Run 1x01

Run 1x01

Fleabag-Star Phoebe Waller-Bridge hat für HBO die neue Dramedy Run produziert. Die Hauptrollen spielen Merritt Wever und Domhnall Gleeson. Die Geschichte dreht sich um einen verrückten Liebespakt aus Jugendzeiten...

Merritt Wever und Domhnall Gleeson in Run (c) HBO
Merritt Wever und Domhnall Gleeson in Run (c) HBO
© erritt Wever und Domhnall Gleeson in Run (c) HBO

Im Größenwahn der Jugend glauben wir das Leben besser zu verstehen als alle anderen, sogar als die, die schon doppelt so lang auf dieser Erde wandeln. Wir glauben, verstanden zu haben, dass das Geld und die Gesellschaft die meisten Erwachsenen früher oder später korrumpieren und verbiegen. Wir schwören uns, niemals einen langweiligen Bürojob anzunehmen und niemals zu heiraten oder Kinder zu kriegen, um nicht dasselbe spießige Dasein zu fristen wie unsere Eltern. Wir akzeptieren zwar, dass auch sie eines Tages am System gezweifelt haben mögen, aber am Ende waren sie wohl einfach zu schwach. Bei uns wird das natürlich anders sein, denn wir bleiben standhaft!

Die neue HBO-Serie Run handelt von zwei jungen Menschen, die einst ähnlich dachten, doch inzwischen ebenfalls in der Tretmühle der Traumlosigkeit angekommen sind (oder sich ihre Träume erfüllten und nun nicht weiterwissen). Wie bei den meisten, ging das Ganze wohl so schleichend vonstatten, dass die beiden es erst bemerkten, als es schon zu spät war. Der einzige Unterschied: Ruby (Merritt Wever) und Billy (Domhnall Gleeson) sind nun wirklich gewillt, das Ruder rumzureißen und ihren Vergangenheits-Ichs gerecht zu werden. Sie lösen einen alten Pakt ein, den sie vor 17 Jahren schlossen, als sie noch ein Paar waren und ihre einzige Sorge darin bestand, dass ihnen langweilig werden könnte.

Beschrieben wird das Format als düsterer Comedy-Thriller, ein Hybrid-Genre, das nur wenige Vertreter hat. Tatsächlich fällt mir auf Anhieb nur Killing Eve ein, das in dieses Raster fällt. Kreiert wurde das Katz-und-Katz-Spiel bekanntlich von Fleabag-Star Phoebe Waller-Bridge, die nun auch bei Run als Produzentin an Bord ist. Sogar in einer kleinen Nebenrolle spielt sie diesmal mit. Ihre alte Weggefährtin Vicky Jones hatte die Idee zum neuen Werk, während Kate Dennis die Regie beim Großteil der siebenteiligen Auftaktstaffel übernahm. Aber ist die Serie nun der Renner oder eine lahme Ente?

Run, Kiss, Fuck, Chase, Jump, Tell, Trick

In einem ersten Geniestreich beginnt Run ausgerechnet auf einem Supermarktparkplatz, also dem Ort, der wie kein anderer die Ausweglosigkeit des Alltags repräsentiert. Von ihrem bieder-blässlichen Familienleben fühlt sich Ruby schrecklich eingeengt. Dass der Kauf einer neuen Yoga-Matte das Highlight ihrer Woche darstellt, sagt eigentlich schon alles. Doch genau in diesem Moment, klopft das Schicksal in Form einer SMS ihrer alten Jugendliebe Billy an die Tür. Drei Buchstaben mit fatalen Folgen: „RUN“ - ohne Frage- oder Ausrufezeichen. Ruby fängt am ganzen Körper an zittern und erwidert die Nachricht in einer plötzlichen Übersprungshandlung. Die Panik ergreift von ihr Besitz und sie versucht durch die Fensterscheiben aus dem viel zu eng eingeparkten Auto zu flüchten. Ihr Ziel: Der Flughafen, der ihrem Schicksal auf die Sprünge helfen soll.

Wie im Schlussakt einer Liebesschnulze bucht sie sich dort auf die nächste Maschine Richtung New York. Erst nach ihrer Landung denkt sie daran, ihrem Ehemann Laurence (Rich Sommer) zu sagen, dass er sich keine Sorgen machen muss (was selbstverständlich eine Lüge ist). Ruby wirkt bei all dem fremdgesteuert, als hätte die Jugendliche in ihr den erwachsenen Teil in Ketten gelegt und nun die Kontrolle übernommen. An der Grand Central Station trifft sie ihn schließlich, ihren Billy.

