Red Band Society 1x01

Red Band Society 1x01

Sechs Jugendliche werden umgeben von Krankenhausmauern erwachsen. Das ist die Prämisse von Red Band Society, der neuen tragikomischen Krankenhausserie des US-Networks FOX. Die Serie basiert auf dem katalanischen Original Polseres Vermelles.

Nur scheinbar so genau zu typisieren: Die Figuren aus „Red Band Society“ / (c) FOX
Nur scheinbar so genau zu typisieren: Die Figuren aus „Red Band Society“ / (c) FOX

Das passiert in der Pilot-Episode von Red Band Society:

Auf der Kinder- und Jugendstation des Ocean Park Hospitals in Los Angeles sind zahlreiche Langzeit-Patienten untergebracht. Unter ihnen befindet sich der 16-jährige Leo (Charlie Rowe), der wegen Krebs in Behandlung ist und dem deshalb bereits ein Unterschenkel amputiert werden musste. Leo ist hochintelligent, er neigt jedoch dazu sich abzuschotten. So lehnt er es partout ab, einen Zimmernachbarn zu bekommen. Befreundet ist er mit dem lungenkranken Tu-nicht-gut Dash (Astro). Außerdem verbindet ihn eine komplizierte Teenager-Liebe mit der aus vornehmem Hause stammenden Anorexie-Patientin Emma (Ciara Bravo). Ein weiterer höchst bemerkenswerter Bewohner der Station ist der junge Komapatient Charlie (Griffin Gluck), der trotz seines regungslosen Zustands genau mitzubekommen scheint, was um ihn herum vorgeht.

Bewegung kommt auf die Station, als es zwei Neuaufnahmen gibt: Der krebskranke Jordi (Nolan Sotillo) will unbedingt von dem renommierten Arzt Dr. McAndrew (Dave Annable) operiert werden - und schleicht sich dazu regelrecht unter dessen Patienten. McAndrew und die resolute Krankenschwester Jackson (Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer, „The Help“) beschließen, den hartnäckigen jungen Mann auf Leos Zimmer unterzubringen. Gleichzeitig findet auch die unausstehliche Cheerleaderin Kara (Zoe Levin) ihren Weg auf die Station, nachdem sie beim Training einen unerklärlichen Zusammenbruch erlitten hat. Auch im Krankenhaus fährt sie fort, sich als verwöhnte Göre aufzuführen. Bis die Ärzte eine schockierende Nachricht für sie haben und sie den einzigen Rückhalt bei den anderen Kids auf der Station findet...

Tragikomödie im Krankenhaus

Red Band Society ist eine neue Serie des US-Networks FOX. Äußerlich betrachtet könnte man das Projekt als Krankenhausserie bezeichnen. Es wäre nicht gelogen: die Serie spielt immerhin in einem Krankenhaus. Sie hat jedoch nur wenig mit Krankenhausserien üblichen Zuschnitts gemein. Es geht in ihr nicht um Ärzte, die Krankheiten auf der Spur sind (House), heroisch Menschenleben retten (The Night Shift) und sich dabei im romantischen Ringelreih bewegen (Grey's Anatomy), sondern es geht sehr konsequent um die Patienten selbst. Und ihr Leben innerhalb der Krankenhaus-Mauern.

Von der Tonalität her könnte man die Serie als Dramedy - also als einen Mix aus Drama und Comedy - umschreiben. Durch ihre Art, Humor in den Lebenssituationen zu finden, in denen einem normalerweise nicht mehr zum Lachen zumute ist, gemischt mit vielen berührenden Momenten, scheint Tragikkomödie die wahrscheinlich treffendste Bezeichnung. Red Band Society erinnert fast unwillkürlich an eine andere bekannte „Society“, die „Dead Poet's Society“. Ja, die Serie kommt ein wenig wie der „Club der toten Dichter“ im Krankenhaus daher. Und das nicht nur, weil die Figuren in der Stations-Schule gerade Shakespeare lesen.

