Queens: 1999 - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie Queens (c) ABC
Wenige Monate nach dem Serienstart der Peacock-Comedy Girls5Eva erleben wir beim Networksender ABC ein Deja-vu mit Queens. In beiden Formaten geht es um eine fast vergessene Gruppe ehemaliger Musikerinnen, die ein Comeback wagen. Man spricht in solchen Fällen von Zwillingsserien, die sich unabhängig von einander entwickelt haben. Oft profitiert diejenige, die zufällig zuerst da war, weil die andere automatisch alt aussieht. Oder es setzt sich die durch, die besser ist.
Berühmte Beispiele für dieses Phänomen sind „The Addams Family“ und „The Munsters“ (im Jahr 1964) oder Star Trek: Deep Space Nine und Babylon 5 (im Jahr 1993). Oder auch 30 Rock und Studio 60 on the Sunset Strip (beide 2006 gestartet). Wer am Ende zwischen Girls5Eva und Queens das Rennen macht, bleibt abzuwarten. Einen vielversprechenden Start legt jedenfalls auch letztgenannter Neustart mit der Pilotepisode hin, die als 1999 betitelt wurde.
Vielleicht müssen sich die Zwillinge sowieso nicht messen. Denn eigentlich sind sie nicht eineiig, weil Queens keine Comedy, sondern ein Drama ist. Dahinter steht der „Ride Along“-Regisseur Tim Story, während Zahir McGhee (Scandal, Stumptown, For the People) das Drehbuch schreibt. Die Hauptrollen der aus dem Ruhestand zurückkehrenden Rapperinnen wurden mit Eve, Brandy, Naturi Naughton (Power) und Nadine Velazquez (My Name is Earl) besetzt.
Hierzulande wird Queens im Star-Bereich von Disney+ erscheinen. Wann genau, ist aktuell noch unklar. In der Auftaktstaffel bei ABC sind zunächst 13 Episoden vorgesehen, die aber auch aufgestockt werden können. Wobei die Einschaltquoten zur Premiere wenig Grund zur Euphorie geben (1,8 Millionen Zuschauer, Rating: 0.36).
Worum geht's?
Im Zentrum stehen Brianna aka „Professor Sex“ (Eve), Naomi aka „Xplicit Lyrics“ (Brandy), Jill aka „Da Thrill“ (Naughton) und Valeria „Butter Pecan“ Mendez (Velazquez). Die Vier waren früher als „Nasty Bitches“ unterwegs und wurden zu Legenden der Hip-Hop-Szene. Warum die Band auseinanderbrach, deutet die Serie zum Auftakt nur an. Eine Schlüsselrolle spielt wohl ihr Manager Eric Jones (Taylor Sele), der sie nun auch wieder neu zusammentrommelt.
Queens bald bei Disney+ streamen...

Eric sorgt auch dafür, dass die Nasty Bitches als Vorband der gegenwärtigen Rap-Sensation „Lil Muffin“ (Pepi Sonuga) auftreten dürfen. Gegen alle Erwartungen glückt nämlich der erste große Auftritt seit vielen Jahren, wodurch einer Welttournee nichts mehr im Wege steht. Bevor es dazu kommt, müssen die einzelnen Queens erst noch ihre eingestaubten Privatleben aufräumen, um die Rückkehr zum Ruhm vorzubereiten. Eine muss zum Beispiel ihren untreuen Ehemann absägen, eine muss ihre Illusionen einer Solokarriere aufgeben und eine muss ihrer religiösen Gemeinde entkommen, in die sie sich zurückzog, als ihr Leben im Exzess außer Kontrolle geriet. Und auch Muffin hat ihre Probleme...
Wie ist es?
Die neue ABC-Serie Queens zeigt vor allem ganz zu Anfang, als wir die Rapperinnen in spektakulären Musikvideos kennenlernen, und dann wieder am Ende der ersten Episode, beim ersten Comeback-Konzert, was in ihr steckt. Tim Story klotzt genüsslich in der Inszenierung und imitiert damit perfekt die üppige Welt des modernen Hip-Hop. Dass auch die Lieder und Texte damit stimmen, ist wohl in erster Linie den Hauptdarstellerinnen Eve und Brandy zu verdanken, die auch im echten Leben rappen und sich musikalisch eingebracht haben. Swizz Beatz produziert die Originalsongs.
Die Verpackung stimmt also schon mal, was das Kriterium ist, welches sich in einer Pilotreview am besten einschätzen lässt. Ob auf lange Sicht auch der Inhalt mit interessanten Handlungssträngen mithalten kann, wird sicherst noch zeigen müssen. Die Charaktere selbst scheinen zunächst noch nicht sehr einfallsreich, sondern bedienen irgendwie Klischees. Einzig die Performance der Darstellerinnen kann somit für echte Sympathien sorgen.
Um abschließend nochmal auf den Anfang zurückzukommen: Mir persönlich gefällt Girls5Eva im direkten Vergleich noch etwas besser als Queens. Vor allem, weil in der Prämisse älter gewordener Stars, die in Vergessenheit gerieten und bieder leben, mehr Comedy- als Drama-Potential zu liegen scheint. Auch würde eine kürzere Laufzeit von nur 20 statt 40 Minuten der neuen ABC-Serie sicher gut tun. Aber warten wir mal ab, was die Macher:innen daraus machen werden.
Wir halten Euch auf dem Laufenden, sobald Disney+ einen Termin für die Deutschlandpremiere von Queens festlegt.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie Queens auf ABC: