Q-Force: Kritik zum Start der queeren Animationsserie von Netflix

Q-Force: Kritik zum Start der queeren Animationsserie von Netflix

Netflix' neue Animationsserie Q-Force versucht sich als LGBTQ-Version der Agentenserie Archer aufzustellen, was leider nicht gelingen mag. Die vermeintlich vielfältigen Charaktere bleiben unterentwickelt, der Humor erwartbar.

Szenenfoto aus der Serie Q-Force (c) Netflix
Szenenfoto aus der Serie Q-Force (c) Netflix
© zenenfoto aus der Serie Q-Force (c) Netflix

Der Emmy-prämierte Will & Grace-Star Sean Hayes, der sich durchaus als Ikone der amerikanischen LGBTQ-Community betrachten darf, hat zusammen mit dem Comedy-Produzenten Michael Schur (Brooklyn Nine-Nine, The Good Place) eine neue Animationsserie für Netflix kreiert. Q-Force klingt auf dem Papier wie ein queerer Ableger von Archer, der langlebigen Agentenserie mit wunderbar fragwürdigem Humor. So viel zur Theorie, doch die Praxis sieht leider ganz anders aus.

Q-Force verpasst in der halbstündigen Pilotepisode - Rogue lautet der Titel - die adäquate Vorstellung ihrer vermeintlich vielfältigen Figuren, die dadurch vollkommen blass bleiben. Stattdessen verschwendet die Serie ihre Zeit mit sehr lahmen LGTQ-Gags, die im Prinzip nur aus Namedropping bestehen („RuPaul's Drag Race“ hier, Ariana Grande da). Und auch für Fans des Spionagegenres wird nicht viel Frisches geboten...

Worum geht's?

Im Zentrum der Geschichte steht der Superspion Steve Marywhether (Hayes), den uns Netflix als „schwulen James Bond“ verkaufen will. Tatsächlich hat der Agent als Jahrgangsbester seine Ausbildung beim Geheimdienst AIA abgeschlossen. Als er seine Dankesrede dann aber nutzt, um sich zu outen, geht die Ehre plötzlich weiter an seinen verhassten Kollegen Rick Buck (David Harbour, Stranger Things). Der ist hetero und damit viel mehr nach dem Geschmack des fiesen, alten AIA-Direktors Dirk Chunley (Gary Cole, Veep).

Steve, der von allen nur noch höhnisch Agent Mary genannt wird, wird mit einer Sackgassenstelle in Hollywood abgestraft, wo nichts Spannendes passiert. Seine Undercover-Identität ist die eines Innendesigners, der sein Haus über Airbnb an übergewichtige Nudisten untervermietet. Seine Nemesis Rick darf derweil jeden Tag die Welt retten. Irgendwann wird es Steve zu langweilig, sodass er auf eigene Faust ein Eliteteam zusammentrommelt, mit dem er seine erste eigene Mission durchziehen will.

Mit dabei: die geheimniskrämerische Hackerin Stat (Patti Harrison, Shrill), der lebensfrohe Drag-Verkleidungskünstler Twink (Matt Rogers, Our Cartoon President) und die bodenständige Mechanikerin Deb (Wanda Sykes, Curb Your Enthusiasm). Zusammen mit Steve bilden sie die sogenannte Q-Force, die hungrig danach ist, sich zu beweisen.

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Durch Glück stoßen die Vier auf eine Verschwörung, die für die Vereinigten Staaten eine nukleare Bedrohung bringen könnte. V (Laurie Metcalf, The Conners), die Vizedirektorin der AIA, die selbst queer ist, erkennt als Erste das Potential der neuen Spezialeinheit und verbirgt für Steve und Co beim obersten Boss, der die Truppe lieber scheitern sieht. Am Ende einigt man sich auf einen Deal, der die Q-Force weitermachen lässt, aber nur mit Rick Buck als Babysitter.

Wie ist es?

Der Fremdkörper im eingespielten Dreamteam stellt für die kommenden Folgen der zehnteiligen Auftaktstaffel von Q-Force noch die größte Hoffnung dar, ein bisschen Unfrieden zu stiften, damit die Dinge endlich interessant und lustig werden. Gleichzeitig wirkt der Schurkencharakter jedoch alles andere als charmant, sondern er kommt vor allem nervig rüber, weshalb auch er einem weiteren Interesse eher im Wege stehen dürfte.

Allgemein schwächelt die Animationsserie in Sachen Charakterarbeit. Angefangen beim völlig kantenlosen Helden, gesprochen von Co-Serienschöpfer Sean Hayes, bis hin zum Rest der Q-Force, die mit schillernden Hüllen ihre innere Leere zu überspielen scheinen. Fast alle Figuren sind Stereotype, die man schon zigmal gesehen hat - was besonders schade ist, weil die LGBTQ-Community ja eigentlich für Vielfalt steht.

Endlich ermüdend ist wie gesagt auch der Humor, der nie über die Stränge schlägt und für eine queere Comedy damit erstaunlich bieder ausfällt. Außerdem handelt es sich hier um die Luke-Mockridge-Art von Humor, bei der einfach nur Dinge genannt werden, die die Zuschauer:innen kennen sollten. Man bemüht sich zu lachen, um zu zeigen, dass man die Referenz verstanden hat. Aber man lacht nicht, weil es einfach lustig ist.

Das Einzige, was mir wirklich gefallen hat, ist die Idee, eine Dragqueen als Spionin einzusetzen, weil ihr Talent der Verkleidung tatsächlich perfekt für den Job ist. Twink ist somit noch der vielversprechendste Charakter, wobei man auch ihn deutlich einzigartigerer hätte gestalten können. Jede einzelne Figur aus Archer hat mehr Witz und Ausstrahlung als das gesamte Team aus Q-Force. Dabei merkt man der Netflix-Comedy an, wie sehr sie bei der langlebigen Agentenserie von FXX abgeschaut hat. Aber auch Kopieren will gekonnt sein...

Hier abschließend noch der Trailer zur Netflix-Serie Q-Force:

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