Private Practice 4x22

Private Practice 4x22

Ist das Private Practice am Ende oder gar die Serie? Das Finale der vierten Staffel bereitet einen dringenden Neuanfang vor. Vorher jedoch stellt die Episode ...To Change the Things I Can alle Charaktere vor eine Entscheidung.

Auf ein Letztes: Audra McDonald und Kate Walsh in „Private Practice“ / (c) ABC
Auf ein Letztes: Audra McDonald und Kate Walsh in „Private Practice“ / (c) ABC

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change, the courage to change the things I can, and the wisdom to know the difference.“ Die Autoren von Private Practice haben sich diesen Leitspruch der Anonymen Alkoholiker zum Credo für ihre letzte Episode der Season genommen. Ihre vierte Staffel lassen sie - wie auch das andere Baby von Serienschöpferin Shonda Rhimes, Grey's Anatomy - sehr viel ruhiger enden als gewohnt und nutzen es vor allem für einen dringend benötigten Neuanfang.

Und so trifft der Titel der finalen Episode, ...To Change the Things I Can, gleich auf mehreren Ebenen ins Schwarze: in der Handlung ebenso wie hinter den Kulissen, wo der Unmut vieler Fans über stagnierende Storylines der Charaktere nicht unbemerkt geblieben sein dürfte.

Im Finale steht nicht mehr nur Violet (Amy Brenneman) unter rechtlichem Beschuss. Sie hat ihre Lizenz vorübergehend verloren, jetzt soll auch die sonstige Arbeit der Praxis überprüft werden. Dass es sich dabei um ein authentisches Vorgehen handelt, müssen wir jetzt einfach mal glauben. Die Ärzte stehen also vor der Entscheidung, für ihr gemeinsames Werk zu kämpfen oder getrennter Wege zu gehen. Private Practice hat seine Charaktere in dieser Staffel so konsequent auseinandergetrieben, dass es völlig plausibel scheint, als alle Zeichen auf ein Ende von Oceanside Wellness hindeuten.

Szene aus %26bdquo;Private Practice%26ldquo;: Addison kann%26#039;s nicht lassen © ABC
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Doch diese Rechnung wurde ohne Addison Montgomery (Kate Walsh) gemacht. Quasi seit dem Moment, als die Figur „Grey's Anatomy“ gen Los Angeles verließ, sahen wir sie in einer Abwärtsspirale. Irgendwo zwischen beruflicher Überfliegerin, charakterstarker Frau und einem Paradebeispiel dafür, wie das weibliche Geschlecht in der Fiktion gerne dargestellt wird: als unvollständig, solange kein Partner in Sicht ist.

Auch am Ende dieser Episode können die Autoren diese Schere einfach nicht lassen. Auf der einen Seite holt Addison zur Rettung der Praxis aus: Oceanside Wellness wird aufgelöst, „die Familie“ bleibt zusammen und wagt gemeinsam einen Neuanfang. Doch statt sie danach mit einem Glas Wein selbstzufrieden auf ihre Veranda zu setzen, schubsen die Autoren sie erneut zu Sam (Taye Diggs) ins Bett.

Erst wird uns aufwändig klargemacht, dass die Beziehung keine Zukunft hat und nun das - ein ziemlich offensichtlicher und schlecht gelungener Versuch, wieder mal ein Liebesdreieck aufzubauen, denn Addisons geheimnisvoller Fremde alias Benjamin Bratt ist bereits als Darsteller für die fünfte Staffel bestätigt. Als ihr Therapeut ihr riet, etwas Neues auszuprobieren, um aus ihrem Tief zu gelangen, hatte er sicherlich nicht im Sinn, dass Addy mit einem Mann nach Fiji flieht.

Fluchtpunkte

Fliehen ist das große Thema für die weiblichen Charaktere in dieser Episode. Fast muss man sich fragen, ob Shonda Rhimes etwas gegen Frauen hat, so wie sie Addison und Co. porträtiert. Caterina Scorsone wurde zur Hauptdarstellerin befördert, um dann weniger als nichts zu tun zu haben. Dass Amelia nun einen Rückfall hat und Trost im Alkohol sucht, ist ein eher trauriger Versuch, ihre Figur besser zu integrieren.

