Riverdale 2x01

Riverdale 2x01

Willkommen zurück im kleinstädtischen Sündenpfuhl Riverdale, in dem Mord, Totschlag und heiße Teenageremotionen keine Grenzen kennen! Der unterhaltsame Auftakt der zweiten Staffel geht schon fast als ein Best of Riverdale durch und hat an sich alles zu bieten, was man mit der Serie verbindet.

Archie (K. J. Apa) in der „Riverdale“-Episode „A Kiss Before Dying“ / (c) The CW
Archie (K. J. Apa) in der „Riverdale“-Episode „A Kiss Before Dying“ / (c) The CW
© rchie (K. J. Apa) in der „Riverdale“-Episode „A Kiss Before Dying“ / (c) The CW

Ich muss ein Geständnis ablegen. Als ich im Protokoll zur dieswöchigen Redaktionskonferenz in den heiligen Hallen von SERIENJUNKIES.DE® lesen musste, dass sich unsere Content-Chefin Lenka ein Review zur ersten Folge der neuen, zweiten Staffel von Riverdale wünscht (schauen wir mal, ob es darüber hinaus weitergehen wird...), kam doch ein klein wenig Vorfreude in mir auf. Vor einiger Zeit hatte ich bereits versucht, welch seltsame Faszination des Teendrama von The CW auf mich ausübt. Bis heute weiß ich immer noch nicht wirklich, was mich zu dieser Serie hinzieht, aber irgendeine Abspaltung meines Daseins als Serienjunkie hat sich auf den heutigen Tag gefreut, an dem Chapter Fourteen: A Kiss Before Dying die wöchentliche Ausstrahlung neuer Episoden von „Riverdale“ auf Netflix einläutet.

Und der Staffelauftakt verschwendet keine Sekunde, um nicht nur genau da weiterzumachen, wo die erste Staffel der Comicadaption von Showrunner Roberto Aguirre-Sacasa aufgehört hat. Es dauert auch nicht lange, da präsentiert sich „Riverdale“ im gewohnten Gewand, voller schauriger Intrigen, schmissiger Aufnahmen im schicken Retro-Flair, peppiger Montagen zu poppiger Musik und soapiger Dialogszenen. Und es funktioniert. Woran das liegt? Nach einer kleinen Findungsphase in der ersten Staffel wissen die Macher um Aguirre-Sacasa nun einfach, welche Serie „Riverdale“ ist. Sie sind sich dem überinszenierten und stylischen Charakter ihres Formates absolut bewusst - und spielen diesen mit reichlich Selbstvertrauen, fester Überzeugung und großem Spaß an der Freude aus.

Haunted town

Riverdale“ hat seine Stärken in der ersten Staffel aus verschiedenen Aspekten gezogen: die Freundesclique um Hauptfigur Archie Andrews (K. J. Apa), mit all ihren verschiedenen Charakteren und Facetten, der lebhafte Mikrokosmos an Bewohnern, Beziehungen und Kleinstadtdramen, die der Ort Riverdale mit sich bringt oder aber einfach nur das solide „Murder Mystery“ um den Tod von Jason Blossom, mit dem der ganze Schlamassel erst seinen Anfang gefunden hatte. „A Kiss Before Dying“ bedient sich all dieser Elemente und stößt dadurch erfolgreich in ein uns Zuschauern sehr vertrautes Horn, weshalb man sich erneut sehr gut in dieser speziellen Welt wiederfindet - und in weiten Teilen auch sofort gepackt wird.

Outracing death

Dabei geht es vor allem erst einmal sehr dramatisch zu, denn nachdem Fred Andrews (Luke Perry) von einem unbekannten Räuber angeschossen wurde, bangt unser Held Archie gemeinsam mit seinen Freunden um das Leben seines Vaters. Dieser sieht wiederum während seines Todeskampfes zur gleichen Zeit das potentiell ereignisreiche Leben seines Sprösslings an sich vorüberziehen. Hand aufs Herz, in diesen Szenen trägt man schrecklich dick auf (mein persönlicher Höhepunkt: die Hochzeit zwischen Archie und Veronica im schottischen Stil), aber Subtilität hatte sich die Serie bekanntermaßen nie wirklich auf die Fahnen geschrieben. Ganz oder gar nicht lautet das Motto und tatsächlich kann man den emotionalen Darbietungen des Cast, allen voran der von K. J. Apa, etwas abgewinnen.

Während man uns zeigen will, wie sehr Archie doch an seinem Vater hängt und wie extrem ihn die aktuelle Situation mitnimmt, wird eifrig an einem neuen Mysterium gewerkelt, das als Treibstoff für die kommenden Episoden fungieren wird: Wer hat Fred Andrews angeschossen? War es ein schnöder Krimineller? Oder ein frustriertes Mitglied der „Serpent“-Bikergang, in deren Dunstkreis Jughead (Cole Sprouse) immer mehr abzudriften droht, zur großen Besorgnis von Betty (Lili Reinhart)? Oder steckt gar jemand ganz anderes hinter dieser feigen Attacke? Jemand, der Fred auf dem Kieker hat und ihn ein für alle Mal abservieren wollte?

The CW
The CW - © The CW

Abandon all hope, ye who enter here

Gekonnt werden einige Hinweise gestreut, die sofort zum Miträtseln einladen. Außerdem merkt man Regisseur Rob Seidenglanz an, wie viel Spaß er daran hat, das neue Mysterium zu befeuern. Man schaue sich zum Beispiel nur die Inszenierung von Veronicas Eltern am Ende der Episode an. Hermione Lodge (Marisol Nichols) und ihr Ehemann Hiram (Neuzugang Mark Consuelos), der aus dem Gefängnis entlassen wurde und seine stilsichere Rückkehr nach Riverdale feiert, werden in einem dermaßen finsteren Licht gezeichnet, dass man diesem „Power Couple“ wirklich alles zutraut. Selbst ein Attentat auf Fred. Und Veronica steht zwischen den Fronten, zwischen ihrer Familie und ihrem Freund Archie, der inzwischen mit der Baseballkeule seinen Wachposten einnimmt, um Papa Fred zu beschützen, wer auch immer es auf ihn abgesehen hat.

All dies ist mal wieder unglaublich übertrieben, aber, verdammt, es ist auch unglaublich unterhaltsam! Die kleine Schnitzeljagd von Betty und Jughead bietet zusätzlich einen guten Einblick in die aktuelle Gefühlswelt der beiden und vor welchen schwierigen Herausforderungen ihre Beziehung steht. Insgesamt gesehen kommt dieser Aspekt aber etwas kurz, wahrscheinlich, weil man gleichzeitig an der Beziehung zwischen Archie und Veronica schraubt, die in der Tat ausbaufähig ist. Veronica möchte für Archie in dieser schwierigen Situation da sein, weiß aber nicht, ob sie das auch kann. Eigentlich finde ich den Ansatz, den man hier wählt, nicht verkehrt. Bis die Serie mal wieder übers Ziel hinausschießt.

Fits like a glove

Denn auch das ist „Riverdale“: In einer Szene setzen wir uns noch mit den Ängsten von Archie auseinander, den Sorgen um seinen Vater, die Furcht davor, dass dieser eventuell sterben könnte... und dann hüpft Veronica plötzlich zu Archie ins Badezimmer, wo sich die beiden im Rahmen einer feuchtfröhlichen Duschszene einander völlig hingeben. Okay, so kann man dunkle Gedanken sicherlich auch überwinden. Der tonale Bruch ist für mein Empfinden jedoch (zu) extrem, ehrlich gesagt aber nicht wirklich verwunderlich in dieser Serie. Manchmal will man dann vielleicht doch etwas viel auf einmal, wodurch es ein wenig eigenartig werden kann. Sei es in solchen konkreten Szenen oder einfach nur, wenn man den Regler für großes Drama bis zum Anschlag hochdreht.

So, you wanna start a war?

Siehe zum Beispiel der kleine Nebenplot um Cheryl (Madelaine Petsch muss einfach eine Klausel in ihrem Vertrag haben, die ihr mindestens eine Slow-Motion-Aufnahme pro Episode garantiert), der in all dem Trubel um Archie und seinen Vater etwas reingequetscht wirkt. Witzig ist es aber allemal, wie die stadtbekannte Schuldiva ihrer eigenen, von den Flammen entstellten Mutter die Leviten liest und sich zur neuen Matriarchin der Blossom-Familie aufschwingt. In Szenen wie diesen gestaltet sich die Serie wie eine klassische Seifenoper, es fehlt eigentlich nur noch, dass die Musik eine hochdramatische Wendung nimmt und wir die kollektive Schnappatmung eines schockierten Live-Publikums im Hintergrund hören.

Dieses würde wahrscheinlich beim abschließenden Bild der Episode Chapter 14: A Kiss Before Dying vollends kollabieren, sehen wir doch, wie Freds Angreifer erneut zuschlägt. Sein Opfer: die Musiklehrerin Miss Grundy (Sarah Habel), die etwas ungelenk aus der ersten Staffel rausgeschrieben worden war. Sie hat mittlerweile einen neuen „Archie“ gefunden (wahrscheinlich der Quarterback-Star der Greendale Highschool...) und wird nun brutal vom grünäugigen Maskenmann dahingerafft. Mal ganz davon abgesehen, dass der Charakter Miss Grundy nach wie vor problematisch ist (sie verführt immerhin minderjährige Teenager und die Show hat anscheinend kein Problem damit), wirkt dieser Schockmoment doch sehr inszeniert und plump. Die Frage bleibt natürlich, wie der Angriff auf Fred mit dem Mord von Grundy zusammenhängen könnte. Oder ist all dies rein willkürlich? Abwarten und Burger essen.

Freut Ihr Euch über die Rückkehr von „Riverdale“? Wie hat Euch der Auftakt gefallen?

Trailer zur zweiten Staffel von „Riverdale“:

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 12. Oktober 2017

Riverdale 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Riverdale 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Kuß vor dem Tode
Titel der Episode im Original
Chapter Fourteen: A Kiss Before Dying
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Oktober 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Oktober 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 12. Oktober 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 12. Oktober 2017
Autor
Roberto Aguirre-Sacasa
Regisseur
Rob Seidenglanz

Schauspieler in der Episode Riverdale 2x01

Darsteller
Rolle
K. J. Apa
Lili Reinhart
Camila Mendes
Ashleigh Murray
Mark Consuelos
Casey Cott
Charles Melton

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