, war das Bewusstsein für die genau richtige Dosis pulp und die absolute Hingabe zu abgedroschenen Tropen, die auf diabolisch-freche Weise neu verpackt wurden und sich daher angenehm unverbraucht angefühlt haben. Man nutzte diese Mechanik clever, um mehr oder minder (eher minder) subtil auf den emanzipatorischen Aspekt derartiger Genreformate einzugehen, was „Chilling Adventures of Sabrina“ einen spitzen, feministischen Anstrich gegeben hat, der zu der komplexen Mischung der Serie beiträgt. Ja, selbst überspitzte Sozialkritik kann man aus dem Netflix-Drama herausfiltern. All diese verschiedenen Elemente sorgen zwar dafür, dass „Chilling Adventures of Sabrina“ gelegentlich nicht so recht zu wissen scheint, wohin die Reise letztlich gehen soll, weil man sich gerne etwas übernimmt. Langweilig wird es auf diesem wilden Trip dafür aber nie.

Ein wilder Trip.“ Eine Beschreibung, die zum Start der zweiten Staffel - oder „Part 2“ der ersten Staffel, wie die Fortsetzung von den Machern und Netflix eigentlich betitelt wird - am heutigen Freitag, den 5. April treffender nicht sein könnte. Nach der ersten Staffel im Oktober 2018 und einem soliden Weihnachtsspecial stürzt man sich jetzt wieder in den ganz normalen Wahnsinn, die diese Welt voller Hexen, Dämonen und unwissenden Sterblichen zu bieten hat. Dabei herrscht scheinbar eine neue Doktrin: Kein Konzept ist zu bizarr, keine Idee zu verrückt, kein Einfall zu abgedreht. „Chilling Adventures of Sabrina“ legt die wenigen Ketten ab, die die Serie zuvor noch ein Stück weit geerdet hatte, und gibt sich völlig den teils absurden, teils skurrilen, teils unglaublichen Gedankenexperimenten hin, die das Autorenteam im Vorfeld ausgekocht hat.

In den ersten fünf der insgesamt neun neuen Episoden sucht man mit viel Mühe einen durchgehenden roten Faden, den man am ehesten noch in Person des Hohen Priesters Father Blackwood (Richard Coyle) findet, welcher nun endgültig zum großen Oberschurken der Serie avanciert, dem Sabrina (Shipka) das Handwerk legen muss. Dieser Konflikt wird mal mehr, mal weniger prominent thematisiert, letztlich droht das Duell dieser beiden Figuren und ihrer komplett gegensätzlichen Ansichten aber immer wieder unter den Tisch zu fallen. Denn: Aguirre-Sacasa und sein Team verfolgen zwischenzeitlich gänzlich andere Pläne. Oder gibt es überhaupt einen Plan? Diese Frage muss erlaubt sein, denn die Struktur der neuen Staffel beziehungsweise der ersten paar Folgen der neuen Season stiftet reichlich Verwirrung.

Eine durchgehende Erzählung entwickelt sich kaum, vielmehr präsentiert man den Zuschauern in der ersten Staffelhälfte allerlei Geschichtchen rund um verheerende Zauber, die fragwürdige Schulpolitik an der Academy of Unseen Arts, komplizierte Teenagerliebe und den fortwährenden Kampf gegen das Hexenmeisterpatriarchat. Die Möglichkeiten sind endlos und dementsprechend salopp wirft man mit Ideen um sich, getreu der Devise: Wenn es sich gut anhört, warum sollten wir nicht eine ganze Episode darüber machen? Die widerwillige Rolle unserer jugendlichen Protagonistin Sabrina Spellman als treue Dienerin Satans und ihr Widerstand gegen diese dunkle Macht bildet eine der wenigen Konstanten der Serie. Rund darum sind der Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt.

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Netflix
Netflix - © Netflix

Let me put a spell on you

Wenig überraschend bringt diese Herangehensweise Vor- und Nachteile mit sich. Wie bereits in der ersten Staffel können die neuen Folgen von Chilling Adventures of Sabrina den Zuschauerinnen und Zuschauern eine diebische Freude bereiten. Der Cast fühlt sich nach der üblichen Eingewöhnungsphase sichtlich noch viel wohler in ihren Rollen, als es schon zuvor der Fall gewesen ist. Die zahlreichen sonderbaren Einfälle sorgen indes dafür, dass die Serie sehr abwechslungsreich bleibt und auch nie davor zurückscheut, erzählerische Risiken einzugehen und Ideen konsequent zu verfolgen, selbst wenn man anfangs noch berechtigte Zweifel daran hat, ob die Gedankenspiele der Macher sich letztlich wirklich auszahlen. Nach fünf Episoden bin ich mir an vielen Stellen nach wie vor nicht sicher, ob die verschiedenen Rechnungen aufgehen werden. Den Mut des Autorenteams um Roberto Aguirre-Sacasa, Dinge auszuprobieren und munter auszutesten, was funktioniert und was nicht, kann ich jedoch wertschätzen.

Und die Nachteile? Da Aguirre-Sacasa die Zügel offensichtlich recht lose in den Händen hält und seinen Kollegen und Kolleginnen viele kreative Freiheiten gibt, kann es oftmals passieren, dass „Chilling Adventures of Sabrina“ im massiven Wirbelwind all seiner Ideen komplett die Kontrolle verliert. Es ist ein Drahtseilakt, zwischen Handlungssträngen zu balancieren, die zum einen gesellschaftlich relevante Probleme clever abstrahieren und zum anderen so viel übertriebenen Glamour und harten camp bieten, dass ein Ryan Murphy stolz wäre. Der unermüdliche Serienproduzent, Regisseur und Drehbuchautor hat mit seinem distinktiven inszenatorischen Flair und ungewöhnlichen Ansätzen des Geschichtenerzählens in den letzten Jahren für großen Aufruhr gesorgt. Und man befindet sich keineswegs auf dem Holzweg, wenn man allmählich erste Parallelen zwischen Murphys Anthologieserie American Horror Story und „Chilling Adventures of Sabrina“ zieht. Nicht nur äußerlich, sondern durchaus auch inhaltlich.

Die zweite Staffel von „Chilling Adventures of Sabrina“ - die Betonung liegt wahrlich auf „Adventures“ - erzählt Geschichten über die furchtbar chauvinistischen Zustände innerhalb der „Church of Night“ und satanische Sexrituale unter jugendlichen Hexen und Hexenmeistern. Eine Episode wird wiederum in viele kleine Segmente unterteilt und stellt eine Art Kurzgeschichtensammlung voller düsterer Visionen für die verschiedene Charaktere dar, während andernorts die skrupellose Strippenzieherin Mary Wardwell (Michelle Gomez) - Madam Satan oder auch Lilith, die einstige Geliebte des Teufels - unentwegt an ihrem eigenen Aufstieg als Herrscherin über die Dunkelheit feilt. Es wird sogar der sogenannte „Anti-Papst“ eingeführt, ein Konzept, das so bescheuert und zugleich unheimlich amüsant ist, dass man kaum in Worte fassen kann, was hier eigentlich passiert.

Chilling Adventures of Sabrina“ ist auf einmal so viel mehr drüber, als es phasenweise bereits gewesen ist, und aus dem schwierigen Balanceakt wird plötzlich ein wildes Schwingen von rechts nach links, hoch und runter, einfach in alle Richtungen. Das ist mitunter eine Herausforderung. Denn wer sich mehr Klarheit und eine deutlichere Vorstellung davon erwartet hat, was sich die kreativen Köpfe hinter der Serie so denken, wird enttäuscht sein. „Laissez-faire“ kann sowohl Tugend als auch Makel in einem sein und in „Chilling Adventures of Sabrina“ lässt sich nun ein sehr wankelmütiges, wenn auch einzigartiges (Un-)Gleichgewicht beobachten, was wiederum für nicht wenige Grund genug sein dürfte, um dem Format weiterhin die Treue zu halten. Und inmitten dieser seltsamen Ideen und schrägen Ausflüge gibt es sie ja doch noch, diese packende Momente zwischen den Charakteren, die sich in einem überspitzten, übernatürlichen Abbild unserer Welt und unserer gesellschaftlichen Probleme wiederfinden, welche sie bei den Teufelshörnen packen.

Nach fünf Episoden der zweiten Staffel der Chilling Adventures of Sabrina (mehr wurden mir nicht zur Verfügung gestellt, und mit Blick auf das Ende der fünften Folge kann ich mir auch gut vorstellen, warum...) bin ich unentschlossen, was die Fortsetzung der Netflix-Produktion angeht. Auf eine ganz eigene Art und Weise ist die Serie unverändert charmant und sympathisch, frech und dynamisch, aufregend und mutig. Auf der anderen Seite graut es mir vor der langsamen „Riverdalisierung“ der Geschichte. Und damit ist weniger der scheinbar nicht zu stillende Sexualtrieb ralliger Teenager gemeint, sondern vielmehr die Absurdität vieler Einzelgeschichten, die dem große Ganzen phasenweise einen wahrhaftigen Bärendienst erweisen oder auch das teils sehr fragwürdige, inkonsistente Verhalten von Charakteren (eine der Hauptfiguren wirft einige Rätsel auf), das für Unstimmigkeiten sorgt. Wo sich „Chilling Adventures of Sabrina“ letztlich einpendeln wird oder ob das überhaupt die grundlegende Idee ist, woran ich inzwischen starke Zweifel habe, weiß nur der Herr der Finsternis selbst. Und natürlich der Anti-Papst.

Hier abschließend noch der Trailer zur zweiten Staffel der US-Serie „Chilling Adventures of Sabrina Part 2“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 5. April 2019

Chilling Adventures of Sabrina 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Chilling Adventures of Sabrina 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Kapitel zwölf: Die Drei Könige
Titel der Episode im Original
Chapter Twelve: The Epiphany
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 5. April 2019 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. April 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 5. April 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 5. April 2019
Autoren
Roberto Aguirre-Sacasa, Donna Thorland
Regisseur
Kevin Rodney Sullivan

Schauspieler in der Episode Chilling Adventures of Sabrina 2x01

Darsteller
Rolle
Ross Lynch
Chance Perdomo
Michelle Gomez
Jaz Sinclair
Tati Gabrielle

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