Rebel (2021) 1x01

© atey Sagal in der Serie Rebel (c) ABC
Unsere Titelheldin Rebel heißt amtlich Annie Bello, doch den Namen benutzen nur die wenigsten. Denn Rebel passt einfach besser zu der Frau, die mit allen Mitteln kämpft, wenn es darum geht, den Armen und Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen. Dabei ist sie sich selbst für nichts zu schade, schont aber auch die anderen nicht.
Wovon handelt die Serie Rebel?
Im Jahr 2000 sorgte der Film „Erin Brockovich“ für Aufsehen. Er erzählte von einer jungen Rechtsanwaltsgehilfin, die eine große Rolle darin spielte, die Wasserverschmutzung einer kalifornischen Stadt durch einen Konzern zu beenden und juristisch zu verfolgen. Mit der Dramaserie „Rebel“ liefert ABC nun quasi die Fortsetzung. Denn die Titelheldin ist laut Aussage der Produzenten vom Leben der gegenwärtigen Erin Brockovich inspiriert, einer Frau, die immer noch für das Recht der Schutzlosen kämpft.
Zu Beginn der Pilotepisode bahnt sich Annie Bello ihren Weg durch eine sehr schicke Veranstaltung, bis hin zum Tisch des Chefs eines medizinischen Konzerns. Dass sie nicht in ihre Umgebung passt, sieht man schon daran, dass sie ein enges, dunkles Kleid mit auffälligem Motiv trägt, während alle anderen sich angezogen haben, als wenn ihre Leben durch einen beige-goldenen Instagram-Filter geschoben wurden.
Auch wenn sie zu Beginn der Unterhaltung damit kokettiert, zeigt sich schnell, dass sie alles andere als unsicher ist. Nachdem der Mann auf ihre Drohung nicht eingeht, winkt sie Protestierende herein, die das schicke Event crashen. Gewohnheitsmäßig lässt sie sich festnehmen und baut in der Zelle schnell neue Freundschaften auf, die sie schließlich an ihre Tochter überweist. Denn die ist das, was die ganze Welt fälschlicherweise annimmt, was ihre Mutter auch sei: Tochter Cassidy (Lex Scott Davis) ist Anwältin und muss widerwillig oft auffangen, was ihre Mutter ihr als Pro-Bono-Fall so zuwirft. Doch sie arbeitet für den einflussreichen Anwalt Julian Cruz (Andy Garcia). Den Job hat sie über ihre Mutter bekommen, denn er war der Mann ihrer besten Freundin. Die ist zwei Jahre vor den Ereignissen der Pilotepisode verstorben, das wird ebenfalls noch wichtig, doch bleiben wir zunächst beim Personal der Story.
Denn wichtig in ihrem Leben ist außerdem noch Ziggy (Ariela Barer) - diese ist die Adoptivtochter von Rebel und ihrem aktuellen Ehemann Grady (John Corbett). Letzterer möchte auch im fortgeschrittenen Alter noch gerne ein jugendlicher Draufgänger sein. Der Rest der Welt hat an ihm eher zu monieren, dass er oft pathologisch lügt. Die gemeinsame jugendliche Adoptivtochter hat das Problem nicht, doch sie muss an den Treffen der Narcotics Anonymous teilnehmen, nachdem sie erst jüngst eine Schmerzmittelsucht überwunden hat.
Ihr Sohn Nate (Kevin Zegers) ist ein Gynäkologe, der sich mit seiner Mutter gut versteht, auch wenn er sie manchmal etwas nervig findet. Auch ihn spannt sie stets ein, wenn sie daraus etwas für ihre Fälle ziehen kann. Sein Vater ist Polizist.
Um den Kreis zu schließen, kommen wir wieder bei Tochter Cassidy an, deren Vater Benji (James Lesure) immer noch ein guter Freund für Rebel ist - auch wenn er als Anwalt für die „dunkle Seite“ auf der Gegenseite steht. Nicht nur er, denn auch seine Schwester Lana (Tamala Jones) ist von der Ex-Schwägerin direkt zur engen Freundin und Mitkämpferin geworden. Zum Kreis der wichtigen Figuren zählt außerdem Luke (Sam Palladio), ein junger Kollege von Benji, der sich zum love interest für Cassidy entwickelt.
