Quantum Leap (2022) 1x10

Quantum Leap (2022) 1x10

In der zehnten Folge von Quantum Leap (2022) nimmt der Story-Arc um Janis Calavicci endlich Formen an. Der Main-Plot funktioniert auf emotionaler Ebene gut, weist aber in Sachen Glaubwürdigkeit einige Schwächen auf. Dennoch garantiert die Serie weiterhin nette Feierabendunterhaltung.

Szenenfoto aus der Quantum-Leap-Folge Paging Dr. Song (c) NBC
Szenenfoto aus der Quantum-Leap-Folge Paging Dr. Song (c) NBC
© zenenfoto aus der Quantum-Leap-Folge Paging Dr. Song (c) NBC

Das passiert

Benjamin Song landet diesmal im Jahr 1994 in Seattle im Körper der jungen Ärztin Alexandra „Alex“ Tomlinson. Gemeinsam mit ihrer Freundin Dr. Sandra Turk (Tiffany Smith, „Weird Weird Times“) kämpft sie gegen die Sturheit und fehlgeleitete Motivation ihres Vorgesetzten Dr. Harper (Eugene Byrd, „The Secrets of Sulphur Springs“). Als Ben die Leben von gleich drei Patienten retten muss, um leapen zu können, macht ihm aber nicht nur Harper zu schaffen, sondern ausgerechnet auch Sandra.

Herz und Seele

Quantum Leap (2022) hat zweifelsfrei das Herz am rechten Fleck. Paging Dr. Song ist eine emotional ansprechende Episode, in der es gehörig menschelt. Nach einem Zugunglück werden zahlreiche Verletzte in die Klinik der Ärztin „Alex“ Tomlinson gebracht, darunter auch Louis (Francois Chau, Walker, Texas Ranger), der seine Ehefrau vermisst.

Zudem wird eine Jugendliche eingeliefert, deren Schicksal bald eng mit dem vom Louis verbunden sein wird. Als wäre es nicht genug, die beiden zu retten, offenbart Ziggys Analyse, dass Sandras Vater, der mit einem Hirntumor ebenfalls in dem Krankenhaus liegt, stirbt, wenn Ben nicht eingreift. Autor Deric A. Hughes und Benjamin Raab verknüpfen diese drei Leben geschickt miteinander. Louis wird erfahren, dass seine Gattin bei dem Unglück so schwer verletzt wurde, dass sie unrettbar im Koma liegt. Ihr Herz wird eine junge Frau retten, die aufgrund einer Medikamentenfehlgabe von Dr. Harper beinahe stirbt.

Und Sandra ist so sehr mit ihrem Vater zerstritten, dass sie nicht bemerkt, dass Alex alias Ben ihre Hilfe braucht, um einen weiteren Fehler Harpers zu verhindern. Es ist spannend zu sehen, wie Louis mit sich hadert. Harper ist indes darauf aus, seine Reputation zu schützen und Sandras Vater Eli (charismatisch gespielt von Stan Shaw, „The Family Business“) zerbricht am Tod seiner vor fünf Jahren verstorbenen Frau und der Ablehnung seiner Tochter. Sein Leben bedeutet ihm nichts mehr, weshalb er den Hirntumor trotz veritabler Heilungschancen nicht behandeln lassen will. Einsamkeit, so die Botschaft, ist die schlimmste Bestrafung für unsere Fehltritte, andererseits kann es heilend sein, über seinen Schatten zu springen, klasse.

Entscheidungen

NBC
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Als zweite große Säule der Episode erweisen sich die Geschehnisse im Quantum-Leap-Labor. Zwar kommt der übergreifende Handlungsbogen erneut zu kurz (warum ist die Folge eigentlich nur 41 Minuten lang?), er bringt uns aber endlich ein wenig voran. Magic überlegt intensiv, Janis wieder ins Team aufzunehmen, weil er ohne sie keine Chance sieht, das Rätsel um Bens Alleingang zu lösen. Calavicci tut weiterhin geheimnisvoll und besteht darauf, nur mit Ben selbst oder Addison reden zu wollen. Als diese ihr den Gefallen tut, bleiben ihre Aussagen aber kryptisch. Allerdings rät sie Addison, ihm einzubläuen, niemanden zu vertrauen, nicht einmal seiner Verlobten.

