Riverdale 1x13

Riverdale 1x13

Serienjunkies.de-Autor Felix mag Riverdale. Aber irgendwie auch nicht. Er weiß selbst nicht, was er nach der ersten Staffel von der Teenie-Mystery halten soll und warum er 13 Wochen lang die Geschichten von Archie Andrews und seinen Freunden verfolgt hat. Ein Erklärungsversuch.

„Riverdale“ / (c) The CW
„Riverdale“ / (c) The CW
© ??Riverdale“ / (c) The CW

Ich bin kein Fan von „Guilty Pleasure-Serien“. Generell kann ich mit dem neumodischen Begriff „Guilty Pleasure“ nicht sehr viel anfangen. Vielleicht gehe ich einfach zu rational und ergebnisorientiert an dieses Konzept und das Schauen von TV-Produktionen heran. Es will einfach nicht in meinen Kopf herein, warum ich meine Freizeit opfern und mir etwas ansehen sollte, was einfach nicht gut ist, mir auf zauberhafte Weise aber dennoch ein wohliges Gefühl der Freude bereitet.

Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, sich prächtig unterhalten zu lassen, allen voran in der Welt des Fernsehens. Warum sich also durch ein offensichtlich mieses Format quälen, um aus seiner Aufregung über dieses eine Form der Befriedigung zu ziehen? Um einfach mal abzuschalten und beim Serienschauen nicht viel nachdenken zu müssen, werden jetzt einige sagen. Das kann ich aber einfach nicht. Ich bin nicht in der Lage, beim Konsumieren von Filmen oder Serien mein „Hirn auszuschalten“ und nicht über das nachzudenken, was ich mir gerade anschaue.

Ein sehr prominentes Beispiel der letzten Wochen im Bereich „Guilty Pleasure-Serie“ ist The CWs Riverdale, hierzulande über Netflix abrufbar, das gerade erst seine erste 13-teilige Staffel hinter sich gebracht hat. Als jemand, der kein „Guilty Pleasure“ pflegt, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Serienadaption der Archie Comics für viele TV-Fans die genau diesen Anspruch erfüllt. Eine ausladende Murder-Mystery, ein extravaganter Style, überzeichnete Charaktere, wirre Wendungen und dramatische Enthüllungen - „Riverdale“ ist wie eine knallbunte Seifenoper, bei der man gelegentlich ob all dem gekünstelten Drama vor Fremdscham im Boden versinken möchte, während man sich doch irgendwie zu den Figuren und ihren für Highschool-Schüler außergewöhnlichen Leben hingezogen fühlt.

Ich möchte die Zuschauer der Serie aber keinesfalls über einen Kamm scheren. So, wie viele „Riverdale“ als heimliches Vergnügen genießen, gibt es mit Sicherheit auch nicht wenige, die einfach sehr viel für diese überdramatische, aber kurzweilige und durchaus ansehnlich gemachte Geschichte übrig haben. Die, die sich jede Woche auf ein neues kleines Abenteuer in der neongrellen Kleinstadt freuen und die vielseitigen Charaktere in ihre Herzen geschlossen haben. Ebenso lassen sich mit Sicherheit auch genügend Anhänger des für mich noch weniger verständlichen „Hate-watching“ finden, die „Riverdale“ nur schauen, um sich darüber die Mäuler zu zerreißen.

Ich persönlich bin eine Woche nach dem Finale der ersten Staffel von „Riverdale“ (eine zweite wurde übrigens längst bestellt) immer noch nicht wirklich in der Lage dazu, richtig Stellung zu der Serie zu beziehen. Manchmal ruft die poppige Inszenierung der Erzählung eine unerklärliche Freude in mir hervor, manchmal ist es schlichtweg ein Fest, den jugendlichen Protagonisten beim Meistern ihrer erwachsenen Probleme beizuwohnen. Dann wiederum überschlägt sich die Serie mit schockierenden Ereignissen, die derartig dick aufgetragen werden, dass ich nicht mehr aus dem Kopfschütteln herauskomme. Es ist ein permanentes Hin und Her, was ich mir nur schwer erklären kann.

