Preacher 3x10

Preacher 3x10

Die dritte Staffel der Comicadaption Preacher ist wieder vorbei und wir ziehen eine dementsprechend längere Bilanz. Was macht die Serie von Seth Rogen, Evan Goldberg und Sam Catlin neuerdings besser oder weiterhin gut und was nervt beim Zuschauen?

Szenenfoto aus der dritten Staffel von „Preacher“ (c) AMC
Szenenfoto aus der dritten Staffel von „Preacher“ (c) AMC
© zenenfoto aus der dritten Staffel von „Preacher“ (c) AMC

Die Comicreihe Preacher von Autor Garth Ennis und dem inzwischen leider verstorbenen Zeichner Steve Dillon wurde in den 90ern frenetisch von ihren Fans und Lesern gefeiert. Lange Zeit hat es gedauert, bis eine Umsetzung entstanden ist und inzwischen ist schon die dritte Staffel ins Land gezogen. Während die erste Staffel ein lange hingezogener Prolog war, der am Ende explosiv endete, verlegte die zweite Staffel die Suche nach dem abhanden gekommenen Gott nach New Orleans, trat jedoch stellenweise arg auf der Stelle und wiederholte teils minutenlang bereits bekannte Informationen - und das mehrfach.

Die dritte Staffel spielt größtenteils wieder in New Orleans, aber diesmal eher in Angelville, wo wir in die Vergangenheit von Hauptfigur Jesse Custer (Dominic Cooper) abtauchen. Am Ende der zweiten Staffel ist Freundin Tulip (Ruth Negga) nach einem Schusswechsel mit Lara Featherstone (Julie Ann Emery) ums Leben gekommen. Jesse und Cassidy (Joseph Gilgun) haben alles versucht - bis auf das Beißen durch den Vampir, bis Jesse auf die Idee kommt, die ihn in Teufels Küche bringt: Oma L'Angelle (Betty Buckley) soll es richten und durch ihre Voodoo-Magie für die Wiederbelebung sorgen. Das bringt jedoch Jesse an den Ort zurück, an den er nie zurückkehren wollte. Außerdem lässt es ihn in alte Muster fallen, Erinnerungen wiederaufleben und es bringt die eine oder andere Wüste Prügelei und Schießerei mit TC (Colin Cunningham) und Jody (Jeremy Childs) mit sich, die die alte Frau nach Kräften unterstützen und einige Touristen und Gutgläubige in die Falle locken.

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Für den Gefallen, dass Tulip wieder auferstehen darf, steht Jesse tiefer in der Schuld der Granma, als ihm lieb ist. Dumm auch, dass Genesis wegen des Seelenklaus durch Herr Starr (Pip Torrens) nicht mehr zu gebrauchen ist.

In der Staffel werden mehrere große Arcs aus den Comics mehr oder minder lose adaptiert: Angelville, Les Enfants du Sang, die Allfather-Storyline rund um den Grail und außerdem geht es auch mit dem Saint of Killers (Graham McTavish) weiter.

Angelville

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Schon in der zweiten Staffel hat sich angedeutet, dass der Roadtrip, um Gott zu finden und zur Rede zu stellen mit Stationen versehen wird, die relativ lange dauern. Das ist auch bei Angelville der Fall. Allerdings nicht ganz so schlimm wie beim Lagerkoller, den man als Zuschauer womöglich in der vorherigen Staffel bekommen haben könnte. Wir erfahren weitere Sünden der Vergangenheit aus Jesses Leben und merken immer mehr, was für ein schlechter Mensch er durch seine Familie und Umgebung eigentlich war und vielleicht auch immer noch ist. Denn im Laufe der Zeit wundere ich mich als Zuschauer, warum man der TV-Version Jesse eigentlich überhaupt Sympathie entgegenbringen sollte. Von dem Trio ist er in meinen Augen der größte Unsympath, der oft auch viel zu egoistisch rüberkommt. Natürlich ist er bereit, einiges zu opfern, um Tulip wieder zurückzubringen, doch die „Freundschaft" zu Cassidy ist längst nicht so stark wie in der Vorlage. In meinen Augen werden bisweilen in der Adaption auch falsche Prioritäten gesetzt.

TC und Jody sind in der Vorlage die reinsten Dreckskerle, die einige Morde und Missetaten auf dem Kerbholz haben und wirklich abscheuliche Wesen sind, vor denen es einen schaudert. Vor allem TC wirkt in der dritten Staffel auf mich allerdings wie ein tumber Naivling, der eher ein Opfer als ein Täter ist und dessen Ende mir sogar etwas leid getan hat, während der finale Kampf mit Jody immerhin ordentlich zur Sache ging. Wobei Jesse ihn allerdings ohne das zurückgekehrte Genesis wohl nicht für sich hätte entscheiden können...

Der Genesis-Verlust ist ein Thema für sich, denn es beraubt Jesse einer einmaligen Fähigkeit, die man normalerweise für gutes Drama einsetzen könnte, weil die Figur sich so auf die eigenen Kräfte verlassen muss. Aber ich hatte oft genug den Eindruck, dass man nur auf Zeit spielt...

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Allfather

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Dass der Allfather noch zum Einsatz kommt, hätte ich nach der zweiten Staffel fast nicht mehr erwartet. Offenbar wollte man Herr Starr und den Grail erst einmal losgelöst vom Rest aufbauen und präsentieren, ehe man das mehr als groteske und übermächtige Oberhaupt der Organisation einführt. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was ich mir vorgestellt habe, aber so, wie Allfather D'Aronique von Schauspieler Jonny Coyne im Fatsuit dargestellt wurde, bin ich enttäuscht worden. Die TV-Version von Preacher hatte schon immer trashigen B-Movie-Charme, aber irgendwie ist diese Umsetzung billig und wenig überzeugend. Der Versuch, das Oberhaupt des Grals bedrohlich wirkend zu machen, wird auf meine unliebsamste Art und Weise umgesetzt: „Tell, don't show“, wobei Starr oft genug über die bösen Angewohnheiten schwadronieren darf. Tatsächlich sehen wir auch andere negative Aspekte der Figur: die Völlerei, die Verschwendung, das Erbrechen, das Morden wegen kleiner Enttäuschungen. Das Meiste davon wirkt auf mich aber eher lächerlich und abscheulich, aber nicht angsteinflößend, wobei der schlimmste Aspekt der schlecht umgesetzte körperliche Aspekt ist.

Ich verstehe sehr gut, dass man im Medium Comic hier viel mehr Freiheiten hat und im Fernsehen durch das Budget beschränkt ist, dennoch hatte ich mich eigentlich darauf gefreut und bin mal wieder enttäuscht worden, was bei der Serie schon öfter der Fall war. Ich versuche immer wieder, zwischen Vorlage und Umsetzung zu trennen, es fällt mir aber schwer, das Gedächtnis auszuschalten. Vor allem, da die Umsetzung so merkwürdig nichtlinear ist. The Walking Dead hält sich auch nicht eins zu eins an den Comic, orientiert sich aber grob immer wieder daran. Ich erwarte optisch und inhaltlich keine sklavische Adaption, wie etwa bei „Sin City“, „300“ oder „Watchmen“, weil ich dort ja auch bei Bedarf die Vorlage zur Hand nehmen kann. Aber ein Aspekt wie die visuelle Umsetzung vom Allfather reißt mich dann aus der Handlung heraus und lässt mich über solche Abweichungen nachdenken. Den Aufbau im Comic fand ich logischer, eventuell aber auch nur, weil ich es zuerst gelesen habe. Mich interessiert: Geht das den Nicht-Comic-Kennern auch so, dass sie da was irgendwie Unpassendes finden?

Montage-Profis

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Ich möchte nicht nur meckern, denn, was die Macher von Preacher fabelhaft können, sind Montagen und Kampfszenen aller Art. In dieser Staffel gibt es beispielsweise den Angriff von Starr und dem Gral auf das Kloster, den Kampf von Tulip und Cassidy gegen TC und Jody oder aber Jesse gegen die Söldner des Grals sowie den Ausflug von Tulip und Featherstone nach Japan. Allein das bietet eigentlich immer wieder einen Grund zum Einschalten, auch wenn man manchmal dann auch die völlig überflüssige Storyline rund um Hitler (Noah Taylor) und Arseface Eugene (Ian Colletti) aushalten muss. Schon in den Reviews zur zweiten Staffel habe ich mich darüber aufgeregt, warum es nötig war, der Figur Hitler so viel Screentime zu geben. Glücklicherweise wurde das in der zweiten Staffel zurückgefahren, dennoch gibt es immer mal wieder ein paar Exkurse dahin und am Ende der Staffel sogar eine Entwicklung, die mir gar nicht gefällt.

