Rush Hour 1x01

Rush Hour 1x01

Jackie Chan und Chris Tucker haben mit ihrer besonderen Chemie das Rush Hour-Filmfranchise zu einem Welterfolg gemacht. Nun hat CBS den Versuch gewagt, die Buddy-Cop-Komödie ins Fernsehen zu bringen. Ist der Versuch gelungen?

Serienposter der US-Serie „Rush Hour“ / (c) CBS
Serienposter der US-Serie „Rush Hour“ / (c) CBS

Will man einen namhaften Film oder ein ganzes Franchise für eine Fernsehserie adaptieren, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man distanziert sich weitestgehend vom Original, um jegliche Vergleiche im Keim zu ersticken und als selbstständiges Werk zu gelten oder man zeigt sich kühn und imitiert das Vorbild in jeder Hinsicht. Serien wie Fargo oder sogar Limitless taten zuletzt gut daran, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Die einzige Verbindung zur Filmvorlage waren ein angelehnter Stil oder das Universum, in dem die Handlung spielte. CBS' Rush Hour fällt hingegen in die zweite Kategorie. Die Copserie hält sich in ihrer Pilotepisode so dicht wie möglich an das berühmte Original mit Jackie Chan und Chris Tucker.

I'm the funny one, remember that

Die Hauptrollen des wilden Detective Carter und des stoischen Detective Lee wurden mit den Schauspielern Justin Hires („21 Jump Street“) und Jon Foo („Tekken“) besetzt. Diese beiden müssen irgendwie versuchen, die gewaltigen Fußstapfen ihrer Vorgänger auszufüllen. Dies erscheint schier unmöglich, wenn man bedenkt, wie wichtig Chan und Tucker und ihre besondere Chemie für den Erfolg des dreiteiligen Filmfranchises waren. Doch zumindest leisten die zwei Neulinge objektiv gesehen gute Arbeit, auch wenn es Hires ein wenig an Authentizität und Foo an Charme fehlt. Dass die Figuren dennoch wie ein Schatten ihrer selbst wirken, ist zum Teil aber auch dem Drehbuch geschuldet, das von den Showrunnern Blake McCormick (Mad Men) und Bill Lawrence (Scrubs) geschrieben wurde.

Der Pilot beginnt mit einer Drogenrazzia im Hafen Hongkongs, die vom geradlinigen Detective Lee angeführt wird. Zu seinem Einsatzteam gehört unter anderem seine Schwester Kim (Jessika Van), die im Lauf der Episode eine wichtige Rolle einnehmen wird, da sie später in die Fänge der Bösen gerät - dies ist einer der wenigen Unterschiede zum Film, in dem die Tochter eines wichtigen Botschafters entführt wird. Um seine Schwester zu retten, lässt sich Lee nach Los Angeles schicken, damit er dort der zuständigen Polizei dabei helfen kann, die Verantwortlichen zu jagen, die sich in erster Linie wegen des Diebstahles einer wertvollen Terrakottaarmee schuldig gemacht haben.

Nun lernen wir Lees künftigen Partner bei der LAPD, Detective Carter, kennen. Er führt gerade eine heikle Undercoveroperation durch, die letzten Endes in einem spektakulären Helikoptercrash im Garten eines mächtigen Angelenos endet. Seine Chefin, Captain Cole (Wendie Malick), ist natürlich nicht sehr begeistert von der jüngsten Entgleisung ihres Untergebenen. Um ihm eine Lektion zu erteilen, wird er dazu verdonnert, den Babysitter für den chinesischen Austauschpolizisten zu spielen, der auf dem Revier nur aus diplomatischer Gefälligkeit geduldet wird.

Justin Hires und Jon Foo in der Pilotepisode von %26bdquo;Rush Hour%26ldquo; © CBS
Justin Hires und Jon Foo in der Pilotepisode von %26bdquo;Rush Hour%26ldquo; © CBS

Kaum ein Wort gewechselt, da die sprachliche Barriere es offenbar unmöglich macht, geht das neue Gespann an die Arbeit, wobei Arbeit für Carter bedeutet, mit seinen zwielichtigen Kumpels abzuhängen. Als Lee die Nase voll hat, stellt er Carter zur Rede. Dieser ist sichtlich schockiert, dass sein Kollege aus dem fernen Osten scheinbar doch der englischen Sprache mächtig ist. Lee verpasst Carter nun die erste von vielen verbalen Schellen, die jedoch allesamt weniger lustig wirken, als es sich McCormick und Lawrence wohl vorgestellt hatten. Bei einigen Dialogzeilen (zum Beispiel „Note the booty, Lee!“) kann man sich ausmalen, wie gut sie aus den Mündern Tuckers und Chans klingen würden, doch zu Hires und Foo passen sie eher weniger. Vielleicht wäre es klüger, die Figuren etwas mehr an die Schauspieler anzupassen.

Foos Detective Lee ist beispielsweise deutlich weniger amüsant als Jackie Chans, weil er, wie gesagt, etwas zu stoisch und weniger charmant wirkt. Dies zeigt sich sogar in den diversen Kampfszenen, die allesamt das komödiantische Element vermissen lassen, für das der Kampfkünstler Chan weltweit geliebt wird. Eine weitere Schwäche der Actionszenen liegt meiner Meinung nach in der musikalischen Untermalung, die teils sehr laut und störend erscheint.

Als Carter und Lee nach ihrem ersten kleinen Schlagabtausch endlich anfangen, richtig zu ermitteln, führt sie ihr Weg durch eine Reihe bunter Kulissen. Tatsächlich gelingt es dem Episodenregisseur Jon Turteltaub („Last Vegas“), vieles von der Schönheit Los Angeles' einzufangen. Die Szenen in Chinatown wirken zwar etwas überladen mit kulturellen Klischees, doch das ist in Hollywood ja ohnehin nichts Ungewöhnliches. Gegen Ende der Episode kommt es dann zum Showdown mit dem chinesischen Gangster Jawlong (Leon Lee), der Lees Schwester entführt und auf seine Seite gezogen hat. Letzten Endes schaffen sie es natürlich, ihn und seine Männer zu überwältigen, genauso wie Lees verräterischen Polizeikollegen Thomas (Henry Ian Cusick). Die Terrakottakrieger sind gerettet und Lee ergattert einen Posten beim LAPD. Nun ist also alles angerichtet für weitere Abenteuer der Detectives Carter und Lee.

Fazit

Insgesamt scheint CBS' Rush Hour nicht so schlimm zu werden wie befürchtet, auch wenn das Grundprinzip, die Filmvorlage weitestgehend zu kopieren, viel Angriffsfläche bietet. Ich bin mir sicher, dass mir die Pilotepisode besser gefallen hätte, wenn das Original nicht existieren würde. Man kommt einfach nicht daran vorbei, die Werke und vor allem die Schauspieler miteinander zu vergleichen. Davon abgesehen könnte sich die Serie als typisches „Case of the Week“-Procedural jedoch zu einem stabilen Format entwickeln. Prinzipiell sind Reboots immer ein zweischneidiges Schwert, man benutzt natürlich den bekannten Namen, um sich von den üblichen Neustarts abzuheben, andererseits läuft man Gefahr, Fans zu provozieren. Und über alledem steht die große Frage: War das wirklich nötig?

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 4. April 2016

Rush Hour 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Rush Hour 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Hongkong oder Hollywood
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 31. März 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. November 2016
Regisseur
Jon Turteltaub

Schauspieler in der Episode Rush Hour 1x01

Darsteller
Rolle
Jon Foo
Aimee Garcia
Page Kennedy
Jessika Van
Kim

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?