Primo: Big Eyes - Review der Pilotepisode

© Amazon Freevee
Der Journalist und Autor Shea Serrano, bekannt für Bücher wie „Basketball (and Other Things)“ oder „The Rap Year Book“, hat für Amazon Freevee , dem werbefinanzierten Gratis-Streamer aus dem Hause Amazon, seine erste eigene Serie kreiert. In der semibiografischen Sitcom Primo stellt er uns eine sehr chaotische und dafür umso liebenswürdigere amerikanisch-mexikanische Familie vor. Die Titelrolle des 16-jährigen Teenagers Rafa spielt Ignacio Diaz-Silverio, dessen größten Eintrag bei IMDb ein Gastauftritt bei The Good Fight vor zwei Jahren darstellt.
Die eigentliche Hauptdarstellerin ist aber Christina Vidal, die endlich eine richtige gute Rolle auf den Leib geschrieben kriegt. Man kennt sie beispielsweise durch Formate wie Code Black, Training Day, United We Fall oder The Terminal List. Als alleinerziehende Mutter von Rafa, nämlich Drea, beweist sie nun, was in ihr steckt. Wobei der Ausdruck „alleinerziehend“ irreführend ist: Denn, obwohl Drea keinen Ehemann hat, wuseln fünf Brüder in ihrem Haus herum, um die sie sich ebenfalls kümmert. Als kindische Onkel mischen sie sich natürlich auch in Rafas Erziehung immer wieder ein.
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Mit dabei: Jonathan Medina (The Purge) als pragmatischer und ältester Onkel Jay, Efrain Villa (Better Call Saul) als spirituell angehauchter Onkel Mondo, Johnny Rey Diaz (Grey's Anatomy) als wilder Onkel Rollie, Henri Esteve (Grown-ish, Homecoming) als militäraffiner Onkel Mike sowie Carlos Santos (Gentefied) als Finanzfachmann und jüngster Onkel Ryan. Ja, das Ganze erinnert ein bisschen an Schneewittchen und ihre sieben Zwerge...
Stakiah Lynn Washington („Everything Is Both“) spielt Rafas Schwarm Mya, während Nigel Siwabessy („Stop the Bleeding!“) und Martin Martinez (Magnum P.I.) als seine Freunde Harris und Miguel auftreten. In der Auftaktstaffel stehen zunächst acht Ausgaben auf dem Plan. Die Inszenierung der halbstündigen Pilotepisode namens Big Eyes hat der mehrfach Emmy-prämierte Regisseur Kabir Akhtar (Arrested Development, Crazy Ex-Girlfriend) übernommen.
Worum geht's?
Inhaltlich ist „Primo“ leicht erfasst: Es geht um das hektische Familienleben von Rafa, Drea und Co Für den jugendlichen Protagonisten geht es etwa um die typischen Coming-of-Age-Angelegenheiten. Da wäre zum einen die erste große Liebe, Freundschaften, Unsicherheiten, seine schulischen Leistungen und die Frage, was er irgendwann beruflich machen will. In der ersten Folge wird Rafa vom Schuldirektor die Bewerbung am College nahegelegt. Seine Mutter will ihn zu nichts drängen, während die fünf Onkel mit ihren Meinungen deutlich weniger hinter dem Berg halten.

Neben recht bedrückenden Familienkonflikten und Geldsorgen dreht sich die Serie aber auch viel um das lateinamerikanische Erbe der Hauptfiguren. Gleich in der zweiten Folge wird ein Straßenfest veranstaltet, wobei die Frage aufgeworfen wird, wie gut Drea überhaupt mexikanisch kochen kann. Showrunner Serrano und Co haben sich dafür einen irrwitzigen Plot überlegt, bei dem die fünf Brüder immer wieder versuchen, die ungewöhnlichen Rezepte ihrer Schwester hinter ihrem Rücken zu retten. Währenddessen ist Rafa für die Ablenkungsmanöver zuständig.
Doch auch hier schwingt keinerlei Boshaftigkeit, sondern ganz viel Herz mit. Denn die Brüder tun das alles nur, weil sie Dreas Kochkünste, auf die sie selbst so stolz ist, nicht kritisieren wollen. Es ist eigentlich die altbekannte Sitcom-Formel, die richtig umgesetzt, auch heute noch so erfolgreich sein kann. Sprich: Mit zunehmenden Lügennetzen wird das Chaos immer weiter aufgebläht, bis am Ende alle die Lektion lernen, dass Ehrlichkeit doch besser funktioniert...
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Primo funktioniert übrigens dann am besten, wenn alle fünf Brüder (bzw. Onkel) aufeinandertreffen. Darüber scheinen sich Serrano und Konsorten selbst auch im Klaren zu sein, denn sie machen schon früh selbstreferentielle Witze darüber. So sagt Rafa, dass für ihn das ganze Quintett der schlimmste Albtraum sei. Doch, wie die Darsteller Medina, Villa, Diaz, Esteve und Santos sich gegenseitig die Bälle zuspielen, ist humortechnisch schon ziemlich großartig.
Die bereits gelobte Hauptdarstellerin Vidal schafft derweil beides: Sie kann albern sein - wie in Episode zwei - und auch emotionale Schlüsselmomente stemmen wie gleich im Auftakt. Sie dient auf jeden Fall als Bindeglied des Ensembles und ist damit vielleicht der wichtigste Faktor dafür, warum das Format so vielversprechend scheint.
Wie ist es?
Alles in allem können wir für „Primo“ bei Amazon Freevee eine klare Empfehlung aussprechen. Die sehr persönlich geprägte Serie von Erstlingsschöpfer Shea Serrano hat nicht nur einen tollen Cast, sondern weiß auch, wie Sitcoms funktionieren. Das Ganze könnte ein würdiger Nachfolger für die leider viel zu früh abgesetzte Netflix-Serie One Day at a Time werden. Vier von fünf Brüder geben wir für den Anfang - und freuen uns, den Rest zu sehen!
Ohnehin kann man beim Gratis-Streamer momentan erstaunlich viel guten Content abrufen. Zuletzt haben wir uns auch sehr für die Eigenproduktionen High School und Jury Duty geschwärmt, zu denen es ebenfalls Besprechungen gibt...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Primo“: