Reign 1x01

Das The CW-Drama Reign macht dem Klischee des Heimatsenders alle Ehre: Attraktive, überwiegend jugendliche Schauspieler soweit das Auge reicht, eine bewundernswerte Ignoranz gegenüber aller Logik und der echten Geschichte um Maria Stuart. Dafür ist es aber vollgestopft mit wunderbaren Kleidern, extravaganten Frisuren, schmachtenden Blicken und ein bisschen Sex. Selbst vor einem Liebesdreieck aus einer Brünetten und zwei Brüdern schrecken die Macher nicht zurück. Frei nach dem Motto: Was bei The Vampire Diaries so gut funktioniert, ist auch gut genug für die Königin von Schottland.
Die Story
Einen Fehler darf man nicht machen: Die Serie Reign hat nicht den Anspruch, die Geschichte der echten Königin von Schottland zu erzählen. Die historischen Ereignisse dienen den Serienmachern lediglich in Ansätzen als Schablone, um eine weitere Story voller Liebesverirrungen zu erzählen. Als Pluspunkte darf man der Serie anrechnen, dass die Schauspieler wirklich attraktiv, die Kulisse in der Tat wunderschön und die Blicke überaus schmachtend sind.
Die echte Königin von Schottland kam im Alter von fünf Jahren nach Frankreich. Da das für die Geschichte wenig erquicklich wäre, verlegt The CW die Geschichte um gute zehn Jahre nach hinten und schickt eine bereits jugendliche Mary (Adelaide Kane, Teen Wolf) an den französischen Hof, wo sie einer Hochzeit mit dem Thronfolger Francis (Toby Regbo) entgegen sieht. Begleitet wird sie von ihrer Entourage in Form ihrer vier Freundinnen Kenna (Caitlin Stasey, Please Like Me, „Neighbours“), Aylee (Jenessa Grant), Greer (Celina Sinden) und Lola (Anna Popplewell, „Die Chroniken von Narnia“), allesamt Töchter schottischer Adeliger.
In Frankreich treffen sie nicht nur auf den eigensinnigen Lebemann Prinz Francis (dessen historischer Pate als kränklich und nicht übermäßig intelligent beschrieben wird), sondern auch auf dessen ehrgeizige Mutter Catherine (Megan Follows, Heartland), der die Ankunft der potentiellen Schwiegertochter ein Dorn im Auge ist. König Henry (Alan Van Sprang, The Tudors, King) hält zwar an der Hochzeit fest, scheint aber im Wesentlichen mehr mit seinen Geliebten als mit seiner Rolle als Monarch beschäftigt zu sein.
Als Folge einer seiner Affären wird uns ein unehelicher Sohn (nicht historisch belegt) präsentiert, Francis' Halbbruder Sebastian, genannt Bash (Torrance Coombs, Heartland, The Tudors). Außerdem lernen wir Nostradamus (Rossif Sutherland, Emergency Room) kennen, einen Seher und Berater der Königin. In der Tat holte die historische Catherine de Medici den Mann mit den berühmten Prophezeiungen an ihren Hof, allerdings müsste er zum Zeitpunkt der Ereignisse weit über fünfzig Jahre alt gewesen sein. Doch ein paar Jahrzehnte hin oder her ignorieren die Reign-Autoren gekonnt. Man möchte sich ja auch nicht wirklich beschweren, dass sie uns einen attraktiven Nostradamus präsentieren.

Die Freude über die Ankunft der schottischen Königin wird schnell getrübt, als Königin Catherine von ihrem Ratgeber Nostradamus erfährt, dass diese Verlobung ihrem Sohn Francis den Kopf kosten wird. Also tut Catherine das einzige, was eine furchtbare Königin in einem Kostümdrama tun kann: Sie versucht mit allen Mitteln und Intrigen das junge Mädchen zu sabotieren.
In der Pilotepisode schmiedet sie einen mehr oder weniger gewieften Plan, bei dem sie den jungen Schotten Colin, der seiner Liebe Lola nach Frankreich gefolgt ist, zwingt, Mary mit einem vergifteten Wein zu betäuben und anschließend zu entjungfern. Bei Verlust der Jungfräulichkeit wäre eine Ehe mit dem zukünftigen König von Frankreich undenkbar. Der Plan schlägt fehl, Colin verliert sein Leben, Lola ihren Lover und Mary damit eventuell die Loyalität ihrer Freundinnen. Dafür gewinnt sie die Zuneigung des Bastard-Sohnes Sebastian und auch eine bisher vage Liebe von Seiten des Thronfolgers Francis. Die Weichen für ein ausuferndes love triangle sind gestellt.
Und sonst?
Abgesehen von der Ignoranz historischer Fakten kümmern sich die Reign-Autoren auch nur wenig um die korrekte Darstellung der Lebensverhältnisse und Verhaltensmaßregeln an einem Hof im 16. Jahrhundert. Die junge Königin und ihre Freundinnen reden, tanzen und denken, als wenn sie direkt aus dem 21. Jahrhundert in die Vergangenheit gebeamt worden wären. Auch die Musik macht da keine Ausnahme. Die Sorge um das Land und die Machtspielchen verkommen in der Pilotepisode zu reinen Lippenbekenntnissen, die lediglich dazu da sind, die Liebesverwirrungen weiter voranzutreiben und den Intrigen einen Grund zu liefern.
Dass die Story sich im 16. Jahrhundert abspielt, versuchen die Serienmacher ausschließlich über die pompöse Kulisse und ausschweifenden Kleider zu etablieren. Die Vergangenheit ist hier eine märchenhafte Fassade voller Diener und mysteriöser Ereignisse. Wo Gossip Girl gebloggt hätte, tauchen in Reign ominöse Personen hinter Schattenwänden auf und flüstern Mary Geheimnisse zu. Das Ergebnis ist dasselbe.
Fazit
Das Drama Reign ist eine teilweise ungewollt amüsante Kostümserie, bevölkert von attraktiven Figuren, die hübsch anzusehen sind und sich durch Liebe, Machtverlangen und Neid leiden. Die historischen Ereignisse werden auf eine Seifenoper heruntergebrochen.
Trailer zur Serie Reign:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 18. Oktober 2013Reign 1x01 Trailer
(Reign 1x01)
Schauspieler in der Episode Reign 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?