Prost Mortem: Review der Pilotepisode

Prost Mortem: Review der Pilotepisode

Die deutsche Serie Prost Mortem zeigt eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Darüber, wer ihren Mann umgebracht hat. Wir begleiten die Serienmacher in die Kneipe des Opfers und auf eine Abschiedsfeier mit Überraschungen. Springt der Funke über?

Prost Mortem (c) 13th Street
Prost Mortem (c) 13th Street
© rost Mortem (c) 13th Street

Die 13th Street-Serie Prost Mortem hat sich eine deutsche Institution zum Schauplatz genommen, eine schummrige Kneipe voller zwielichtiger Gestalten mit mal mehr, mal weniger Herz und Geheimnissen. Der Besitzer der Kneipe wird tot auf der Toilette gefunden, die Polizei befindet, es handele sich um einen Selbstmord. Doch seine Frau sieht das anders.

Worum es geht

Gitti (Doris Kunstmann) glaubt nicht daran, dass ihr geliebter Werner (Werner Prinz) sich selbst das Leben genommen und sie damit willentlich alleine zurückgelassen hat. Wir erfahren schnell, dass zwar einige Indizien dafür sprechen, schließlich war der passionierte Wirt schwer krank, wurde erpresst und hatte ein paar sprichwörtliche Leichen im Keller. Doch eigentlich wollten Gitti und er das Leben jetzt noch etwas genießen und den Bierkönig, ihre Kneipe, dichtmachen. Die Abschiedsfeier überlebt Werner jedoch nicht. Nun schmeißt Gitti eine eigene Party nach ihren Regeln. Sie lädt nur die Gäste ein, die in der Kneipe waren, als ihr Mann starb, um herauszufinden, wer für seinen Tod verantwortlich ist.

Da wäre als Erstes der Stammgast Bernie (Simon Schwarz), der bei Werner einen Stein im Brett und einen ziemlich großen Deckel hatte. In Gittis Augen also durchaus ein Motiv für den Mord. Der Kassensturz, den sie gemacht hat, ergibt, dass Bernie beim Bierkönig mit mehreren tausend Euro in der Kreide stand.

Doch gute Argumente gibt es auch, sich das Verhalten von Werners Schwester Eva (Elke Winkens) anzusehen. Am letzten Abend seines Lebens hatte Werner einen großen Streit mit der erfolgreichen Politikerin. So steht auch Eva auf Gittis Liste. Zwischen zwei Wahlkampfveranstaltungen schaut die ehrgeizige Eva auf der Trauerfeier rein und bringt dabei ihren jungen Assistenten Steven (Timur Bartels) mit. Ebenso widerwillig nimmt auch die junge Kellnerin Zoe (Janina Fautz) an den Feierlichkeiten teil. Doch Smalltalk und Trauerreden sind schnell abgehakt, denn Gitti hat anderes im Sinn.

Schon mit dem ersten Drink setzt sie ihre Gäste außer Gefecht, um sie dann zu fesseln und zu verhören. Immer wieder kündigt sie an, dass niemandem etwas geschehe, nur der Mörder ihres Mannes, der gehe nicht mehr nach Hause in dieser Nacht...

Wie kommt es rüber?

Vier Episoden umfasst die Serie von Michael Podogil, die an zwei Abenden ausgestrahlt werden. Im Miniserien-Format dürfen wir Gitti auf der Mördersuche begleiten. Ein Kammerspiel in einer deutschen Kneipe klingt erst mal nach einer vielversprechenden Idee. Für alle, die - wie ich - stets hoffnungsfroh auf der Suche nach einer guten deutschen Serie sind, darf gesagt sein: Es ist definitv Luft nach unten, Prost Mortem hebt sich angenehm vom oft aus den USA abgekupferten Einheitsbrei ab, der einem sonst oft begegnet. Leider ist jedoch auch Luft nach oben, denn von Der Tatortreiniger sind wir hier noch etwas entfernt.

Viel Gewicht liegt in dieser Erzählkonstellation auf den Darstellern. Dabei ist schade, dass die meisten erst später glänzen dürfen. Der Einstieg verläuft gemächlich, oft vorhersehbar, wenig spannend. Man muss ein bisschen Geduld mitbringen, was bei 20 Minuten pro Episode aber ein machbares Unterfangen sein dürfte.

Ein bisschen fehlt manchmal die Tiefe, an manchen Stellen dürfte das Drehbuch noch einmal überarbeitet werden, oft fangen die Darsteller manche flache Stelle wieder auf. Volle Arbeit geleistet haben auch die Kostümbildner und die Setausstatter. Auch, wenn man die Pilotepisode durch noch fremdeln könnte, fühlt man sich nach einer halben Stunde schon angekommen im Bierkönig.

Das Miträtseln macht Laune, aber wie üblich ist es abseits der Hauptstrecke interessanter. Die Charaktere entwickeln sich nach einem manchmal holprigen Start gut, der Humor braucht ein bisschen Anlauf, dann jedoch liefern die „Prost Mortem“-Macher solide Unterhaltung, die sich so gerne auch mal im Free-TV zeigen dürfte.

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