Roseanne 10x07

Roseanne 10x07

Mit der jüngsten Folge Go Cubs packt die wiederbelebte Sitcom Roseanne ein heißes Eisen an, da muslimische Nachbarn aus dem Jemen einziehen und diese natürlich schnell mit den in Lanford vorherrschenden Vorbehalten konfrontiert werden.

Szene aus der Episode „Go Cubs“ (c) ABC
Szene aus der Episode „Go Cubs“ (c) ABC
© zene aus der Episode „Go Cubs“ (c) ABC

Roseanne war stets eine jener Sitcoms, die sich traute, schwierige Themen wie häusliche Gewalt, psychische Krankheit und Rassismus anzusprechen. Mit Go Cubs liegt nun eine jener very special episodes über muslimische Mitbürger vor, die einen im Vorfeld etwas nervös machen konnte, da Serienstar Roseanne Barr in der Zwischenzeit eine politische 180-Grad-Drehung vollzogen hat und ihre Serienfigur nun ebenfalls zu Team Trump zählt. David Caplan, der auch die letzte Episode No Country For Old Women schrieb, steuerte das Drehbuch bei und soll dabei auf den Wunsch des Titelstars eingegangen sein, mit ihren eigenen Vorbehalten konfrontiert zu werden.

Die Episode fackelt jedenfalls nicht lange rum und zeigt keinen schleichenden Prozess, sondern lässt Roseanne ab der ersten Minute ungerechtfertigt paranoid erscheinen, nachdem die Al-Hazaris (Anne Bedian und Alain Washnevsky) nebenan einziehen. Seit sie aus dem Jemen in die Vereinigten Staaten gekommen sind, haben sie in Lanford aufgrund ihrer Herkunft mit allen erdenklichen Schwierigkeiten und Beschimpfungen leben müssen. So hält Nachbarin Roseanne eine erhebliche Ladung Dünger sofort für ein Bombenprojekt aus „Talibanjistan“, wofür sie jedoch von Jackie (Laurie Metcalf) und ihrer langjährigen Freundin Anne-Marie (Adilah Barnes) in die Schranken gewiesen wird.

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Neben der alten Schulfreundin schaut auch ihr Mann Chuck (James Pickens Jr.) im „Roseanne“-Revial vorbei, der gemeinsam mit Dan (John Goodman) das vergangene Folge erwähnte Trockenmauergeschäft betreibt. Als sie von Einwanderern ohne Papiere im Preis unterboten werden, verlieren sie aufgrund dieser „Illegalen“ einen Auftrag (insert „They took our jobs!“ reference here), auf den sich die Conners verlassen hatten, um Rechnungen bezahlen zu können. So kommt es dazu, dass ihnen das WLAN abgedreht wird, ausgerechnet, als Enkeltochter Mary (Jayden Rey) eine Skype-Verabredung mit ihrer in Afghanistan stationierten Mutter Geena (Xosha Roquemore) hat.

Kleine Anmerkung am Rande: In der Besprechung des Staffelauftakts erwähnte ich, wie ironisch es sei, dass D. J. (Michael Fishman) heute mit einer Afroamerikanerin zusammen ist, nachdem er sich als Kind in der berühmten Rassismus-Folge White Men Can't Kiss geweigert hatte, seine schwarze Mitschülerin in einem Schultheaterstück zu küssen. Wie sich herausstellt, geht die Referenz sogar noch einen Schritt weiter, denn seine Frau Geena ist ebendieses Mädchen von damals.

Damit sich Mutter und Tochter doch noch sehen und sprechen können, nimmt Roseanne sich ein Herz und bittet die Al-Hazaris trotz unmöglicher Uhrzeit darum, ihren Internetanschluss mitbenutzen zu dürfen. Dabei kommen alle möglichen Ressentiments auf den Tisch, doch, als Roseanne mitbekommt, wie besorgt ihre eigentlich „normalen“ und freundlichen Nachbarn selbst sind, ist sie plötzlich bekehrt, was sich einige Tage später zeigt, wenn sie sich im Supermarkt für ihre von der Kassiererin beschimpfte Nachbarin einsetzt.

Nebenbei erfahren wir endlich mehr über D. J.s Lebenssituation. Trotz seines ausdrücklichen Wunsches wollte ihn die Army nicht zurücknehmen und schickte ihn stattdessen in Therapie. Mit Dad Dan will er nun anfangen, Motorräder flottzumachen. Das finanzielle Bike-Shop-Debakel aus Staffel vier wurde also offenbar überwunden...

Fazit

Go Cubs stellt bei weitem nicht die problematische Katastrophe dar, die einige befürchtet hatten. Enttäuschenderweise ist die Folge nur sehr mittelmäßig und wirkt wie ein müder, reaktionärer Versuch, die Wogen nach der realpolitischen Kontroverse um den Serienstar zu glätten. Getan wird dies durch eine wenig originelle Bekehrungsgeschichte. Dabei werden Vergleiche zur bereits erwähnten Episode White Men Can't Kiss eingeladen (und das nicht nur, weil Geena in dieser vorkam).

Roseanne hielt sich damals für eine progressive, tolerante Person, die sich am Ende eingestehen muss, dass systematischer, struktureller, nicht offensichtlicher Rassismus auch sie und ihre Kinder unweigerlich geprägt hat. Ein Problem, auf das es keine einfachen Antworten gab, außer zuzuhören, zu reflektieren und sich nach bestem Gewissen zu bemühen. Im Gegensatz dazu geht es in der aktuellen Folge lediglich um eine offensichtlich bornierte Scrooge-Roseanne, die durch unwahrscheinliche Umstände eine Lektion lernt und sich ändert. Ein wahrer Charaktertest hätte nur dann stattgefunden, wenn die Al-Hazaris es ihr nicht so leicht gemacht hätten und nicht zufällig all-american Baseballfans wären.

Oder, wie Roseanne selbst es vor ein paar Folgen in der Spitze gegen die angeblich immergleichen Vorabendserien mit schwarzen und asiatischen Familien ausdrückte: „They are just like us. The end.

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Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 9. Mai 2018

Roseanne 10x07 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 7
(Roseanne 10x07)
Deutscher Titel der Episode
Wenn die Mutter mit dem Sohne
Titel der Episode im Original
Go Cubs
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. Mai 2018 (ABC)

Schauspieler in der Episode Roseanne 10x07

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