Die Sky-Eigenproduktion Riviera möchte nur zu gern ein stylischer Thriller vor herrlicher Kulisse sein, vergisst dabei aber das Wesentliche, um sein Publikum zu fesseln. Träger Erzählfluss ohne viel Spannung, uninteressante Charaktere und trockene Schauspielleistungen sprechen gegen die Serie.

„Riviera“ / (c) Sky
„Riviera“ / (c) Sky
© ??Riviera“ / (c) Sky

Seit dem heutigen Freitag steht uns mit der zehnteiligen ersten Staffel der Thrillerserie Riviera eine neue Sky-Eigenproduktion ins Haus, für die sich im Vorfeld einige interessante Namen vor und hinter Kamera haben verpflichten lassen. Das Projekt stammt aus der Feder von The Borgias-Schöpfer Neil Jordan und seinem Kollegen John Banville, während für die Pilotepisode der deutsche Regisseur Philipp Kadelbach an Land gezogen wurde, welcher sich wiederum zuletzt bei dem britischen Historiendrama SS-GB auszeichnen konnte, wo er sämtliche Episoden der ersten Staffel inszenierte.

Als Hauptdarstellerin und vermeintlicher Star des Serienneustars „Riviera“ ist derweil Julia Stiles mit dabei, die die meisten Serienfans wahrscheinlich aus der fünften Staffel von Dexter und diversen Spielfilmen kennen. Und auch die Nebendarstellerriege ist nicht ohne, übernehmen doch zum Beispiel Iwan Rheon (Misfits, Game of Thrones), Adrian Lester (Hustle, London Spy), Amr Waked (Marco Polo), Lena Olin (Vinyl) oder auch Monica Bellucci (Mozart in the Jungle), wenn auch noch nicht in der Pilotepisode, Rollen in dem Format.

Wild West

Trotz all dieser sehr ordentlichen Voraussetzungen bleibt „Riviera“ jedoch nach seiner Auftaktfolge weit hinter den Erwartungen zurück. Man möchte fast meinen, dass die Macher nach einer Ausrede gesucht haben, um im schicken Monaco und Umgebung drehen zu dürfen, weshalb man fix eine äußerst öde Geschichte zusammengezimmert hat, in der vor allem Wert auf Style als auf Substanz gelegt wird. Die gut 45 Minuten lange Pilotfolge zieht sich bisweilen hin wie ein zäher Kaugummi, während man vergeblich versucht, eine Verbindung zu den verschiedenen Charakteren, allen voran der von Julia Stiles gespielten Hauptfigur, aufzubauen. Die funkelnde Welt der Schönen und Reichen an der französischen Côte d'Azur könnte langweiliger aber nicht sein, so sehr auch versucht wird, dem augenscheinlichen Paradies Ecken und Kanten sowie ein paar dunkle Geheimnisse und Mysterien zu geben.

Secrets and lies

Riviera“ erzählt die Geschichte von Georgina Clios (Stiles), die die Frau eines reichen Kunstsammlers ist und für diesen kostbare Gemälde und dergleichen aus allen Herren Länder erwirbt. Als ihr millionenschwerer Gatte bei einer Feierlichkeit auf einer Yacht in der Bucht von Monaco ums Leben kommt, da das Boot aus ungeklärten Gründen einfach so in die Luft fliegt, steht Georgina vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur, dass sie sich nun noch mehr als zuvor mit der garstigen Ex-Frau ihres dahingeschiedenen Ehemannes rumärgern muss. Dieser ging anscheinend auch noch einer Affäre mit einer jüngeren Frau nach und ist in dubiosen Machenschaften verwickelt gewesen, die ihm eventuell das Leben gekostet haben.

Georgina stellt sich also nicht nur ihrer riesigen Trauer und versucht die Familie Clios, die sicherlich die eine oder andere Leiche im Keller hat, in den Griff zu kriegen. Sie möchte auch in Erfahrung bringen, was wirklich mit ihrem Mann passiert ist. Dabei gerät sie jedoch schon bald selbst ins Visier finsteren Gestalten, mit denen nicht zu spaßen ist...

Sky
Sky - © Sky

Empty handed

Zwar steht bei Riviera „Thriller“ drauf, großartig viel Spannung und Aufregung sollte man jedoch nicht erwarten. Das ist zwangsläufig ja auch nicht wirklich nötig, kann man einen Thriller doch auch sehr ruhig und dennoch packend erzählen. Doch selbst das ist in der ersten Folge der Sky-Produktion nicht gegeben. Vielmehr dümpelt die Erzählung die meiste Zeit vor sich hin und vermag es nicht, mich nur im Ansatz zu fesseln, geschweige denn mein Interesse zu wecken. Außer langatmige Kamerafahrten und „coolen“ Establishing Shots der verschiedenen Drehorte, um zu zeigen, was ein internationales Flair doch „Riviera“ umgibt, fällt das Format vor allem dadurch auf, dass es hier einfach nichts Auffälliges gibt.

Die Machart mag zwar solide sein, ist aber dennoch schrecklich generisch und uninspiriert. Die luxuriöse Welt, in der die Handlung stattfindet, ist erschreckend uninteressant und bieder. Es muss ja nicht gleich in einen Exzess ausarten, doch ein paar Farbkleckse würden „Riviera“ verdammt gut tun, habe ich bei der Sichtung der ersten Episode doch stark mit mir zu kämpfen, aufgrund der Leblosigkeit der Serie nicht ins Reich der Träume wegzudösen. Die undynamische, starre Inszenierung ist dafür mindestens genau so verantwortlich wie die Prämisse des Dramas, die wenig innovativ und zusätzlich doch recht altbacken ist.

Malfunction

Unter all dem Glamour, prächtigen Nobelschlitten, dekadenten Lifestyle und fabelhaften Anwesen versteckt sich natürlich ein Haufen Dreck und Geheimnisse, die nun von unserer Hauptfigur freigelegt werden. Dies ist jedoch dermaßen trocken verpackt, dass ich mir zwischenzeitlich immer wieder einen Aha-Moment herbeisehne, der etwas Leben in die Bude bringt. Irgendeine Art Aufregung, vielleicht einfach nur eine einnehmende, energische Darbietung von einem Mitglied der Besetzung. Fehlanzeige. Während Georgina einen furchtbar naiven Eindruck macht, verfolgen die Serienmacher in der Pilotepisode vorwiegend das Ziel, so wenig wie möglich über die unterschiedlichen Charaktere preiszugeben. Und wenn überhaupt, dann muss alles einen Hauch von Mysterium und Ambivalenz haben, weil es sich ja um einen Thriller handelt.

Trust issues

Man merkt „Riviera“ förmlich an, dass die Serie auf Biegen und Brechen eine spannende, sexy Genreserie sein möchte. Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Wenn ich als Zuschauer mit keinem einzigen der Charaktere mitfiebern kann, wenn diese ungenügend oder teilweise gar nicht etabliert werden, dann empfinde ich auch nichts für diese und die Erzählung. Was bringt es mir, wenn man uns eine völlig aufgelöste Julia Stiles zeigt, die um ihren Gatten trauert, wenn ich keinerlei Verständnis davon haben, was die Beziehung zwischen Georgina und ihrem Mann überhaupt so besonders gemacht hat? Es ist fast schon frustrierend, wie unglaublich egal die Ereignisse in „Riviera“ sind, weil man keine Verbindung zu den Figuren und dem Drama aufbauen kann. Und was soll dieser sinnfreie, leere Cliffhanger am Ende der ersten Folge, mit dem wir rein gar nichts anfangen können?

Wer sich an dem sonnigen Monaco nicht satt sehen kann (die unzähligen Kamerafahrten über und durch das Fürstentum sowie die gesamte Küstenregion drumherum scheinen das stärkste Gimmick der Serie zu sein, öden aber ebenfalls recht schnell an), der entfleucht eventuell gerne in die Welt von Riviera. Die Auftaktepisode bietet insgesamt aber leider viel zu wenig an - ob nun hinsichtlich der Charaktere, Prämisse oder Inszenierung -, um mich davon zu überzeugen, erneut einzuschalten. Dieser vermeintliche Thriller hat weder richtig Biss noch ist der Blick hinter die schillernde Fassade der Schönen und Reichen wirklich interessant. Vielmehr dominiert die Langeweile.

Trailer zu „Riviera“:

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