Die Serie ist, wie man schon der Inhaltsbeschreibung entnehmen kann, fast ausschließlich figuren- und nur zu einem sehr geringen Teil plotgetrieben. Damit entspricht sie eigentlich eher dem Muster vieler Kabel- und Pay-TV-Serien. Red Band Society zeigt junge Menschen, die sich mit höchst widrigen Umständen arrangieren müssen. Ihr Körper hat sie - jedenfalls zum Teil - im Stich gelassen. Die einzige Kraft, die sie schöpfen, resultiert aus dem wachsenden Zusammenhalt zwischen ihnen. Das ist eine sehr bewegende, zu Herzen gehene Prämisse, die jedoch - dem Humor sei Dank - nie in Rührseligkeit abdriftet.

Realismus I

Ein Stolperstein für Red Band Society ist sicherlich der Realismus. Gerade zu Beginn der Pilotepisode fällt es etwas schwer zu akzeptieren, dass es irgendwo auf der Welt ein solches Krankenhaus (welches nicht zuletzt wegen seiner geradezu palastartigen Anlage fast mehr wie ein Luxus-Hotel daherkommt) geben soll, in dem Patienten weit über die Akutversorgung hinaus behandelt werden. Und in dem außerdem noch ein ultrareicher Alt-Hippie (Griffin Dunne, House of Lies) haust, der im Handumdrehen eine Dachparty wahr werden lässt.

Außerdem sollte Charlie dringend mal gelagert werden. So, wie der junge Komapatient in der Pilotfolge ständig auf seinem Rücken liegt, könnte er (und am Ende womöglich sogar sein Darsteller nach einem langen Drehtag...) an Wundgeschwüren erkranken. Das sieht mir nicht nach einer medizinisch einwandfreien Versorgung aus!

Realismus II

Die Serie fängt diesen Einwand allerdings dadurch auf, dass sie von Beginn an selbst auf ihre leicht erhöhte Realität verweist. Das geht letztlich schon aus Charlies Koma-Narration und seinem Auftauchen in den komaähnlichen Zuständen der anderen Figuren hervor.

Die Stärke von Red Band Society liegt allerdings ohnehin primär in ihrem emotionalen Realismus. Es sind Momente wie der letzte (zweibeinige) Tanz, den Jordi sich wünscht, und sein Sprint durch die Krankenhaus-Gänge kurz vor der OP, welche die Serie auf der Figuren-Ebene so glaubwürdig macht. Es sind genau die Dinge, die wir auch tun würden, wenn uns die Amputation eines Beines bevorstünde.

Fazit

Red Band Society ist ein - zumal als Network-Serie - ungewöhnliches, berührendes und unterhaltsames Serien-Projekt. Wie es um die Erfolgsaussichten der Serie bestellt ist, das vermag ich nur schwer einzuschätzen. Es könnte der neue große Hit von FOX werden, das neue Glee. Oder die Serie wird auf dem zuletzt etwas angeschlagenen Network vom Start weg sang- und klanglos untergehen. Beides ist möglich.

Wünschenswert wäre eigentlich ein Szenario dazwischen, in dem die Serie erfolgreich genug läuft, um auf dem Sender zu bleiben, aber auch kein Super-Duper-Mega-Hit wird, damit sich die Network-Bosse nicht auf sie stürzen und auf Teufel komm raus zu melken versuchen („Die Marktforschung zeigt, dass die Zuschauer Leo und Emma als Paar sehen wollen...“).

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 18. September 2014

Red Band Society 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Red Band Society 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 17. September 2014 (FOX)
Regisseur
Alfonso Gomez-Rejon

Schauspieler in der Episode Red Band Society 1x01

Darsteller
Rolle
Octavia Spencer
Astro
Ciara Bravo
Griffin Gluck
Zoe Levin
Charlie Rowe
Leo
Nolan Sotillo

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