Reprisal: The Tale of Harold Horpus - Review der Pilotepisode

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In der Hulu-Serie Reprisal trifft eine Rachestory à la „Kill Bill“ auf eine in Neonfarben getauchte Welt, die von Gangs regiert wird. Die Banished Brawlers, angeführt von Burt (Rory Cochrane), haben den südlichen Teil der USA fest im Griff und selbst ihre Rivalen, die Ghouls, wagen es nicht, ihnen entgegenzutreten. Katherine (Abigail Spencer), die Schwester von Burt, versucht, sich gegen seine brutale Herrschaft zu wehren und wird zur Strafe an ein Auto gekettet und über den Boden geschleift. Doch sie schafft es, zu überleben und schwört nun unter dem Namen Doris Quinn der gesamten Gang Rache.
Gegenwart und Vergangenheit
Die Welt, die „Reprisal“ aufbaut, erzeugt einen faszinierenden Sog, dem man sich kaum erwehren kann. Die Serie spielt in einer romantisierten, aber überstilisierten Version der amerikanischen 1950er Jahre und gleichzeitig in der Gegenwart: Autos, Fernseher, die Mode und Frisuren der Frauen scheinen wie aus der Zeit gefallen zu sein, Jukeboxen spielen Rock'n'Roll Songs und in Autokinos bringt die Bedienung das Essen auf Rollschuhen an die Autos der Besucher. Im Bang-a-Rang, die Bar und Stripclub der Banished Brawlers, tanzen die Stripperinnen in Pin-up-Outfits aus Korsetts und Strapsen. Doch „Reprisal“ zeigt keine historisch authentische Welt, sondern nutzt nur die Ästhetik dieser Zeit. Als am Ende der ersten Folge, The Tale of Harold Horpus, eine Figur ein Klapphandy aus seiner Tasche zieht, wird klar, dass sich die Serie einer zeitlichen Einordnung verweigert. Diese Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit wirft so viele Fragen auf, dass man unbedingt tiefer in das Universum eintauchen möchte. Ist die gesamte USA in den 1950ern stehen geblieben oder ist das nur die Welt der Brawlers?
Von Stripperinnen und Hausfrauen
Nicht nur stilistisch, sondern auch gesellschaftlich orientiert sich „Reprisal“ an der Vergangenheit, denn die Welt ist zutiefst patriarchalisch aufgebaut. Zumindest in der ersten Folge sind Frauen entweder Stripperinnen im Bang-a-Rang oder Hausfrauen. Doch die wichtigen weiblichen Figuren geben sich mit ihrer Stellung nicht zufrieden, sondern nutzen ihre begrenzten Möglichkeiten, um sich von den Zwängen zu befreien.

Da wäre natürlich zuallererst Doris, die fast ein Jahrzehnt die brave Ehefrau mimte, um für ihre Racheaktion genügend Geld zu sammeln. Nach außen hin wirkt Doris zart und zerbrechlich. Sie spricht mit einer sanften Stimme, die jeden Zuhörer in falscher Sicherheit wiegt. Doch, als sie von dem Gangster Big Graham (Ron Perlman) bedroht wird, zeigt sie nicht nur Selbstbewusstsein, sondern dominiert sogar bis zu einem gewissen Punkt die Szene. Doris ist eine Femme fatale, wie sie im Buche steht: klug, sexy, unerschrocken und Abigail Spencer erweckt sie mit ihrem ambivalenten Spiel zwischen unschuldiger Ehefrau und gefühlskalter Mörderin zum Leben.
Auf der anderen Seite ist Meredith (Madison Davenport), die Starstripperin im Bang-a-Rang, die weiß, dass sie durch ihre privilegierte Position praktisch unantastbar ist. Sie nutzt ihr erotisches Auftreten ganz gezielt, um verbotene Drogen zu verkaufen. Das dazuverdiente Geld möchte sie nutzen, um sich ein neues Leben aufzubauen.
Rot wie Blut
Rote Autoscheinwerfer treffen in „Reprisal“ auf grüne, blaue und violette Reklameschilder, die die Umgebung in kontrastreiche Neonfarben hüllen. Das alles erinnert stilistisch an Filme wie „Drive“ oder „Spring Breakers“. Doch genau wie diese Filme bilden die bunten Lichter nur eine Fassade, hinter der sich eine düstere und bedrückende Welt verbirgt. Trotz der überzogenen Ästhetik schafft es die Serie, die persönlichen Geschichten der Figuren eindringlich zu erzählen. So rot wie die Autoscheinwerfer ist auch das Blut, das vergossen wird. Zwar hält sich die erste Episode noch zurück, aber wenn es zu Gewalt kommt, dann ist sie brutal, roh und dreckig. Genau wie die gesamte Gang der Banished Brawlers, die als eigene Gesellschaft mit Regeln, Traditionen und Hierarchien inszeniert wird und so dazu beiträgt, dass „Reprisal“ mehr ist als eine generische Rachegeschichte.
Auf dem Papier mag die Serie wie eine einfache Neuzusammensetzung von bereits bekannten Versatzstücken wirken. Aber sie schafft es, in ihrer Kombination aus Retro-Ästhetik und vertrauter Handlung beeindruckend frisch zu wirken, auch wenn sicher nicht jedermann an dem eigenwilligen Stil Gefallen finden wird.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie Reprisal: