Political Animals 1x01

Political Animals 1x01

Am Sonntag feierte in den USA die neue Miniserie Political Animals aus der Feder von Everwood-Schöpfer Greg Berlanti Premiere, in der Sigourney Weaver eine US-Außenministerin spielt, welche einen sehr an ein reales Vorbild erinnert.

Sigourney Weaver als US-Außenministerin in „Political Animals“ / (c) USA Network
Sigourney Weaver als US-Außenministerin in „Political Animals“ / (c) USA Network

Elaine Hammond (Sigourney Weaver, „Alien“) ist Außenministerin der Vereinigten Staaten. Als Ex-Frau des sehr beliebten ehemaligen US-Präsidenten Bud Hammond (Ciarán Hinds, Rome) kennt sie den Betrieb in Washington in- und auswendig. Schon als sie noch mit Bud verheiratet war, hatte Elaine eine eigene politische Karriere begonnen: Sie war zur Gouverneurin eines Bundesstaates gewählt worden - und hatte sich selbst um die Nominierung für die demokratische Präsidentschaftskandidatur beworben, war dabei jedoch Senator Paul Garcetti (Adrian Pasdar, Heroes) unterlegen gewesen, welcher später tatsächlich zum Präsidenten gewählt worden ist und sie in sein Kabinett berufen hat.

Von den Affären ihres Gatten und seiner Fixierung auf die eigene politische Rolle ermüdet, hatte Elaine nach dem Verlust der Nominierung die Scheidung von ihrem Mann eingereicht. Erst zwei Jahre später sehen die beiden sich bei einem Abendessen im Vorfeld der Verlobung ihres gemeinsamen Sohns Douglas (James Wolk), Lone Star) wieder. Als wäre das nicht schon genug Stress, wird Elaine auch noch auf Schritt und Tritt von der Reporterin Susan Berg (Carla Gugino, Californication) begleitet, welche sich de facto mit einer Erpressung den Zugang zur Ministerin verschafft hat. Außerdem bricht just in diesem Augenblick eine diplomatische Krise los, als drei amerikanische Journalisten im Iran als vermeintliche Spione verhaftet werden...

Man muss gar nicht lange um den heißen Brei herumreden: Political Animals ist zwar da und dort fiktional ein wenig verfremdet, weist ansonsten aber klar erkennbare Parallelen zur Geschichte der Familie Clinton auf. Angefangen bei Elaines/Hilarys Wahlkampf bis hin zu Buds/Bills Mission zur Befreiung dreier/zweier Journalisten aus dem Iran/Nordkorea. In der Literatur würde man so etwas wohl einen Schlüsselroman nennen.

Das ist gerade unter dem Gesichtspunkt der Differenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit ein bisweilen sehr interessantes Gedankenspiel: Wie hätte sich möglicherweise die Wahrnehmung von Hilary und die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber Bill Clinton geändert, wenn sie sich tatsächlich von ihm hätte scheiden lassen und nicht an seiner Seite geblieben wäre?

Die Nähe zu den realen Vorbildern birgt allerdings auch gewisse Gefahren: Während Sigourney Weaver als Widergängerin von Hilary Clinton klar zu dechiffrieren ist, sie die Figur jedoch gleichzeitig mit einem derart großen emotionalen Facettenreichtum ausstattet, dass sie gegenüber ihrem Vorbild ein Eigenleben bekommt, überzieht Ciarán Hinds seine Bill-Clinton-Imitation so weit, dass er mehr wie eine Parodie herüberkommt. Das mag so gewollt sein, hinterlässt aber trotzdem einen Eindruck des Befremdens, da man nicht im mindesten nachvollziehen kann, wie Elaine sich in diesen Clown verlieben konnte - und sogar immer noch Gefühle für ihn hegt.

Abgesehen davon sind die schauspielerischen Leistungen makellos: Mrs. Weaver glänzt wie gewohnt. Besonders stark sind dabei ihre gemeinsamen Szenen mit Carla Gugino, was allerdings auch daran liegen kann, dass die Beziehung ihrer beiden Figuren die spannendste Konstellation in der Pilotfolge abgibt: Eigentlich sind sie sich von ihrem Typus als starke, unabhängige, feministische Frauen sehr ähnlich. Funktional finden sie sich jedoch als Politikerin und Journalistin auf verschieden interessierten Seiten wieder.

Das Faszinierende an den beiden ist das Wechselspiel aus (vermeintlich) offener Ablehnung und Abneigung einerseits (Susan sieht Elaine als Verräterin an der feministischen Sache, Elaine wiederum ist Susan wegen ihrer Aufdringlichkeit und ihrer Methoden zuwider) und einem unterschwelligen Respekt andererseits, welcher sogar das Potenzial für ein freundschaftliches Verhältnis birgt. Nicht zuletzt, weil Susan mit ihrem Chefredakteur/Lebensgefährten ein sehr ähnliches Schicksal wie Elaine erleidet. Eigentlich, so wünschen wir es uns als Zuschauer, müssten die beiden Frauen Freundinnen sein. Von allen Beziehungen in der Pilotfolge ist das komplizierte Verhältnis von Elaine und Susan diejenige, welche die stärksten (positiven) Emotionen weckt.

Ellen Burstyn wird als Elaines Mutter Margaret in der Pilotfolge noch etwas unterfordert. Sie hat im Grunde nur eine gute Szene, welche allerdings zugleich einer der wenigen wirklich witzigen Momente ist: ihr Dialog mit Susan, als diese sie - angeblich „off the record“ - zu befragen versucht und Margaret sich ihrem Zugriff entzieht („I can't talk on the record anyway. I'm either too drunk or too honest or, God forbid, both...“).

Dass sie anfangs etwas im Hintergrund steht, hat allerdings auch etwas für sich. Schließlich macht die Pilotfolge (mit 72 Minuten schon fast eher ein Pilotfilm) ohnehin bisweilen einen etwas überladenen Eindruck. Es ist ja richtig und wichtig, dass ein Pilot expositorische Informationen vergibt. Da und dort hätte der Erzählung allerdings doch ein bisschen mehr Fokus gutgetan. Ist beispielsweise die Magersucht von Dougs Verlobter Anne (Brittany Ishibashi) wirklich so wichtig, dass sie unbedingt hier schon angerissen werden muss? Für den weiteren Verlauf der Serie vielleicht, für den Piloten dagegen eher nicht.

Fazit

Political Animals lebt von drei Dingen: dem Bezug zu den Clintons, durch den die Serie den Eindruck von Authentizität erhält, dem Zusammenstoß zweier starker Frauenfiguren, durch den die Erzählung ihre emotionale Grundierung bekommt. Und Sigourney Weaver, Sigourney Weaver, Sigourney Weaver. Dafür ist man dann auch bereit über manche Schwächen im Aufbau und in den Dialogen hinwegzusehen.

Zwischen ihnen liegt anfangs mehr als nur ein Sofa: Susan und Elaine. © USA Network
Zwischen ihnen liegt anfangs mehr als nur ein Sofa: Susan und Elaine. © USA Network
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 17. Juli 2012

Political Animals 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Political Animals 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Juli 2012 (USA Network)
Regisseur
Greg Berlanti

Schauspieler in der Episode Political Animals 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?