Proof 1x01

Proof 1x01

In Proof beauftragt ein sterbender Multimilliardär eine skeptische Ärztin (Jennifer Beals) mit der Erforschung des Lebens nach dem Tod. Eine Prämisse, die interessant sein könnte, in der Serie von TNT jedoch äußerst flach ausfällt.

Jennifer Beals ist Dr. Carolyn Tyler in „Proof“ / (c) TNT
Jennifer Beals ist Dr. Carolyn Tyler in „Proof“ / (c) TNT

Seit der ehemalige FOX-Chef Kevin Reilly als Präsident von TNT das Senderruder übernommen hat, wurde eine neue Ausrichtung versprochen, was das Programm des Turner Networks angeht. Mutiger und weitaus mehr „edgy“ sollen die Serien werden. Proof scheint noch nicht zu jenen Programmen zu gehören, die dieses Versprechen einzuhalten gedenken. Zumindest erweckt der Serienpilot einen eher müden Eindruck.

OP ruft Dr. Maverick

Dr. Carolyn Tyler (Jennifer Beals) ist eine resolute Ärztin, die immer dort zur Stelle ist, wo sie gebraucht wird. Das ist zu Beginn der Serie zufällig im OP ihres Krankenhauses, auch wenn sie gerne mal ungestüme Ausflüge in Krisengebiete unternimmt. Diese wilde Attitüde missfällt ihrem Krankenhaus-Chef Dr. Richmond (Joe Morton) hin und wieder und vielleicht hätte er ihr auch längst die Dienstmarke abgenommen, wenn sie nicht so verdammt gut in ihrem Job wäre. Als sie nun einem angeschossenen Teenager versucht das Leben zu retten, wendet sie eine kontroverse Methode an und wird ins Büro ihres Vorgesetzten gerufen. Dieser hat jedoch nicht vor, sie wegen des (im letzten Moment erfolgreich herbeigebeteten) Eingriffs die Hölle heiß zu machen, sondern möchte sie darum bitten, sich mit dem Multimilliardär Ivan Turing (Matthew Modine) zu treffen. Der erfolgreiche Geschäftsmann, der sein Vermögen im Internet gemacht hat, möchte sich ganz gezielt nur mit Dr. Tyler unterhalten und winkt mit einer saftigen Spende an das Krankenhaus.

Internet Guy

Misstrauisch sucht Carolyn den exzentrischen Mann auf, der schon vom Mount Everest gesprungen ist und im Weltraum war. Er ist schwer krank, wie er der Ärztin eröffnet, woraufhin diese sofort vermutet, er wolle ihre Expertise erkaufen. Damit liegt sie nur halb richtig. Sein Krebs ist leider in einem zu fortgeschrittenen Stadium, als dass ihm noch eine Behandlung helfen könne. Er möchte jedoch wissen, auf was er sich einlässt, wenn er dieser Welt lebewohl sagt. Genauer gesagt möchte er Dr. Tyler damit beauftragen, die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod zu erforschen. Als Gegenleistung bietet er ihr sein gesamtes Vermögen an, welches sie nach ihrem Ermessen in Forschung oder Hilfsprojekte investieren könnte.

Milliardär Ivan Turing (Matthew Modine) und Dr. Tyler (Jennifer Beals) © TNT
Milliardär Ivan Turing (Matthew Modine) und Dr. Tyler (Jennifer Beals) © TNT

Carolyn ist von dem Angebot wenig begeistert, da es für sie als wissenschaftlich denkende Medizinerin nur eine vernünftige Antwort auf diese aberwitzige Fragestellung geben kann. Turing kennt jedoch ihren Hintergrund und lässt durchblicken, was er über die Ärztin in Erfahrung bringen konnte. Sie trauert zum einen um ihren Sohn, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Zum anderen war sie nach einem Schiffsunglück auf einer ihrer Reisen selbst klinisch tot und hatte eine Nahtoderfahrung, die sie jedoch mittlerweile als Halluzination abtut.

Obwohl sie das Angebot des Internetmilliardärs ablehnt, spukt das Thema weiterhin in ihrem Leben herum. So ist auch der junge Patient vom Beginn der Episode überzeugt davon, eine außerkörperliche Erfahrung während seines Beinahe-Todes auf dem OP-Tisch gehabt zu haben. Seine Argumente hierfür sind jedoch alles andere als beeindruckend, auch wenn die Serie sie als Quasi-Beweise für die Existenz des Übernatürlichen verkauft. Er kann Dr. Tyler zum Beispiel sagen, dass sie Turnschuhe anhatte. Wow. Zudem erinnert er sich an das Stoßgebet, welches sie für ihren Patienten aufgesagt hat. Doppel-Wow.

YOLO?

Turing lässt ihr zusätzlich eine Akte mit Fällen von vermeintlich übersinnlichen Nahtoderfahrungen zukommen, von welchen einer sogar aus ihrem eigenen Krankenhaus stammt. Mit ihrem sudanesischen Praktikanten Zed (Edi Gathegi), den sie kurzerhand als Hilfe rekrutiert, macht sie sich zur Familie eines Mädchens auf, das an einer schlimmen Gehirnentzündung litt und nach ihrer Wiederkehr aus dem Reich der Toten unmögliche Bilder malte. Sie brachte etwa auf Papier, was ihr Vater während ihrer Operation tat und malte auch eine unbekannte Person namens Papa. Wie Dr. Scully und Mulder später von der Oma erfahren, handelt es sich dabei vermutlich um den wahren Großvater des Mädchens, von welchem die Familie nichts weiß.