Nun zum ersten Fall, in den die willensstarke Rebel in weniger als einer Stunde zahlreiche obengenannte Mitglieder ihres Kreises verwickelt hat. Sie hat herausgefunden, dass ein medizinisches Herzgerät eine Immunkrankheit auslöst und unter anderem ungeborene Kinder schädigt. Doch niemand will ihre Bedenken hören, denn es gibt keine Studien, keine empirischen Beweise. Alles, was Rebel in der Hand hat, sind Anekdoten und eine Facebook-Gruppe mit mehreren tausend Mitgliedern mit Symptomen. Doch es wäre ja nicht Erin, pardon, Annie, wenn sie sich dadurch geschlagen geben würde.
Ziggy absolviert ein Praktikum bei ihrer Mutter, um wieder in die richtige Spur zu finden. Sie assistiert ihr bei dem großen Protest vom Episodenbeginn, der Aufmerksamkeit auf ihre Sache lenkt. Nate soll eine medizinische Studie starten, was er nach einigem Widerstand dann auch tut.
Die meiste Zeit muss Rebel jedoch aufwenden, um Cruz zu überzeugen, denn der möchte nicht an den traumatischen Tod seiner Frau erinnert werden. Doch Rebel zieht ihn mit einer emotionalen Rede über ihre geteilte Liebe zu seiner Frau auf die richtige Seite und damit sind am Ende der Pilotepisode die Weichen für einen großen Kampf gestellt.
Wie kommt es rüber?
Rächer-Action mit Patchwork-Charme und einer feministischen Grundidee - so könnte man die neue Serie ziemlich schnell und gut auf den Punkt bringen. Denn der Anspruch der Serienmacher scheint auch gar nicht mehr zu sein. Das muss jedoch nicht schaden, überleben zahlreiche Serien und Filmfranchises doch auch mit weniger - nur erzählen die in der Regel von einem männlichen Protagonisten. Mit der Inspiration der Erin Brockovich und dem Charisma der Hauptdarstellerin Katey Sagal fahren die Macher einiges auf, um die Formel umzumünzen. Das funktioniert ziemlich gut, wenn man nicht mehr erwartet als eine Ablenkung, die echte Konflikte auf die Mattscheibe bringt, man aber auch nicht so richtig gut aufpassen muss... Denn sowohl diese Seite der Story als auch die Beziehungen zwischen den Figuren warten mit wenigen bis keinen Überraschungen auf.
Spannend an der Konstellation ist zu beobachten, wie das System die Schwachen fallenlässt. Denn ein großes Problem für Rebel und ihre Mitstreiterinnen ist es, überhaupt ernst genommen zu werden, da sie keine empirischen Daten vorweisen können. Stets laufen sie Gefahr, in eine Ecke mit Verschwörungstheorien gestellt zu werden. Doch Rebel hat verstanden, worauf es ankommt und kämpft an mehreren Fronten in diesem Spiel. Sie verschafft ihrer Sache Aufmerksamkeit - und wenn es mit unangenehmen Fotos von sich selbst sein muss. Sie sorgt für die wissenschaftlichen Fakten, die ohne sie nicht erhoben werden, weil das System keine finanziellen Mittel für die Schwachen bereitstellt. Sie hasst Anwälte, wie sie selbst sagt, aber sie weiß sie zu nutzen.
Auch wenn es wenige Nuancen gibt, ist es ein charmanter Tanz, ihr zuzusehen, wie sie an ihr Ziel kommt. Das Fehlen der Zwischentöne scheint auch den Autoren aufgefallen zu sein und wir bekommen durch ein Gespräch zwischen den Anwälten Cassidy, Benji und Luke mehr versprochen. Denn Benji versucht, seine Tochter für seine eigene Kanzlei zu gewinnen. Dabei benutzt er das Argument, dass Annie ihre Kinder zum Schwarz-weiß-Denken erzogen hätte und sie bei ihm die Nuancen lernen könnte. Vielleicht nimmt sie uns dabei mit und mit etwas Geschick entwickelt sich daraus ein interessanter Konflikt, an dem alle Figuren wachsen könnten.
Rebel: Langer Serientrailer
Hier der Trailer zur gerade neu gestarteten Serie „Rebel“ auf dem Network ABC:
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Montag, 12. April 2021Rebel (2021) 1x01 Trailer
(Rebel (2021) 1x01)
Schauspieler in der Episode Rebel (2021) 1x01
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