Chilling Adventures of Sabrina 1x11

© o, ho, ho, hex, hex... (c) Netflix
Wie viele von Euch waren auch wir im Oktober ganz aus dem Hexenhäuschen, als Chilling Adventures of Sabrina auf der Netflix-Bildfläche erschien. Das düstere Re-Imagening des bekannten Comic- und Serienstoffs passte perfekt in die Halloweenzeit und war einfach so verdammt köstlich böse. Doch was stellt man mit ausgewachsenen Satanistinnen an, wenn es auf die Weihnachtszeit zugeht und üblicherweise fromme Christmas-Specials produziert werden? Die Antwort darauf liefert die von Serienschöpfer Roberto Aguirre-Sacasa und Donna Thorland geschriebene Feiertagsfolge „A Midwinter's Tale", die genau die gleichen Dinge richtig und falsch macht wie die erste Staffel nach dem beinahe makellosen Auftakt.
Bright Solstice
Als Hybrid-Hexe mit menschlicher Mutter ist Sabrina Spellman (Kiernan Shipka) das Weihnachtsfest nicht fremd und selbst ihre Tanten Zelda (Miranda Otto) und Hilda (Lucy Davis) nehmen vereinzelt am säkularen Aspekt der Festlichkeiten teil. Als Anhängerinnen der Church of Night ist für sie jedoch die Wintersonnenwende das ausschlaggebende Fest zum Jahresende. Jenes heidnische Fest also, auf dem so einige religiöse Feiertage Ende Dezember basieren. Einer der Hexenbräuche zu dieser Zeit besteht darin, den Weihnachtsklotz im Kamin zu entfachen, um böse Geister fernzuhalten. Einen guten Geist will hingegen Sabrina heraufbeschwören, denn seit dem Staffelfinale fragt sie sich doch, warum ihre Mutter Diana (Annette Reilly) noch immer im Limbus festhängt, und plant eine heimliche Seance mit den Weird-Schwestern. Das passende Buch dazu erhält sie von ihrer Lehrerin und Satansbraut Mrs. Wardwell (Michelle Gomez), die auch, nachdem Sabrina ihren Namen in das Buch des dunklen Fürsten geschrieben hat, weiterhin ein Auge auf die junge Dame werfen soll.

Schurkinnenschottin Michelle Gomez ist wie gehabt eine Göttin, wenn sie in ihrer mit Gusto dargebotenen Rolle der Mrs. Wardwell aufgeht, weshalb es fast schade ist, dass sie lediglich als Katalysator der Story dient. Doch wie auch im Fall von Boyfriend Harvey (Ross Lynch) hebt man sich die wichtigen Handlungsentwicklungen eben nicht für ein Special auf. So sorgt Wardwell mit ihrem magischen Knusperhäuschen aus Lebkuchen lediglich dafür, dass der schützende Scheit im Spellman-Haushalt erlischt, um die möglicherweise erleuchtende Séance mit der Frau Mama zu sabotieren. Die läuft nämlich überraschend erfolgreich ab, zumindest, bis Tante Zelda dem Ganzen auf die Schliche kommt und ohne Scheitschutz etwas Unheimliches ins Haus einzieht. Weihnachten bei den Spellmans ist eben auch nur ein zweites Halloween mit anderer Deko, denn auf einmal spukt es wie verhext...
Hier unser Podcast dazu:
Wie sich kurze Zeit später herausstellt, stecken die Poltergeistkinder der isländischen Kannibalenhexe namens Gryla (Heather Doerksen) dahinter, die nach einem guten Schluck Gin aus der Hausbar beinahe zum Gehen bestochen wird, dann aber Interesse an dem von Zelda gestohlenen Hexenbaby Laticia anmeldet. Wir erinnern uns: Hebamme Zelda hatte das Mädchen zu seinem Schutz bei der Geburt entwendet, um sie vor ihrem Vater, Father Blackwell (Richard Coyle), zu beschützen. Zum Glück hat Dianas Geist da auch noch ein Wörtchen mitzureden und es wäre doch gelacht, wenn wir Storyline A nicht irgendwie mit Storyline B verbinden könnten...
Satan Clause Is Coming to Town
Irgendwie müssen auch wieder die gut gemeinten, aber viel zu ambitioniert eingebundenen Freundinnen von Sabrina in die Story eingearbeitet werden. Hätte man die zwei nicht in einer Figur vereinen können? Oder wäre ein afroamerikanisches, non-binäres Geistermedium zu viel Intersektionalität für eine Figur gewesen? Susie (Lachlan Watson) gerät jedenfalls bei ihrem Weihnachtsjob als Einkaufszentrumself in Schwierigkeiten, als der griesgrämige Weihnachtsmann sich als Dämon Bartel, eine Art Krampus, entpuppt, der seine Helferlein zu Wachsfiguren verarbeitet. Natürlich hatte Roz (Jaz Sinclair) längst eine ungute Vorahnung dank ihres größtenteils nutzlosen Bootleg-Shinings. Mithilfe der Spellmans, die dem Kinderschreck-Santa kurzerhand die Mutterhexe Gryla auf den Hals jagen, erledigt sich die Angelegenheit aber überraschend schnell und ohne größeren Aufwand. Weniger Weihnachtswunder, mehr plot convenience.
Viel größeres Drama spielt sich über die Festtagsfolge verteilt zwischen Sabrina und Harvey ab, der sich nach den traumatischen Erfahrungen der ersten Staffel noch immer distanziert gibt und mit dem Hexentum seiner Ex- oder Nochfreundin sichtlich Probleme zu haben scheint. So kommt Sabrinas Geschenk von verzauberten Malstiften überhaupt nicht gut an und selbst der magische Eierlikör, der Harveys Alkoholikervater kurzerhand trocken zaubert, wird eher kritisch als dankend aufgenommen. Harvey, du zeichnest Comics und warst mal cool. Sag' uns nicht, dass du wegen einer schlechten Magieerfahrung die Hexenjägerbräuche deiner Von-Kunkel-Vorfahren heraufbeschwörst! Wir würden wirklich nur ungern sehen, wie die Vorzeigeromanze dieser beiden auf dem Altar dieses konstruierten Dramas geopfert wird.

Immerhin scheint die Serie das Charmed-Fettnäpfchen der zu jeder beliebigen Gelegenheit erscheinenden Geisterverwandten (was den Tod von Figuren komplett konsequenzlos macht) zu umgehen, indem es am Ende einen emotionalen Abschied zwischen Sabrina und Diana gibt. Es wirkt allerdings so, als hätte sie ihrer Tochter noch das eine oder andere Detail über ihre mysteriöse Geburt und den Tod ihrer Eltern verraten können. Aber wie gesagt: Im Special werden meist nur ein paar feierliche Emotionen aufgebrüht, ohne den Plot fortschreiten zu lassen und vermutlich hätte diese Info größere Twists aus der Zukunft vorausgenommen. Auch, ob Zelda bei ihrer Entscheidung bleibt, Baby Laticia in die Obhut der Waldhexe Desmelda zu geben, werden wir erst zur zweiten Staffel im Frühjahr des nächsten Jahres erfahren.
Fazit
„A Midwinter's Tale" besitzt den gewohnten Grusel-Charme von Chilling Adventures of Sabrina, möchte aber gleichzeitig zu viel und zu wenig erledigen. Zu viel, weil die eingearbeiteten Charaktere und Storylines überhand nehmen und zu wenig, weil sich die Handlung aufgrund des Sonderfolgencharakters eines Specials kaum weiterbewegt. Clever gestalten sich die heidnische Unterwanderung und die Vermischung von Weihnachten mit der für Hexen wichtigen Wintersonnenwende sowie Sabrinas Interaktion mit ihrem Umfeld. Besonders, wenn sich zeigt, dass sie den Hexen aus der Zauberschule zu weltlich und ihren Menschenfreunden zu andersweltlich ist, was ihr grundlegendes Dilemma als Kind beider und gleichzeitig keiner der beiden Welten deutlich macht.
Die übernatürliche Weihnachtsbedrohung zählt bedauerlicherweise zur schwächeren Variante der Gummikostümsorte und wurde viel zu einfach durch billige Drehbuch-Tricks aus dem Weg geräumt. Mehr Mrs. Wardwell und weniger Monster-der-Woche hätte dem Ganzen womöglich gutgetan, aber das könnte man vermutlich über jede Episode sagen. Mehr frustrierend als dramatisch gerät auch die Beinahe-Aussprache mit Harvey, dessen andauernde Hexenaversität den Hexenfans im Publikum langsam auf den Spekulatius geht. Steht nicht vielleicht doch noch etwas von Tante Hildas Liebeszaubertrank im Schrank...?
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 14. Dezember 2018Chilling Adventures of Sabrina 1x11 Trailer
(Chilling Adventures of Sabrina 1x11)
Schauspieler in der Episode Chilling Adventures of Sabrina 1x11
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