Roseanne 10x06

© zene aus der Episode „No Country for Old Women“ (c) ABC
Nach einer Woche Pause, in welcher im US-Fernsehen die bisher gezeigten Roseanne-Folgen des Revivals wiederholt wurden, geht es regulär mit der Episode No Country for Old Women weiter. Bei der alten Dame, die in dieser Coen-Brüder-Referenz kein Land finden kann, handelt es sich um Beverly (Estelle Parsons), die zuletzt ihren Platz im Wohnheim verloren hat. Weder Roseanne (Roseanne Barr) noch Jackie (Laurie Metcalf) sind sonderlich scharf darauf, ihre kritische, passiv-aggressive Mutter bei sich aufzunehmen, aber irgendjemand muss es tun und so geht der undankbare Job zunächst an Jackie. Schon früher litt sie am meisten unter der Schikane ihrer Frau Mama und so kommt es vorhersehbarerweise zum großen Krach, den Jackie auch mit ihren neuen Fähigkeiten als Lebensberaterin nicht verhindern kann.
Bei einem Pokerspiel im Haus der Conners gibt es in dieser Episode ein erfreuliches Wiedersehen mit zwei weiteren Serienfiguren aus den damaligen Staffeln: Roseannes bester Freundin Crystal (Natalie West), die in den frühen Folgen zum Hauptcast gehörte und später Dans Vater Ed (Ned Beatty) heiratete, und Nancy (Sandra Bernhard), die anfangs mit dem schmierigen Schürzenjäger Arnie (Tom Arnold) zusammen war und sich später als lesbisch outete. Crystal arbeitete mit den Conner-Schwestern in der Wellman-Plastikfabrik, während Nancy später zum Restaurant von Roseanne, Jackie und Beverly gehörte. Über Crystals aktuelle Situation erfahren wir nichts, da sie mancherorts aber nicht mehr als Crystal Anderson-Conner, sondern nur noch als Crystal Anderson geführt wird, darf man sich fragen, ob sie noch immer mit Ed zusammen ist.
Die sekundäre Handlung der Folge dreht sich um Dan (John Goodman), der nach wie vor als Trockenwandmaurer tätig ist und nebenbei handwerkliche Arbeiten für die Nachbarn übernimmt. So spannt er Enkelsohn Mark (Ames McNamara) ein, als es darum geht, ein Vogelhaus für einen Nachbarn anzufertigen. Mark erweist sich als handwerklich begabt, verleiht dem Projekt jedoch seinen eigenen kunterbunt-glitzernden Touch, was zu einem sehr künstlichen Konflikt zwischen Dan und Darlene (Sara Gilbert) führt, die der Meinung ist, der Großvater sollte seinen Enkel für die kreative Arbeit loben. Mark fertigt schließlich ein weiteres Vogelhaus an und nimmt mit, sich seine Schlachtfelder für mehr Glitzer besser auszusuchen. Ein sehr gewolltes Drama, das weder besonders natürlich geschrieben noch gespielt wurde, aber wenigstens wurde Dan endlich wieder stärker involviert.

Becky (Lecy Goranson) bereut unterdessen schnell, ihre Großmutter aus zunächst nicht ganz uneigennützigen Gründen bei sich aufgenommen zu haben, als diese ihr Apartment zu einem Liebesnest für sich und ihren neuen Freund Lou macht. Der klapprige Greis wird von Gaststar Christopher Lloyd dargestellt und taucht hoffentlich nicht zum letzten Mal auf. Zum einen, weil er in dieser Episode größtenteils für bedauerliche Alte-Leute-Witze herhalten muss und zum anderen, weil er mit Mutter Beverly ein garstiges Gespann abgeben würde, das den manchmal herzlos wirkenden Töchtern gut Kontra geben könnte.
Das ständige Hin- und Hergeschiebe geht natürlich nicht spurlos an Beverly vorbei und so kommt es, als sie im Begriff ist, dramatisch so zu tun, als würde sie aus dem Fenster springen, zur Aussprache zwischen Jackie und ihr. Die zwei werden vermutlich nie eine gesunde Beziehung miteinander haben, aber sie geloben, daran zu arbeiten, sobald Bev wieder bei Jackie einzieht. Als ihre Mutter sie fragt, warum sie nicht wollte, dass sie springt, sagt sie dank Drehbuchautor und Produzent Dave Caplan: „Because my life would be better without you. But it would be so much better if it was better with you.“ (Weil mein Leben ohne dich besser wäre. Aber es wäre so viel besser, wenn es mit dir besser wäre.) Dieses gelungene Life-Coaching macht dann doch einige der nicht ganz landenden Gags wieder gut und eröffnet die Möglichkeit, dass sich eine Hälfte von „Roseanne“ soeben in eine Mischung aus „The Odd Couple“ und The Golden Girls verwandelt hat.
Fazit
No Country for Old Women ist nicht halb so politisch, wie einige es sich vielleicht ausgemalt hatten, nachdem Roseanne in den neuen Folgen bereits als „selfish old woman“ bezeichnet worden war und sich bekannterweise zum rote Mütze tragenden Lager ihres Landes zählt. Für Fans der alten Serie sind diese Zankepisoden zwischen Jackie und Beverly absolut nichts Neues, es wurde aber auf erfrischende Weise mit dem Konflikt umgegangen und dass Estelle Parsons überhaupt noch mit 90 Jahren für dermaßen dramatische Szenen vor der Kamera steht, ist schlichtweg beeindruckend. Weder der halbherzige B-Plot noch der Humor dieser Folge können da mithalten.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 2. Mai 2018Roseanne 10x06 Trailer
(Roseanne 10x06)
Schauspieler in der Episode Roseanne 10x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?