Promised Land: Review der Pilotepisode

Promised Land: Review der Pilotepisode

Die Geschichte eines Familienunternehmens, das auf Wein spezialisiert ist, steht im Zentrum der neuen Serie Promised Land. Doch: Muss man sich das Format zuerst schön trinken, um es gut zu finden? Unser Review zur ersten Episode klärt auf.

Der Cast der Serie Promised Land auf einem Serienposter (c) ABC
Der Cast der Serie Promised Land auf einem Serienposter (c) ABC
© er Cast der Serie Promised Land auf einem Serienposter (c) ABC

ABC sucht die nächste erfolgreiche Primetime-Soap und probiert es mit Promised Land und einem Latino-Ensemble. Das hatte bei Gran Hotel allerdings nicht so gut geklappt. Hält sich der Neustart also länger als eine Staffel? Das ist zumindest fraglich, wenn man sich den uninspirierten Piloten anschaut.

Worum geht es in Promised Land?

Im Zentrum steht die Familie Sandoval, die sich in den letzten Jahren im kalifornischen Sonoma Valley die dritterfolgreichste Weinmarke des Landes aufgebaut hat. Das Heritage House Wineyard wird seit Jahren angeführt von Joe/Jose (John Ortiz), der, wie uns die Pilotfolge in Flashbacks erzählt, einmal auf nicht ganz legalem Weg in die USA gekommen ist und durch falsche Papiere eine neue Identität aufgebaut hat. Auch in der Gegenwart ist ein solches Problem noch nicht gelöst, Joe zeigt sich aber nach einem Zwischenfall nicht unbedingt solidarisch mit einer jungen Frau ohne offizielle Ausweispapiere...

Veronica (Christina Ochoa) ist die älteste Tochter, der der CEO-Posten seit langer Zeit versprochen wird und die sich entsprechend gut mit dem Unternehmen und dessen Prozessen auskennt. Endlich wird sie auch vom Vater zu ihrer Nachfolgerin bestimmt, doch dann überschattet ein Vorfall mit Fahrerflucht die Freude über die neue Position.

Antonio (Tonatiuh) ist fast so etwas wie das schwarze Schaf der Familie. Er wurde vom Vater einst verstoßen und ist nach New York gegangen, um dort eine Tequilamarke aufzubauen. Trotz der Unstimmigkeiten (wahrscheinlich wegen seiner sexuellen Orientierung) soll er wieder ein fester Teil der Familie werden, besonders, da Margeret Honeycut (Bellamy Young), Joes Exfrau und Mutter von drei seiner Kinder, eine feindliche Übernahme des Unternehmens plant. Joe ahnt da noch nicht, dass Antonio und Margeret unter einer Decke stecken und schon ausrechnen, wie man die Prozente und somit die Mehrheit am besten übernimmt.

Andere Familienmitglieder sind die junge, hippe Carmen (Mariel Molino), die ein eigenes Weinlabel für eine Zielgruppe der über 20-Jährigen vorschlägt, dafür Designs entwirft und auch ein paar Mixologie-Tests durchführt, aber nicht ganz ernst genommen wird. Augusto Aguilera ist Mateo, der sich in eine junge Immigrantin verliebt und sich deswegen mit dem Patriarchen anlegt. Die Konflikte der Serie kommen im Auftakt quasi alle aus der Familie heraus, denn so ganz zieht man nicht an einem Strang - und Joe und seine Ex drohen wegen der feindlichen Übernahme ordentlich zu „clashen“...

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Autor, Schöpfer und Executive Producer der Serie ist Matt Lopez (Gone,„Gothika“) und ihm und seinem Stab gelingt es in diesem Fall bisher nicht, an alte Primetime-Soap-Erfolge anzuknüpfen. Man kriegt nicht ganz den Luxus von Dallas (2012), „Falcon Crest“ oder „Dynasty“ hin und kommt auch längst nicht an moderne Vertreter wie Desperate Housewives heran. Mein erster Eindruck geht eher in Richtung Empire in der Welt des Weinbaus, wobei ich nicht mal der größte Fan der Hip-Hop-Saga bin. Zufälligerweise ist zudem OWN den Serienmachern knapp zuvorgekommen und hat vor kurzem erst das Format The Kings of Napa gestartet. Ist das also ein Mini-Weintrend? Wahrscheinlich nicht.

Das Schauspiel in Promised Land ist leider wenig herausragend und die Cast-Mitglieder fallen mir nicht positiv durch Charisma auf. Das wäre aber auch noch okay, wenn das Drehbuch einen wenigstens durch kreative Einfälle abholen würde. Denn der Auftakt fühlt sich größtenteils generisch und vollgepackt an mit Konflikten, die eher eine Checkliste abarbeiten, als Spannung zu versprechen.

Die Exfrau ist ein Biest, das die Firma aus dem Familienbesitz ziehen will, der Patriarch hat selbst keine weiße Weste und diverse Konflikte mit den Kindern sowie mit seinem Bruder auf dem Zettel und natürlich ist eines der Kinder auf der Seite der Mutter und spielt somit ein doppeltes Spiel.

Besonders das vermeintlich bekannteste Gesicht, die aus Scandal und neuerdings Fantasy Island bekannte Young, erhält vom Drehbuch die Anweisung, ordentlich in ihrem Spiel zu übertreiben und tief in die Klischeekiste zu greifen. So soll schön plakativ deutlich werden, dass man den Zuschauerhass auf sie richten soll. Doch immerhin entscheidet sie sich überhaupt in eine Richtung...

Die rund 40 Minuten dümpeln ansonsten nämlich vor sich hin und greifen zu einem Flashback, der eher Verwirrung stiftet, ehe er erklärt, was Sache ist. Und das, nur um dann zu offenbaren, dass Joe wahrscheinlich zu etwas geworden ist, was er früher gehasst hätte. Dazu kommen dann noch ein abtrünniger Sohn, der sein eigens Ding durchziehen will, ein Nachkomme, der ein ziemlicher Verlierer ist, und ein Verkehrsverbrechen, das verschwiegen wird - fertig ist die neue Latino-Serienhoffnung von ABC.

Fazit

Ich sehe für die Produktion Promised Land leider keinen Erfolg und prophezeie schon anhand der Pilotfolge eher eine Absetzung während oder nach der ersten Staffel. Die größer werdende Zielgruppe der Latino-Amerikaner hat inzwischen einige moderne Formate, die man im Fernsehen beziehungsweise im Streaming findet, und Soapiges dürfte es bei den klassischen Sendern wie Telemundo oder Univision und Co ebenfalls geben. Es reicht nicht, einfach nur Latinos zu besetzen und zu hoffen, dass das ausreicht, wenn das Drehbuch oder das Schauspiel so wirken, als wären sie zehn, 20 oder mehr Jahre aus der Zeit gefallen. Ich kann beim besten Willen nicht sehen, dass das ein unverhoffter Quoten-Hit für das Network wird, was ohnehin mittlerweile vielleicht einer von 50 Serien gelingt.

In Zeiten von Peak TV ist es schwer, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu buhlen, aber mit so wenig Inspiration wird das sehr wahrscheinlich erst recht nicht gelingen - und das kann man sich wahrscheinlich nicht einmal mit ordentlich Wein schön trinken...

In Deutschland wird die Serie wahrscheinlich bei Disney+ starten.

Hier abschließend noch der Trailer zur ersten Season der Serie „Promised Land“ auf ABC:

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