Dass hier eine Riesensache läuft, die sich zur Katastrophe ausweiten kann, ist offensichtlich. Wie schon in den letzten Reviews gesagt, wird es langsam Zeit, dass das Produktions-Team auf die Tube drückt. Wenn die Enthüllungen in dem lahmen Tempo weitergehen, erwarten uns in den nächsten acht Folgen höchstens 40 Gesamtminuten, die sich um den Arc drehen, was ein wenig dürftig wäre.

Andererseits bleibt der Spannungsbogen hoch und man fragt sich unwillkürlich, ob Janis die Wahrheit sagt, oder wie gedruckt lügt. Schön ist in dem Zusammenhang ebenso, dass die sympathische Sicherheitschefin Jenn (Nanrisa Lee findet sich immer mehr in ihre Rolle hinein) einen größeren Raum einnimmt, wenn dieser auch zulasten von Ian alias Mason Alexander Park geht.

Der Höhepunkt

Den unumstrittenen Höhepunkt der Geschichte bildet die Meuterei von Alexandra und Sandra gegen Dr. Harper, der während der oben angerissenen Herztransplantation erneut beinahe ein tödliches Medikament verabreicht. Die Szene rangiert indes unter dem Motto gut gedacht, schlecht gemacht, weil sie an Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten ist. Man stelle sich vor, dass zwei gestandene Ärzte, ohne irgendwelche hygienische Maßnahmen zu ergreifen, einen Operationssaal stürmen.

Anschließend beginnen sie mit dem leitenden Mediziner nicht nur eine Diskussion, sondern drohen damit, den Tropf zu durchtrennen, wenn er nicht tut, was sie sagen. Beinahe noch absurder wird die Situation, nachdem die Frauen ihren Vorgesetzten davon überzeugen konnten, das ominöse Mittel nicht zu verabreichen. Freudestrahlend ziehen sie ab, Ben/Alexandra legt ein als Druckmittel verwendetes Skalpell zurück auf die Besteckschale und als die Störenfriede den Saal geräumt haben, geht die OP nun störungsfrei weiter.

Man muss kein Arzt sein, um zu erahnen, dass der Plot hier gewaltig hinkt und hakt. Eine derartige Simplifizierung ist fast schon fahrlässig und es ist eine berechtige Frage, warum die Autoren Hughes und Raab nicht schlicht und ergreifend vernünftig recherchiert haben. Ein spannungsvolles Highlight hätte sich ganz sicher auch anders erreichen lassen. Das angesprochene Defizit konterkariert beinahe die Intention der Episode und man muss schon die Nerven haben, über diesen Fauxpas hinwegzusehen, um die Freude an den vielen positiven Aspekten nicht zu verlieren.

Fazit

Es ist beinahe ein wenig tragisch. An sich ist Paging Dr. Song eine gefühlvolle Geschichte, die dem großen Vorbild zur Ehre gereicht. Okay, auch beim Original haperte es gerne mal mit der Glaubwürdigkeit. Doch in den späten 80er und frühen 90er Jahren griff der Sense of Wonder stärker ins Geschehen ein.

Seinerzeit gab es eben kein Internet, aus dem man jede gewünschte Information innerhalb von Minuten ziehen konnte. Man war eher bereit, Unstimmigkeiten hinzunehmen. Im Jahr 2023 sollte ein Autor aber mehr auf Plausibilität achten, wenn er sich auf das schwierige Terrain der Medizin begibt. Vor allem in Zeiten, in denen sich die meisten Menschen wegen Corona mit den grundlegendsten Hygieneregeln auskennen sollten. Gleichwohl haben wir hier eine hübsch erzählte Episode vor uns, die in weiten Teilen zu unterhalten weiß und den Handlungsstrang um Ben und Janis voranbringt. Von uns gibt es dafür dreieinhalb von fünf Leaps.

Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 11. Januar 2023
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Quantum Leap (2022) 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Episode 10
Titel der Episode im Original
Paging Dr. Song
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 9. Januar 2023 (NBC)
Autoren
Steven Lilien, Bryan Wynbrandt, Donald P. Bellisario
Regisseur
Tessa Blake

Schauspieler in der Episode Quantum Leap (2022) 1x10

Darsteller
Rolle
Raymond Lee
Caitlin Bassett
Nanrisa Lee

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