Hitler oder, wie er sich perfekt getarnt nennt, Hilter beschwört eine neue SS herauf, was in einem Konflikt mit dem Saint of Killers und dem Todesengel (Erinn Ruth) mündet, in den auch Tulip und Eugene verwickelt werden. Sie entkommen gerade noch einmal so, weil der Saint of Killers genug hat und immer wieder auf die Qual seiner Familie angesprochen wird, besonders die seiner Tochter, während Hitler letztendlich offenbar die Hölle übernimmt. Eugene geht mir zwar nicht auf die Nerven, ist aber ebenfalls ein relativ zielloser Charakter, der in der Kombo mit dem Saint nun eventuell neuen Fokus erhält.

Der Saint of Killers, der wie Jesse seiner Waffe beraubt wird, ist in dieser Staffel ein Laufbursche des Teufels (Jason Douglas, Tobin aus The Walking Dead), der ihm das Blaue vom Himmel verspricht, wenn er die Ausreißer aus der Hölle zurückbringt. Zusätzlich kommt auch noch ein Extra-Auftrag rund um Tulip dazu, die in dieses Schlamassel gezogen wird, wahrscheinlich auch, um sie von Jesse zu trennen. Sie selbst ist ein Spielball Gottes im Hundekostüm (Mike Howard), der sie mehrfach in tückischen Situation mit dem Leben davonkommen lässt. Warum es zu den mehrmaligen direkten Interaktionen mit Gott kommt, habe ich auch nicht verstanden, weil ein Ziel der Serie dann bereits abgehakt werden kann oder gilt das nicht, weil es Tulip und nicht Jesse ist, die mit dem gelangweilten Schöpfer spricht? Immerhin darf Tulip wieder sehr viel aktiver sein als in der vorherigen Staffel.

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Sehr genossen habe ich ihre Rivalität mit Featherstone, die sich nun nicht mehr hinter Perücken und falschen Identitäten verstecken muss, sondern immer wieder direkt sticheln kann. Die gemeinsame Reise nach Japan, inklusive der Sensibilitätsschulung für die Firmenmitarbeiter, aber auch das Austricksen des Todesengels bei der Rückkehr finde ich herrlich. Prinzipiell merke ich aber auch, dass mich Featherstone und Starr mehr unterhalten als Tulip und Jesse. In der Beziehung der Protagonisten fehlt mir nämlich oft genug die spürbare Zuneigung der beiden und der Faktor, dass sie eigentlich durch Himmel und Hölle füreinander gehen würden, wie es im Comic auch der Fall ist.

Sei mein Messias!

Herr Starr ist eine tragische Figur, die das Beste aus einer beschissenen Lage machen möchte, aber wegen der Umstände immer wieder zum Improvisieren gezwungen wird. Sie steht unter der Knute des Allfather und möchte Jesses Notlage ausnutzen, um mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er hat Jesses Macht beschnitten, indem er die Seele gestohlen hat, bietet ihm aber Hilfe gegen seine Großmutter an. Dabei ist er eigentlich schlau genug zu wissen, dass Jesse seine Genesis-Kraft sofort gegen ihn einsetzen würde, wenn er sie wieder hätte.

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Das Problem ist: Er muss Starr helfen, denn die Alternative, an die der Allfather glaubt, ist ein Albtraum. Humperdoo (Tyler Ritter) ist durch jahrhundertelange Inzucht völlig ungeeignet als Messias, auch wenn der Allfather große finanzielle Mittel und Forschung in das Projekt steckt, das sich in dieser Staffel als Klonfabrik herausstellt. Jesse hat jedoch keine Lust, Starrs Messias zu sein. Allerdings muss man sich des Allfather entledigen, ehe Jesse sich um seine eigene Großmutter kümmern kann.