The CW
The CW - © The CW

Nach der Pilotepisode Chapter One: The River's Edge machte sich zunächst etwas Skepsis bei mir breit. Scherzhaft als „Teen Peaks“ betituliert fühlte sich das erste Kapitel der Serie von Roberto Aguirre-Sacasa wie eine farbenprächtige Collage aus David Lynchs Twin Peaks (ohne übernatürlichen Firlefanz, versteht sich), beliebigen TV-Kleinstadtdramen sowie Coming-of-Age-Geschichten im Schulkontext à la „Breakfast Club“ oder Friday Night Lights an. Es wirkte fast so, als ob es Aguirre-Sacasa, sein Autoren- sowie Regieteam und der Cast es ganz bewusst auf Übertreibung und Überdramatisierung angelegt hätten.

„Larger-Than-Life“-Charaktere, die sich selbst so unglaublich wichtig nehmen und dabei zu Karikaturen ihrer selbst werden, gehören hier zum Programm. Wirklich alles ist in „Riverdale“ hochgeschraubt, ob es jetzt der visuelle Stil, die Art der Inszenierung oder aber die Figuren sind. Und möglicherweise liegt hier eine Antwort auf die Frage verborgen, warum man, und in diesem speziellen Fall ich mich trotz all dem überkandidelten Gewese nicht frühzeitig von der Serie verabschiedet habe. Vielleicht ist es eben der einzigartige Charme diese unrealistischen Kaugummi-Welt, die sich mehr an ihrer Comicvorlage orientiert, als es viele anfangs gedacht hätten und dadurch erst so unbeschreiblich comicesk wird.

Riverdale“ ist in seiner ersten Staffel für mich Woche für Woche wie ein kleiner Ausflug in ein wunderbar realitätsfernes Städtchen gewesen, deren Einwohner mich sowohl begeistern als auch frustrieren. Während ich mit der taffen Betty Cooper (Lili Reinhart) mitfiebere, dass sie endlich die dunklen Geheimnisse ihrer Familie lüftet, verfluche ich die Serie für das altbackene, komplett unnötige narrative Mittel, Möchtergernautor Jughead (Cole Sprouse) als allwissenden Erzähler einzusetzen. Während sich zeigt, dass Strahlemann Archie Andrews (K. J. Apa) mehr als nur ein gut aussehender Sportlertyp ist, kann ich es irgendwann nicht mehr mit ansehen, wie Cheryl Blossom (Madelaine Petsch) zum aberzigsten Mal in einer noch so coolen Zeitlupe durch die Szenerie streift. Ernsthaft, es scheint in ihrem Vertrag verankert zu sein, pro Episode mindestens eine Slow-Motion-Aufnahme zu bekommen.

Ich finde mich in einem bizarren Verhältnis mit dieser Serie wieder, die neben dem zentralen unaufgeklärten Mordfall um Jason Blossom natürlich auch Kleinstadtkorruption, dubiose Drogendeals einer kernigen Bikergang, spontane Affären unter alten Bekannten, verschachtelte Familiendramen und obendrein auch noch einen Inszestskandal sowie viele weitere düstere Geheimnisse zu bieten hat. Die Macher machen vor keiner noch so geläufigen Fernsehtrope halt und weben neben diversen Cliffhangern etliche schockierende Überraschungen.

Nebenbei werden minderjährige Teenager - nichts anderes sind unsere zur Highschool gehenden Protagonisten - zu Sexsymbolen hochstilisiert, die in ihren jungen Jahren nicht nur Mordfälle aufklären und die kollektive Seele ihrer Heimatstadt retten wollen, sondern auch bereits die Liebe ihres Lebens gefunden haben und so viel schlauer als ihre erwachsenen, lebenserfahrenen Mitmenschen sind. Zweifellos ein sehr prominentes Merkmal des Genres, in dem sich „Riverdale“ bewegt, absurd ist es aber dennoch, wenn man sich dies durch den Kopf gehen lässt. Und trotz alledem bleibe ich dran. Episode für Episode.

The CW
The CW - © The CW

Möglicherweise ist Riverdale aber auch einfach Eskapismus in absoluter Reinform. Zwar wird sich in der Serie mit gesellschaftlich relevanten Problemen wie zum Beispiel „Slut-shaming“ und dem schleichenden Verfall der amerikanischen Arbeiterklasse beschäftigt, doch so richtig ernst kann man die Auseinandersetzung mit derartigen, großen Themen eher selten nehmen, was erneut darauf zurückzuführen ist, dass „Riverdale“ nicht wirklich das beste Feingefühl und Gespür für Nuancen hat. Zwischen den Charakteren allemal, wobei die melodramatischen Dialoge gerne mal Überhand gewinnen und oftmals gerade noch so durch ein paar freche popkulturelle Referenzen aufgelockert werden können.

Der charmante Umgang mit Nerdkultur trägt letztlich aber zum hohen Unterhaltungswert bei, die einzelnen Episoden haben kaum Längen und gucken sich ratzfatz weg. Von all den Dingen, die die Macher in ihren Geschichten ansprechen, bleibt letzten Endes immer irgendetwas hängen, auch wenn es vielleicht „nur“ eine coole Performance von Camila Mendes als geheimer „MVP“ Veronica Lodge ist. Die gnadenlose Überzeichnung und Reizüberflutung sind Trumpf, gleichzeitig aber auch eine willkommende Abwechslung zu all den TV-Dramen, die bierernst und schrecklich öde sind. „Riverdale“ hat Spaß an seinen Stereotypen und vorhersehbaren Plotentwicklungen. Als wäre man eine Karikatur des eigenen Genres, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Roberto Aguirre-Sacasa dies im Sinn hatte.

Die Finalfolge Chapter Thirteen: The Sweet Hereafter ist mit Sicherheit nicht die beste Episode der ersten Staffel von „Riverdale“ gewesen, steht aber exemplarisch für das Format an sich. Im Zentrum steht wie so oft die unerschütterliche Freundschaft unserer Helden und Heldinnen, hinzu kommt eine gefühlvolle Musiknummer, große Reden, dramatische Enthüllungen und so viel Seifenoper-Schmalz zwischendrin, dass es einem beinahe kalt den Rücken runterläuft. Nach zwölf Folgen hat man sich jedoch irgendwie an diesen ganz normalen Wahnsinn gewöhnt. Natürlich ist man nicht überrascht, wenn in den letzten Sekunden noch ein großer Schockmoment um die Ecke kommt, der den Treibstoff für Staffel 2 liefern wird.

Das ist Riverdale. Schrecklich abseh- und berechenbar, aber gleichzeitig so herrlich „pulpy“ und selbstbewusst in dem, was man abliefert, dass ich teilweise gar nicht anders kann, als am Ball zu bleiben. Es ist kein „Guilty Pleasure“ für mich, weil ich mich eben alles andere als schuldig fühle, diese Serie in gewisser Weise zu genießen. Ich bin vielmehr fasziniert davon, wie sehr mich „Riverdale“ fasziniert und werde wahrscheinlich nie wirklich eine definitive Antwort darauf haben, warum dies so ist. Aber vielleicht braucht es das auch gar nicht. Vielleicht kann ich „Riverdale“ einfach schauen, ohne zu erklären, warum es mir gefällt oder eben nicht. Vielleicht mach dies diese eigenartige Serie so besonders.

Trailer zu „Riverdale:“

Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 21. Mai 2017

Riverdale 1x13 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 13
(Riverdale 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Das süße Jenseits
Titel der Episode im Original
Chapter Thirteen: The Sweet Hereafter
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 11. Mai 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Mai 2017
Autor
Roberto Aguirre-Sacasa
Regisseur
Lee Toland Krieger

Schauspieler in der Episode Riverdale 1x13

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