Dr. Taylor (Jennifer Beals) mit Dr. Zedan Badawi (Edi Gathegi) auf Ermittlungstour © TNT
Dr. Taylor (Jennifer Beals) mit Dr. Zedan Badawi (Edi Gathegi) auf Ermittlungstour © TNT

Kurz darauf verschlechtert sich der Zustand des Mädchens erneut, doch überraschenderweise lehnt die Familie weitere Behandlungsmaßnahmen ab. Wie Carolyn vermutet, hat das prominente Medium Peter Van Owen (Callum Blue) mit dieser Entscheidung zu tun. Der aus den Medien bekannte Bestsellerautor steht in Kontakt mit der Familie, die nun glaubt, ihre Tochter hätte vielleicht nicht von der anderen Seite zurückkommen sollen und werde nun zu Gott gerufen. Das kommt bei der Ärztin natürlich überhaupt nicht gut an und ergibt selbst im Kontext der Überzeugung der Eltern wenig Sinn. Als das Mädchen schließlich doch unter dem Messer landet, ist nicht klar, wie hoch ihre Lebensqualität sich am Anschluss gestalten wird.

Richtigerweise berichtet Carolyn, die nun doch irgendwie an Bord der ganzen übernatürlichen Forschungsangelegenheit zu sein scheint, dem potentiellen Geldgeber, dass sämtliche in der Episode gesehenen Phänomene auch durch andere Dinge, wie etwa Zufall, erklärt werden können, ohne paranormale Erklärungen hinzuzuziehen. Auch, wenn wir als Zuschauer es zu diesem Zeitpunkt bereits „besser“ wissen sollen und die Serie Carolyn als eine ihre wahren Gefühle unterdrückende Skeptikerin darstellt, die noch etwas zu lernen hat, bis sie ihren toten Sohn gegebenenfalls wiedersehen darf.

Fazit

Proofs Serienpilot ist ordentlich produziert und auch den Darstellern ist nichts vorzuwerfen. Jennifer Beals steuert wie auf Autopilot aber kompetent durch ihre Hauptrolle, während man bei David Sutcliffe, der ihren es gut meinenden Exmann spielt, genau das bekommt, was auf der Packung steht. Das durch den Tod des Sohnes zerrüttete Familiengespann wird durch Annie Thurman als Tochter Sophie abgerundet, die ihre Sache als das nicht verstorbene Kind in schwieriger Situation trotz schwacher Dialoge sehr ordentlich macht.

Leider ist „Proof“ ziemlich dumme Kost, die teilweise ins ärgerliche abdriftet und vor allem äußerst dröge ist. Letzteres ist doppelt verwerflich, da sich die Charaktere theoretisch mit dem größten Mysterium der Menschheit auseinandersetzen. Dass Carolyn angesichts dessen dermaßen desinteressiert tut, ist dabei nur die Hälfte des Problems. Dem Zuschauer wird ziemlich deutlich kommuniziert, dass das Leben nach dem Tod real ist. Wir sind nicht die neugierigen Forscher und entdecken diesen Fakt mit unserer Protagonistin gemeinsam. Wir haben bereits das Memo erhalten und warten nur auf den Moment, in welchem sie diese Tatsache endlich akzeptiert.

David Sutcliffe als Carolyns Exmann Dr. Bayliss © TNT
David Sutcliffe als Carolyns Exmann Dr. Bayliss © TNT

Ein leicht mieser Beigeschmack könnte zudem dadurch entstehen, dass es sich hierbei nicht um Fantasyelemente handelt, die mit unserer Welt nichts zu tun haben. Täglich werden zahlreiche gutgläubige Menschen in Trauer von Scharlatanen über den Tisch gezogen, die behaupten Antworten auf eben diese den Tod betreffenden Fragen zu haben oder so tun, als könnten sie mit Verstorbenen kommunizieren. Die Serie möchte diesen Betrügern nun innerhalb dieser fiktiven Welt Recht geben und selbst wenn es sich hier nur um seichte Unterhaltung handeln soll, bin ich nur schweren Herzens bereit, der Serie durchgehen zu lassen, dass das Medium gegebenenfalls Recht hat.

Vielleicht irre ich mich aber auch und am Ende ist alles ganz anders. Es ist nur leider nicht so, als wäre „Proof“ ohne diese Thematik ansprechender. Die schmerzhaft abgedroschenen Dialoge sind ein weiterer Sargnagel des Formats. Wie oft müssen wir noch den Satz „Früher haben wir auch XY noch nicht für möglich gehalten und sehen sie uns jetzt an!“ hören, wenn jemand die Hauptfigur von einem futuristischen oder abgefahrenen Konzept überzeugen möchte. Zudem ist der sympathisch von Edi Gathegi gespielte, aus Afrika stammende Charakter nicht weit davon entfernt, jener schwarze Filmstereotyp zu sein, welcher nur anwesend ist, um dem weißen Protagonisten mit (spirituellem) Rat zur Seite zu stehen.

Proof ist als Procedural angelegt, in welchem mehrere medizinische Fälle durchgekaut werden sollen, anstatt permanent die Haupthandlung zu verfolgen. So dünn wie diese ausfällt, ist das in diesem Fall ausnahmsweise eine positive Angelegenheit. Und dass - wie in letztem Moment angedeutet wird - auch Poltergeister und weitere Geisterwesen eine Rollen spielen könnten, stimmt hoffnungsvoll, dass die Serie doch noch unterhaltsamere Wege einschlägt.

Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 18. Juni 2015

Proof 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Proof 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Ende oder Anfang
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Juni 2015 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 18. Juni 2015
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode Proof 1x01

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