Auch Naomi flieht in gewisser Weise. Dass Audra McDonald aussteigt, war schon länger bekannt. Für ihren Abschied hätte es erzählerisch zahlreiche gute Erklärungen geben können, die ausnahmsweise mal nichts mit einem Mann zu tun haben. Das forcierte romantische Ende mit dieser unsäglichen Figur Fife (Michael Patrick Thornton) (keine Chemie, keine Logik, kein gar nichts in der Beziehung der beiden) hätte nicht sein müssen. Das einzig Gute an Naomis Weggang ist, dass auch die Betsy-Storyline damit endlich zu einem Abschluss kommt und nicht immer wieder aus der Mottenkiste hervorgekramt werden kann.

Und dann wäre da noch Violet, die kaputt geschrieben wurde in der letzten Staffel. Sie wurde reduziert auf eine uneinsichtige Egoistin, der man die Empathie immer erst einprügeln muss. Am Ende dieser Folge verlässt sie Los Angeles für eine dreiwöchige Lesereise, obwohl Pete ihr zu verstehen gab, dass sie ihn damit verlieren könnte. Violet fährt trotzdem, nicht ahnend, wie sehr sie ihren Mann verlieren könnte. Wenn Tim Daly allerdings wirklich die Serie verließe, hätten wir davon doch schon was gehört - oder nicht?

Gehen wir also mal davon aus, dass auch Petes Herzinfarkt, sofern es denn einer war, nur Mittel zum Zweck für den bevorstehenden Neuanfang in der kommenden Season ist. Ein Neuanfang, den Private Practice dringend gebrauchen kann.

Naomi verlässt L.A. mit Gabriel Fife - ausgerechnet... © ABC
Naomi verlässt L.A. mit Gabriel Fife - ausgerechnet... © ABC

Die Autoren haben sich seit Beginn der Serie viel zu stark an den Neurosen und dem Wer-mit-wem bei „Grey's“ orientiert und dabei lange Zeit aus den Augen verloren, wie man etwas Eigenständiges kreiert. Dass der Cast in den letzten zwei Jahren erweitert wurde, ist ebenfalls an die Mutterserie angelehnt, funktioniert aber im Gegensatz zum Seattle Grace bei der Privatpraxis nicht. Nicht nur Scorsone, sondern auch Brian Benben ist völlig unterbeschäftigt.

Während viele der Charaktere in dieser Staffel kontinuierlich ruiniert oder vernachlässigt wurden, sticht dazwischen KaDee Strickland hervor, als stünde sie auf einem Podest. Und das bezieht sich nicht nur auf ihre Leistung in der Episode Did You Hear What Happened To Charlotte King? und den damit zusammenhängen Folgen. Darin war sie herausragend: auf den Punkt, emotional, überraschend. Im Staffelfinale wird uns das wie zur Erinnerung noch einmal demonstriert, als Charlotte einer Patientin beisteht, die eine ähnlich brutale Attacke erlebt hat.

Aber der Sonderstatus dieser Figur geht darüber hinaus. Gemeinsam mit Paul Adelstein hat sich Strickland zu Recht einen Favoritenstatus unter den Paarungen in der Serie erspielt. Sie hat allerdings, das muss man fairerweise sagen, die besten Gelegenheiten bekommen, ihre Figur weiterzuentwickeln.

Für die kommende Season bleibt also noch die Hoffnung, dass anderen Darstellern der Serie ein ähnliches Privileg zuteil wird. Mit Charlottes Wandlung haben die Autoren Geschick, Timing und Fertigkeit bewiesen; genauso viel mögen sie doch bitte auch in die Umsetzung des potentiellen Gamechangers investieren. Dann könnte Private Practice ab Herbst endlich mal wieder etwas anderes als belanglos sein.

Verfasser: Carolin Neumann am Dienstag, 24. Mai 2011
Episode
Staffel 4, Episode 22
(Private Practice 4x22)
Deutscher Titel der Episode
Alles wird anders
Titel der Episode im Original
...And to Change the Things I Can
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 5. Juli 2011 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 17. August 2011
Autoren
Craig Turk, Steve Blackman, Debora Cahn
Regisseur
Mark Tinker

Schauspieler in der Episode Private Practice 4x22

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