
Rogue tritt an als düsteres Cop-Drama um eine Undercover-Polizistin, die alles daran setzt, den Mord an ihrem Sohn aufzuklären.
Was geschieht
Als wir Grace Travis (Thandie Newton, Emergency Room) kennenlernen, ist die Welt noch in Ordnung, zumindest eben so, wie die Welt einer Undercover-Polizistin im Oakland-Gangmilieu in Ordnung sein kann. Sie fädelt Deals ein, sieht gefangene Mädchen in Käfigen und muss vor ihren Kollegen flüchten. Doch dann geschieht das Unfassbare: Ihr kleiner Sohn wird aus einem Auto heraus erschossen. Grace wird in die Zwangspause geschickt. Doch die Ermittlungen ihrer Kollegen kommen für sie zu langsam voran und so macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Mörder ihres Sohnes. Dafür kehrt sie gegen den Willen ihrer Vorgesetzten zurück in ihre Undercover-Identität. Mit ihrem Kreuzzug auf eigene Faust macht sie sich innerhalb der Polizei nicht gerade beliebt. Auch ihr Mann und ihre Tochter sind nicht davon begeistert, wie wenig Zeit Grace für ihre eigene Familie findet.
Aber schnell findet sie eine Verbindung zwischen dem Mord und dem Gangsterboss Jimmy Laszlo (Marton Csokas, Xena: Warrior Princess), der schon länger im Mittelpunkt ihrer Undercover-Arbeit steht. Mit der Rückkehr an seine Seite bringt Grace sich selbst in Gefahr. Doch der Wille, den Mörder ihres Sohnes zu finden, ist stärker.
Was wirklich geschieht
Rogue ist eine dieser Serien, der man ansieht, was sie sein will, oft versteht, was sie darstellen will, und fast jedes Mal wieder enttäuscht feststellen muss, dass sie nicht schafft, was sie sich vorgenommen hat. In der gesamten Pilotepisode findet sich kein Dialog, der sich auch nur ansatzweise natürlich anhört. Stattdessen gibt jede Figur sich die größte Mühe, wie die Karikatur einer 90er-Jahre-Cop-Serie zu klingen. Die Klischees, aus denen die Serienmacher ihre Sicht auf die Polizeiarbeit und das Gangstersein zusammenschustern, nerven schon nach wenigen Minuten. Noch dazu geben die Autoren sich wenig Mühe, die Verhältnisse glaubhaft darzustellen. Kaum etwas wird logisch erklärt. Und leider ist nichts originell.
Wenn der Plot noch hapert, ist es oft hilfreich, dass der Zuschauer sich an den Figuren und deren Charakteren festklammern kann. Doch auch hier ist in der Serie Rogue kaum etwas zu holen. Thandie Newton wirkt als Badass-Undercover-Polizistin ebenso unglaubwürdig wie als besorgte Mutter. Das könnte vor allem daran liegen, dass die Serie Rogue an Zwischentönen spart. Jeder Charakter, insbesondere Grace, ist ein Stückchen zu cool, zu lässig, zu abgebrüht. Und mit den unnatürlichen Dialogen ist es kaum möglich, das glaubhaft rüberzubringen.
Spannung kommt ebenfalls nur schwerlich auf, schließlich kann sich die Serie zumindest in der Pilotepisode nicht aus dem vorhersehbaren Polizistin-will-Kind-rächen-Plot befreien. Die Momente, in denen es scheint, dass Ganganführer Jimmy die doppelte Identität seiner Komplizin entdeckt hat, sind weniger spannend. Vielmehr wecken sie Hoffnung, dass er das Elend zu einem schnellen Ende bringen könnte.
Fazit
Bisher bietet die Serie Rogue nicht viel, was sie zu einem vielversprechenden Neustart macht. Der Plot ist vorhersehbar, die Darstellung des Milieus klischeehaft, die Figuren fast karikativ - leider nicht im positiven Sinne.
Exemplarisch ist die private Seite der Verbindung zwischen Gangsterboss und Undercover-Agentin. Man erwartet schon, dass es eine sexuelle Verbindung zwischen den beiden gibt, schließlich muss die Beziehung auf irgendein weiteres Level getragen werden. Doch echte Chemie zwischen den beiden Figuren ist nicht vorhanden, also begnügt man sich mit billigen Anspielungen bis Grace und Jimmy schließlich die Gelegenheit bekommen, in einem Partybadezimmer rumzumachen. Die ganze Pilotepisode scheint unter dem Motto zu stehen: Man weiß, was die Serienmacher sagen wollen, und dennoch funktioniert es irgendwie nicht.