In einem grotesken Höhepunkt der Staffel platzt der fette Anführer des Grals, der Jesses Seele dort lagert, wo die Sonne nicht scheint und Starr und Jesse müssen in diesen Überresten kämpfen und sich teilweise auch mit dessen Innereien würgen. Immerhin bekommen beide Männer einen Teil von dem, was sie wollen: Starr ist den Allfather los und hat endlich das Kommando über den Gral, Jesse hat Genesis wieder und entlässt die Klon-Messiasse, die wie Lemminge die Welt zuspammen, und kann dann endlich Rache an der Großmutter nehmen, die zuvor ihr eigenes Schicksal an das von Tulip gekoppelt hat und Jesse damit in eine Zwickmühle der Passivität zwingt. Zunächst will Jesse sie nur viele weitere Jahre leiden lassen, geht dann aber doch noch einmal zurück, um den Job zu beenden und somit auch ihr Leben.

Les Enfants du sang

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Cassidy erhält in der Staffel wieder einen Vampir-Nebenstrang, der besser als der aus Staffel zwei unterhält. Er lernt den Vampir Eccarius (Adam Croasdell) kennen, der aussieht wie der Hauptdarsteller aus „Interview mit einem Vampir“ und sich als netter Kerl präsentiert, der Möchtegernvampire um sich schart. Er baut ein Geschäftsmodell auf, das aus ihnen echte Vampire macht, aber auch eine Schattenseite hat, die Cassidy erst spät aufdeckt, denn er nährt sich von den Menschen, um sich selbst zu stärken. Also muss Cassidy ihn aufhalten und seine Jünger gegen ihn aufbringen, was mit gemischten Resultaten gelingt.

Auch bei diesem aus den Comics bekannten Handlungsbogen nehmen sich die Macher einige Freiheiten, die ich allerdings relativ kurzweilig finde (Death by Bees!), weil die Normalos unterhaltsam sind und Eccarius in seiner Welt dermaßen überzogen ist, dass das passt und Cassidy somit zwingt aktiv zu werden. Obwohl er sich ein wenig von der dunklen Seite, die die Vampirwelt ermöglicht, verführen lässt, bleibt Cassidy doch im Endeffekt einer der Guten. Bemerkenswert ist außerdem, dass Tulip diejenige ist, die sich Sorgen um sein Wohlbefinden macht und sich nach der Schlacht mit den Nazis auf den Weg zu ihm macht. Weicht die Serie weiter von der Vorlage ab und macht die beiden nun zum zentralen Paar der Serie?

Am Ende der Staffel bringt Starr den Gral mit viel Kampfkraft in Stellung, hat Cassidy entführt und will Jesse zu sich locken, wobei auch der Saint of Killers es auf Jesse abgesehen hat.

Fazit

Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher
Szenenfoto aus der dritten Staffel von Preacher - © AMC

Insgesamt finde ich die dritte Staffel von Preacher durchwachsen. Die negativen Punkte überwiegen dieses Mal leider etwas. Es ist merkwürdig, denn ich würde die Serie eigentlich so gerne gut finden und genießen, aber es ist ein wahnsinniger Gemischtwarenladen an Ideen, die Rogen, Catlin und Goldberg in den zehn Folgen präsentieren. Für jede kurzweilige, überzogene Montage gibt es eine misslungene Szene rund um Hitler oder eine unsympathische Aktion von Jesse. Dazu kommt mir der Roadtrip-Charakter weiterhin zu kurz und Unnötiges wird teilweise zu lange hingezogen.

Es hat geholfen, wieder weniger Episoden umzusetzen und auch direkt mehrere Arcs einzubringen. Zum aktuellen Zeitpunkt wäre ich jedoch nicht traurig, wenn man mit der vierten Staffel zum Abschluss käme und Jesse endlich auf Gott treffen ließe.

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Verfasser: Adam Arndt am Sonntag, 9. September 2018
Episode
Staffel 3, Episode 10
(Preacher 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Das Licht über uns
Titel der Episode im Original
The Light Above
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. August 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 27. August 2018

Schauspieler in der Episode Preacher 3x10

Darsteller
Rolle
Ian Colletti
Pip Torrens
Julie Ann Emery
Colin Cunningham
TC
Betty Buckley
Jeremy Childs

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