Ripley: Kritik zum Serienstart bei Netflix

Ripley: Kritik zum Serienstart bei Netflix

Netflix wagt mit der schwarzweißen Film-noir-Serie „Ripley“ eine klassisch angehauchte Neuinterpretation von „Der talentierte Mr. Ripley“. Statt Matt Damon, Jude Law und Gwyneth Paltrow spielen diesmal Andrew Scott, Johnny Flynn und Dakota Fanning die Hauptrollen.

Andrew Scott als Tom Ripley in der Miniserie „Ripley“
Andrew Scott als Tom Ripley in der Miniserie „Ripley“
© Netflix

Der Streamer Netflix wartet am heutigen Donnerstag, den 4. April 2024 mit der neuen Miniserie Ripley auf, die in insgesamt acht Folgen den Krimiklassiker „Der talentierte Mr. Ripley“ (1955) der US-Autorin Patricia Highsmith neu adaptiert. Es ist nun 25 Jahre her, dass der Regisseur Anthony Minghella die Geschichte mit den damaligen Shooting-Stars Matt Damon, Jude Law und Gwyneth Paltrow in die Kinos brachte. An die französische Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ (im Original: „Plein soleil“) von 1960 erinnern sich wohl nur noch die Wenigsten.

Wer aber den Namen „Ripley“ hört, denkt wahrscheinlich zunächst an die idyllischen Sommerlandschaften Italiens und an junge, schöne, reiche Menschen, die das süße Leben genießen. In diesem Lichte scheint die erste und auffälligste kreative Entscheidung vom neuen Serienmacher Steven Zaillian (The Night Of, „Schindlers Liste“), nämlich alles in Schwarzweiß zu drehen, wie ein Wagnis - eben, weil einem so die optischen Reize entgehen können. Doch richtig angewandt, bringt die Farblosigkeit ihre ganz eigene Eleganz.

Außerdem gelingt es Zaillian, der tatsächlich alle Episoden seiner „Ripley“-Serie eigenhändig geschrieben und inszeniert hat, die Ursprünge der Buchvorlage und den damaligen Stil des klassischen Hollywood-Krimis und des Hitchcock'schen Film-noir zu ehren. Und sein charismatischer Hauptdarsteller Andrew Scott (Sherlock, Fleabag, „All of Us Strangers“) trägt das Übrige dazu bei, um aus der ersten Episode, I Schwer zu finden, einen optimistisch stimmenden Auftakt zu kreieren. Wobei nach nur einer Folge natürlich auch noch viele Fragezeichen bleiben?

Wovon handelt die Netflix-Miniserie „Ripley“?

Wir lernen die Titelfigur Tom Ripley (Scott) zunächst in den 1960er Jahren in New York City kennen. Wir sehen, wie er sich seinen Lebensunterhalt mit zwielichtigen Machenschaften verdient, aber alles solo und nur im kleinen Rahmen. Er ist ein Einzelgänger, der weit unter seinem Potential geblieben ist. Sein Leben wirkt trostlos und trotz der kriminellen Facetten irgendwie auch langweilig. Zusammengenommen sind das die perfekten Startbedingungen für einen Job, der alles auf einen Schlag verändern kann...

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Dakota Fanning, Johnny Flynn und Andrew Scott in der Miniserie „Ripley“
Dakota Fanning, Johnny Flynn und Andrew Scott in der Miniserie „Ripley“ - © Netflix

Ein wohlhabender Mann will von Ripley, dass er nach Europa reist, um seinen verlorenen Sohn zurückzuholen, der dort als Möchtegern-Maler - oder zumindest als Lebenskünstler - seine Zeit und vor allem auch viel Geld verschwendet. Ripley lässt sich auf das Abenteuer ein und merkt schnell, dass seine New Yorker Straßenschläue in Neapel vollkommen nutzlos ist. Schon bei der ersten Taxifahrt vom Bahnhof wird er ausgenommen ein bedröppeltes Huhn und muss sich nun ganz auf seinen Charme verlassen, damit seine Zielperson Gefallen an ihm findet und ihn durchfüttert.

Dabei ist das erste Aufeinandertreffen mit dem schönen und selbstbewussten Dickie Greenleaf (Johnny Flynn, Lovesick) und dessen Begleitung Marge (Dakota Fanning, The Alienist) denkbar unangenehm. Am Strand spielt Ripley in viel zu körperbetonten Speedos eine Zufallsbegegnung vor. Schon wenige Minuten später verplappert er sich beinahe, als ihm eine Information von Dickies Vater rausrutscht. Das Gute: Sein Täuschungsopfer ist anfangs viel zu desinteressiert an ihm, um ihn zu durchschauen.

Aus der Grundprämisse zur Serie wissen wir bereits, was in den kommenden Folgen auf uns und Ripley zukommt: Je mehr Zeit er mit Dickie verbringt, desto faszinierter wird er von ihm sein. Stück für Stück wird er seinen Auftrag aus den Augen und sich selbst in diesem besonderen neuen Leben verlieren. Und jede Lüge, die er erzählen muss, um nicht aufzufliegen, bringt weitere Lügen mit sich...

Wie gut ist der Auftakt der Netflix-Miniserie „Ripley“?

Die neue Netflix-Miniserie „Ripley“ profitiert in der ersten Episode vor allem von ihrer Stimmung und ihrem Hauptdarsteller. Das Schwarzweiß funktioniert erstaunlich gut und verleiht dem Ganzen eine Ruhe, als würde man wirklich einen Film aus den 50ern oder 60ern sehen. Andrew Scott spielt die Unsicherheit der Figur auch sehr schön und sorgt sogar für ein paar lustige Momente, die den Einstieg erleichtern. Was die für die Geschichte so zentrale Chemie zwischen ihm und dem Dickie-Darsteller Flynn angeht, trauen wir uns nach nur einer Folge noch kein Urteil zu.

Grundsätzlich scheint es natürlich sehr mutig, sich mit Jude Law zu messen, der im Film von 1999 eine unvergessliche Darbietung hingelegt hat. Viele werden sich bei Netflix' „Ripley“ wohl auch an den Film „Saltburn“ mit Barry Keoghan und Jacob Elordi erinnert fühlen, der in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt und zur allgemeinen Eat-the-Rich-Stimmung passt, die seit ein paar Jahren in der Filmwelt herrscht. Der Neustart kommt genau zur rechten Zeit und hält im Lauf der Staffel hoffentlich, was er verspricht.

Für die erste Episode gibt es von uns vier von fünf Speedos!

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