Proven Innocent: Review der Pilotepisode

© zenenbild aus „Proven Innocent“ (c) FOX
Der Bereich der Juristerei ist seit Jahrzehnten ein gefundenes Fressen für die Serienproduktion. Es bringt genug Fachexpertise mit sich, um bei den Fällen mitzufiebern, ausreichend Interessenkonflikte der Parteien, um für Spannung zu sorgen und massenhaft menschliches Schicksal, um reichlich Stoff für emotionale und dramatische Sequenzen zu bieten. Die Messlatte für die neue Anwaltsserie Proven Innocent liegt somit sehr hoch. Der Sender FOX versucht es daher mit einem noch mal mehr emotional aufgeladenen Thema: der Verurteilung unschuldiger Menschen und den damit verbundenen schwerwiegenden Folgen für ihr eigenes Leben und das ihres Umfeldes.
Justitia off balance
Madeline alias Maddie (Rachelle Lefevre) arbeitet in einer Kanzlei, die sich auf Fälle spezialisiert hat, in denen unschuldige Menschen zu Unrecht verurteilt wurden. Zusammen mit dem Anwalt Easy Boudreau (Russell Hornsby), der Medienberaterin Violet (Nikki M. James) und dem Ermittler Bodie (Vincent Kartheiser) nimmt sie sich der kritischen Fälle an und beweist mehr als einmal, dass das System der Rechtsprechung nicht immer fair ist.
Maddies Interesse am persönlichen Schicksal ihrer Klienten kommt dabei nicht von ungefähr. Nachdem sie und ihr Bruder mit 18 Jahren fälschlicherweise für den Mord an ihrer Freundin Rosemary (Casey Tutton) zur Haftstrafe verurteilt wurden, hat sich Easy nach zehn Jahren Gefängnisstrafe dem Fall gewidmet und konnte ihre Unschuld beweisen. Jeder Fall erinnert Maddie daher an ihre Vergangenheit, was für uns Zuschauer von vornherein eine gute Basis für Konflikte und Spannung bietet.
Als dann auch noch Gore Bellows (Kelsey Grammer), der Staatsanwalt, der ihren Namen durch den Schmutz gezogen hatte, im Gerichtssaal gegen sie antritt und durchscheinen lässt, dass er sie weiterhin für schuldig hält, beginnt Maddies persönliche Vendetta. Während sie an einem weiteren Fall gegen ihn arbeitet, erfahren wir durch gelegentliche Rückblenden mehr über den Hintergrund von Maddies Verhaftung und den Geschehnissen der Nacht, in der Rosemary ums Leben kam. Denn der eigentliche Mörder wurde nie gefasst. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass dies die eigentliche Geschichte ist, um die es bei „Proven Innocent“ geht und die damit einhergehende überspitzte Dramatik uns wohl oder übel über den kompletten Verlauf der Serie begleiten wird.

Definition Drama
Das Potential der Pilotepisode wurde von den Produzenten vollends ausgeschöpft, indem sie die besten Voraussetzungen für weiteres Drama geschaffen haben. Da hätten wir einerseits den attraktiven Journalisten Dylan (David Alpay), der Maddie Avancen macht und sich schnell als love interest der Protagonisten etabliert, jedoch fragwürdige Beweggründe dafür aufweist. Und andererseits Maddies Bruder Levi (Riley Smith), der - anders als sie - keine erfolgreiche Karriere aufbauen konnte, schnell wieder dem Drogenmissbrauch verfällt und Maddie letztlich gesteht, dass er eine Beziehung mit der ermordeten Rosemary hatte.
Der Charakter von Maddie punktet währenddessen als absoluter Sympathieträger der Serie. Wobei wir die Figur der selbstbewussten, freundlichen und schlagfertigen Frau auch schon in anderen Serien und auch in demselben Format sehen durften (siehe The Good Wife. Und dass das juristische System durchaus seine Fehler hat, wissen wir allerspätestens seit How to Get Away with Murder (strenge Realitätsansprüche mal beiseite geschoben). An Originalität lässt die neue Dramaserie daher noch zu wünschen übrig.
Positiv zu vermerken ist die Darstellung von Maddies „Erzfeind" Bellows, der zwar immer wieder von ihr für das schlimme Schicksal, das sie erleiden musste, verantwortlich gemacht wird, jedoch auch genug Spielraum eingeräumt bekommt, um deutlich zu machen, dass er auch nur ein Mensch ist. Und Menschen machen Fehler. Hoffentlich behält die Serie diesen Ablass von Schwarz-Weiß-Meinungen bei und macht ihn später nicht doch zum alleinigen Missetäter des miserablen Zustands eines kaputten Systems.

Gegen einen persönlicheren Zugang zur Anwaltsthematik spricht an sich nichts. Im Gegenteil: Wie sehr interessieren uns die eigentlichen Themen im Gerichtssaal wirklich? Paragraphen, Gesetze und das lästige Kleingedruckte alleine würden wahrscheinlich keinen Zuschauer zum Hobbyjuristen machen. Die Story von „Proven Innocent“ spielt sich somit zu Recht auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene ab, vergisst jedoch zeitweise den Absprung weg von der melancholischen Musik. Zweifel und Intrigen bringen dann letztendlich auch das Dramafass zum Überlaufen, so dass man sogar dem anfangs positiven Charakter von Maddie zeitweise tatsächlich überdrüssig wird.
Fazit
Alles in allem erzählt „Proven Inncoent“ eine interessante Geschichte, die trotz übermäßigen Hangs zur Dramatik einen soliden Unterhaltungsfaktor aufweist. Besonders aus der enormen Anzahl an Anwaltsserien rausstechen kann sie damit jedoch noch lange nicht.
Der Serientrailer zur ersten Episode, Pilot (1x01), der US-Serie Proven Innocent: