Rutherford Falls: Kritik zur indigenen Peacock-Comedy

Rutherford Falls: Kritik zur indigenen Peacock-Comedy

Die Peacock-Comedy Rutherford Falls wird vor und hinter den Kulissen von zahlreichen Menschen indigener Herkunft angeführt. Früh erkennt man Potential für ein neues Parks and Recreation, doch es gibt Baustellen.

Szenenfoto aus der Serie Rutherford Falls (c) Peacock
Szenenfoto aus der Serie Rutherford Falls (c) Peacock
© zenenfoto aus der Serie Rutherford Falls (c) Peacock

Wenn ich mir selbst die Aufgabe stelle, indigene Charaktere aus US-Serien aufzuzählen, fallen mir zur eigenen Schande spontan nur zwei ein: Hanzee Dent, gespielt von Zahn McClarnon, aus der zweiten Fargo-Staffel sowie der Twin Peaks-Polizist Deputy Hawk, gespielt von Michael Horse. Vermutlich gibt es noch weitere Kandidaten in Westernserien wie Longmire oder The Son. Dass ich die nicht kenne, liegt an mir. Trotzdem sehe ich das Problem eigentlich woanders, nämlich beim Fernsehen selbst.

Im amerikanischen Journal of Social Issues wurde 2015 eine langangelegte Studie zur Sichtbarkeit von indigenen Menschen in den US-Medien veröffentlicht. Der Befund: Obwohl sich mehr als zwei Prozent der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten als Natives identifizieren, entsprechen sie nur bis zu 0,4 Prozent aller Figuren in Filmen und Serien. Kurzum: Die Nachfahren amerikanischer Ureinwohner sind extrem unterrepräsentiert. Hinzu kommt, dass in dieser verschwindend geringen Anzahl an indigenen Charakteren auch die Negativbeispiel beinhaltet sind, die hässliche Klischees sogar perpetuieren.

Generell gilt augenscheinlich trotzdem, dass es tendenziell besser als schlechter wird. Und in dieses Bild passt nun auch Rutherford Falls, die neue Peacock-Comedy von Ed Helms (The Office) und dem Brooklyn Nine-Nine-Duo Mike Schur und Sierra Teller Ornelas. Letztgenannte stammt selbst von den Navajo ab und bekleidet den Showrunner-Posten. Als Chefin der Serie hat sie dafür gesorgt, dass der Writers' Room zur Hälfte mit indigenen Autorinnen und Autoren besetzt ist.

Dass der Cast ebenfalls nicht ausschließlich weiß sein kann, ist selbstverständlich. Dennoch hat sich Peacock dazu entschieden, die gesamte Werbekampagne zur Lokalpolitkomödie rund um den Hauptdarsteller Helms aufzubauen, der spätestens durch die „Hangover“-Trilogie ein weltbekanntes Gesicht wurde. Normalerweise sieht man den Schauspieler auch immer gern, doch im Fall von Rutherford Falls scheint er ein wenig im Weg zu stehen. Interessanter wäre es gewesen, wenn sich die Geschichte mehr um die Rollen der Lakota Jana Schmieding und des Plains Cree Michael Greyeyes gedreht hätte.

Worum geht's?

Rutherford Falls spielt in einer gleichnamigen, wenn auch fiktiven Kleinstadt in Amerika. Die Hauptfigur heißt Nathan Rutherford (Helms), der das örtliche Geschichtsmuseum betreibt. Als letzter vor Ort lebender Nachfahre des einstigen Stadtgründers „Big Larry“ Rutherford hat er es sich zur Aufgabe gemacht, das stolze Vermächtnis seiner Familie zu bewahren. Seine Alarmglocken läuten auf, als darüber diskutiert wird, die Statue seines Urahnen umzustellen oder ganz zu canceln. Was aber weniger politische Gründe hat, sondern der unglücklichen Tatsache geschuldet ist, dass das Monument mitten auf der Straße steht und ständig Unfälle verursacht.

Peacock
Peacock - © Peacock

Schon jetzt spürt man die geistige Nähe von Rutherford Falls zur legendären NBC-Comedy Parks and Recreation, wo ein solch herrlich dummer Konflikt perfekt ins Bild gepasst hätte. Die Ähnlichkeit ist sicherlich kein Zufall, denn immerhin war beziehungsweise ist der eingangs erwähnte Co-Schöpfer Mike Schur an beiden Serien beteiligt. Eine weitere Parallele: Beide Geschichten sind super herzlich und beschäftigen sich auf bestärkende Art und Weise mit der Frage, wie man sich uneigennützig in die Gemeinschaft einbringen kann.

Zur Vollständigkeit muss allerdings noch eine weitere Gemeinsamkeit genannt werden, die eher negativ klingt: Genau wie einst Parks and Recreation lässt auch Rutherford Falls einige Startprobleme erkennen. Angefangen beim vielleicht wichtigsten Kriterium, dem Humor, der im Pilot kaum erkennbar ist. Die erste Episode der Comedy zieht sich sehr, zumal sie den Fokus auf die Figur legt, die am langweiligsten ist: Nathan Rutherford, unser Protagonist. Erst später, als es um seine beste Freundin Reagan Wells (Schmieding) geht, wird es etwas aufregender.

Reagan ist Teil vom fiktiven Minishonka-Stamm, der schon lange vor den Rutherfords in dieser Gegend lebte. Der Legende nach schloss Nathans Vorfahr „Big Larry“ einen freundschaftlichen Pakt mit den Ureinwohnern, um sich im späteren Rutherford Falls anzusiedeln. Nathan ist sehr stolz auf diese Geschichte, die natürlich ganz im Zentrum seines Museums steht. Reagan selbst hat derweil auch so etwas wie ein Museum, das sogenannte Culture Center im örtlichen Indianerkasino, wo sich aber höchstens mal ein Betrunkener beim Zocken hineinverirrt.

Ihr Boss dort heißt Terry Thomas (Greyeyes). Er wird als skrupelloser Geschäftsmann präsentiert, der aber eigentlich nur das zurückholen will, was seinem Stamm vom weißen Mann geklaut wurde. Und nun hat er mit Nathan einen weißen Mann gefunden, der ein besonders leichtes Opfer zu werden verspricht. Nicht nur will Terry dafür sorgen, dass die verhasste Statue endlich verschwindet, er sieht auch die Chance, die übermächtige Rutherford Corporation zu stürzen. Hierbei handelt es sich um ein Konglomerat von Nathans Familie, das ausgerechnet Waffensysteme herstellt.

Die große Frage der kommenden Folgen lautet also: Hält Reagan zu ihrem besten Freund Nathan oder doch zu ihrem Chef Terry, der auch Teil ihres Stammes ist? Und irgendwie wirken beide Optionen nicht perfekt. Der eine meint es zwar gut, ist aber so ignorant, dass er weder sein privilegiertes Dasein reflektieren will noch Kapazität für Reagans Kummer aufbringt. Der andere ist berechnend und hinterlistig, obwohl er für ein theoretisch nobles Ziel kämpft. Im besten Falle findet Reagan ihren eigenen Weg und wird somit zur rechtmäßigen Heldin der Serie.

Fazit

Alles in allem ein halbwegs verheißender Start. Rutherford Falls hat fraglos Potential, eine liebeswürdige Serie wie Parks and Recreation zu werden, die auch politisch relevante Themen behandelt. Gleichzeitig fehlt es aktuell noch klar an wirklich lustigen Momenten. Zumal einige Charaktere viel weniger unterhaltsam erscheinen als andere. Das sind die typischen Kinderkrankheiten von Comedyserien, die auch die neue Peacock-Produktion erst überwinden muss.

Hier abschließend der Trailer zur Peacock-Comedy Rutherford Falls:

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