Pose 1x01

© et it, girl! Indya Moore in „Pose“ (c) FX
Das Folgende mag sich merkwürdig anhören, aber ich war seit dem Start von The Leftovers emotional nicht mehr so hingerissen wie am Ende der Pilotepisode von Pose. Merkwürdig deshalb, weil es sich um ein Format von Ryan Murphy und Brad Falchuk handelt (die die Auftaktepisode mit Steven Canals geschrieben haben), die ich normalerweise nicht mit überbordenden Emotionen in Verbindung bringe, sondern eher mit überbordendem Pomp. Den gibt es hier auch, allerdings versehen mit einem zutiefst menschlichen Kern.
Murphy mit Twist
Das ist die große Verbesserung gegenüber Serien wie American Horror Story, Feud oder 9-1-1, die zwar alle auch mit großem Aufwand und toller Besetzung daherkommen, deren Sujet aber zumeist ziemlich oberflächlich, bisweilen sogar albern behandelt wird. In „Pose“ ist das Gegenteil der Fall und obendrauf gibt es faszinierende Tanzchoreographien sowie einen der besten - und wahrscheinlich teuersten - Soundtracks der jüngeren Seriengeschichte. Wenn man eben nicht auf die Eins-A-Schauspielerriege setzt, hat man genug Geld für exzellente Musik übrig.
Die Geschichte spielt im New York des Jahres 1987 und wird größtenteils aus der Sicht gesellschaftlich Randständiger erzählt. Mit einem größtenteils schwarzen Ensemble sowie mindestens zwei Transgender-Figuren präsentiert Murphy das progressivste Format seit Transparent, wobei hier nicht der Fehler gemacht wird, eine Transfigur nicht von einer Transschauspielerin darstellen zu lassen. Sowohl MJ Rodriguez wie auch Indya Moore bringen ihre eigenen Erfahrungen als Transfrauen in die Rollen mit - ein echter Fortschritt in Sachen Inklusion.
Rodriguez spielt Blanca, Tänzerin und Model im „House“ von „Mother“ Elektra (Dominique Jackson). Unter deren Anleitung nehmen sie und die übrigen Bewohner an sogenannten „Balls“ teil - lauten, schrillen, exorbitant extrovertierten Mode- und Tanzwettbewerben, bei der sich all die Ausgeschlossenen im New Yorker Untergrund, all die Schwulen, Lesben und anderweitig Andersartigen zusammenfinden, um eine große Party zu feiern, von einer Jury beurteilt zu werden und im besten Falle einen Preis zu gewinnen. Murphy inszeniert diese Ausschweifungen grandios, mit geradezu orgiastischem Enthusiasmus.
Weil sich Blanca jedoch ihrer Ideen beraubt sieht, beschließt sie, ein eigenes House zu eröffnen. Eine heruntergekommene Wohnung bietet dafür den ersten Zufluchtsort, auf neue Rekruten muss sie nicht allzu lange warten. Die Sexarbeiterin Angel (Moore) lässt sich genauso vom Mitmachen überzeugen wie der von zu Hause vertriebene, hochbegabte Tänzer Damon (Ryan Jamaal Swain), der von seinen Eltern hochkant rausgeworfen wurde, nachdem er sich ihnen gegenüber als schwul geoutet hatte. Blanca rettet ihn daraufhin vor einer Existenz auf der Parkbank.
Obwohl vielleicht manches zu glatt abläuft - Blanca gelingt es mit bloßer Willenskraft, für ihren „Sohn“ Damon einen Platz an einer prestigeträchtigen Tanzschule zu ergattern -, versinkt Pose nie im glitzernden Morast, den manch andere Murphy-Serien kennzeichnen. Das Herzstück der Serie sind ganz klar ihre Figuren, nicht ihr Äußeres. Sie durchleben gleich zu Beginn Himmel und Hölle, weinen und lachen zusammen, sind fies und gutmütig zueinander. Obwohl das Sujet der Serie sehr nischig gewählt ist, kann man sich mit ihren Protagonisten doch identifizieren. So soll das sein.
Trailer zu Episode 1x02: „Access“
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 4. Juni 2018Pose 1x01 Trailer
(Pose 1x01)
Schauspieler in der Episode Pose 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?