HBO
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Statt sich in Zeitlupe um den Hals zu fallen und romantisch zu küssen, herrscht zwischen den wiedervereinten Liebenden zunächst das große Schweigen und Abtasten. Beide scheinen zunächst verarbeiten zu müssen, dass sie mir nichts, dir nichts ihre jeweiligen Existenzen über Bord geworfen haben, um einen kindisch dummen Deal einzulösen. Dem vor vielen Jahren geschmiedeten Plan entsprechend, sitzen sie nun im Zug nach Chicago, womit ihre Reise quer durchs Land beginnen kann. Eine weitere Nebenwirkung des überhasteten Aufbruchs: Beide sind nun spitz wie Spitzmäuse, doch die Schüchternheit hält sie davon ab, an Ort und Stelle Sex zu haben. Stattdessen gehen sie nacheinander ins nächste WC und legen selbst Hand an. Als Zuschauer würde man sich wünschen, dass sie sich wenigstens vorher die Hände waschen...

Die ersten Episoden von Run fühlen sich so an, als würde man ein Spiel beobachten, dessen Regeln man allein durch die Beobachtung erlernen muss. Zumal der Charakter Billy anfangs viele Fragen aufwirft, die durchaus das Interesse wecken können. In dieser Hinsicht gleicht die Serie sehr dem eingangs erwähnten Killing Eve, das ebenfalls sehr spielerisch anmutet. In dieser Vermischung von Normalität und Außergewöhnlichkeit liegt womöglich die große Stärke Waller-Bridges, denn die Spontaneität und der Humor der Hauptfiguren lassen einen glauben, dass das Leben so viel mehr sein kann als den meisten von uns einfällt. Wenn wir wollten, könnten wir uns auf ähnliche Abenteuer einlassen, indem auch wir mit unserer einstigen Jugendliebe durchbrennen. Da das in den allermeisten Fällen aber sicherlich ein miserabler Einfall wäre, simuliert die Serie das Szenario für uns durch. So müssen wir uns nicht selbst ins Verderben stürzen. Welch ein Glück!

Etwas, wofür man Run auf Anhieb lieben muss, ist die Tatsache, dass die Serie fast ausschließlich an Bord eines Zuges spielt. Ein brillanter Handlungsort, der dem Ganzen automatisch die Intimität einer Bottle Episode und die Dynamik eines Actionstreifens verleiht. Langeweile kann so gar nicht aufkommen und das, obwohl sich die Akteure die meiste Zeit um sich selbst beziehungsweise um ihre eigene Vergangenheit drehen. Nach kurzer Zeit tritt noch ein dritter Spieler namens Fiona (Archie Panjabi) bei. Sie sorgt nicht nur für frischen Wind, sondern lässt das harmlose Spielchen schließlich eskalieren.

Fazit

Alles in allem legt Run einen absoluten Blitzstart hin und macht großen Hoffnungen, dass wir es hier mit einer der besten neuen Serien des Jahres zu tun haben könnten. In seiner Spritzigkeit und seinem ganz besonderen Charme erinnert das HBO-Format sehr an Killing Eve, das gestern bei BBC America parallel in die dritte Staffel ging. Es sind wahrlich gute Zeiten für Fans von Phoebe Waller-Bridge, die uns in den nächsten Wochen mit ihren beiden Werken gehörig auf Trab halten dürfte. Aber nicht nur ihr spezieller Sinn für Humor und ihre unberechenbare Art des Geschichtenerzählens machen den Neustart so spannend, sondern auch die beiden tollen Hauptdarsteller Merritt Wever und Domhnall Gleeson.

Weder für Wever, die man aus Serien wie Nurse Jackie, Godless, Unbelievable und The Walking Dead kennt, noch für den irischen „Star Wars“-Star Gleeson könnte man sich eine bessere Besetzung vorstellen. Kurz gesagt: Hier scheint einfach alles zu stimmen. Die einzelnen Episoden von Run sind übrigens jeweils nur circa 30 Minuten lang, kommen einem ausnahmsweise aber sogar noch kürzer vor. Hierzulande kann man das Ganze zum Glück schon jetzt bei Sky sehen.

Hier abschließend der Trailer zur neuen HBO-Serie Run:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 13. April 2020

Run 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Run 1x01)
Titel der Episode im Original
Run
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. April 2020 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 13. April 2020
Autor
Vicky Jones
Regisseur
Kate Dennis

Schauspieler in der Episode Run 1x01

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