Pitch Perfect - Bumper in Berlin: Kritik zur A-cappella-Comedy

Pitch Perfect - Bumper in Berlin: Kritik zur A-cappella-Comedy

Bei Peacock startet diese Woche die sechsteilige A-cappella-Comedy Pitch Perfect: Bumper in Berlin mit Adam DeVine, Flula Borg, Sarah Hyland und Jameela Jamil. Sind die dargebotenen Deutschlandklischees halbwegs erträglich?

Poster zur Serie Pitch Perfect: Bumper in Berlin (c) Peacock
Poster zur Serie Pitch Perfect: Bumper in Berlin (c) Peacock
© oster zur Serie Pitch Perfect: Bumper in Berlin (c) Peacock

Die „Pitch Perfect“-Trilogie hat zwischen 2012 und 2017 A-cappella-Musik wieder „cool“ gemacht, falls das überhaupt möglich ist. Außerdem wurden mit ihr Stars wie Anna Kendrick und Rebel Wilson berühmt. Adam DeVine (Workaholics) und Flula Borg - ein deutscher YouTube-Weltstar, den man in Deutschland kaum kennt - standen damals eher in der zweiten Reihe, dürfen mit dem Sechsteiler Pitch Perfect: Bumper in Berlin bei Peacock nun aber die erste Serie zum Franchise anführen. Unterstützt werden sie von Sarah Hyland (Modern Family) und Jameela Jamil (She-Hulk, The Good Place).

Man sieht bereits, dass der namhafte Cast die größte Stärke des Formats ist, das mit seinen ersten Vorschauvideos schon kräftig die Welle der völlig überholten Deutschlandklischees geritten ist - von Nenas „99 Luftballons“ bis hin zum eigentlich ja bayrischen, nicht berlinerischen Oktoberfest. Klar handelt es sich um eine Comedy, und ein bisschen Selbsthumor müssen wir Deutschen endlich mal lernen, aber man spürt einfach, dass das Writing der von Megan Amram (ebenfalls „The Good Place“) und Elizabeth Banks (Regisseurin beim ersten Film) entwickelten Serie nicht sehr viel Fleiß erfordert hat. Reicht der generelle Charme dennoch aus, dass man gerne weiterschaut?

Worum geht's?

Zunächst zum Inhalt: Der Titelcharakter Bumper Allen (DeVine) hängt noch immer am College fest, wo er einst seine musikalische Glanzzeit erlebte. Inzwischen arbeitet er als Sicherheitsmann, will aber weiter an seinen Träumen festhalten, während seine früheren Weggefährten erwachsen geworden sind und realistischere Karrieren eingeschlagen haben. Eines Tages kommt ein unverhoffter Anruf aus Deutschland, nämlich von Pieter Krämer (Borg), Bumpers früherem Konkurrenten, den man im zweiten Teil als Frontmann von „Das Sound Machine“ kennenlernte. Mittlerweile ist Pieter als Talentmanager aktiv und bietet Bumper eine einmalige Chance.

Mit einem kleinen Internetvideo, einem Cover-Remix von „99 Luftballons“ und „Take On Me“, soll Bumper in Deutschland durch die Decke gegangen sein. Nun sei der richtige Zeitpunkt, um im Land von Bier und Brezel richtig durchzustarten. Zunächst zaudernd zieht Bumper schließlich um, und wird in Berlin direkt von Pieters liebenswürdiger Assistentin Heidi (Hyland) umsorgt. Die erwartbare Romanze der beiden funktioniert nur in den albernen Momenten, weil sie beide alberne Figuren sind. Wenn später echte Emotionalität dazukommt, fühlt man sich ein bisschen auf den Arm genommen. Gleiches gilt für die Lieder, die langsamen Balladen will man am liebsten überspringen...

Peacock
Peacock - © Peacock

Von dieser netten Überraschung einer neuen Liebe abgesehen, bringt der Umzug nach Berlin für Bumper nur negative Neuigkeiten. So wird er nicht in einem schicken Hotel untergebracht, sondern in einer Jugendherberge, wo ihm die strenge Leiterin Ursula, gespielt von Katharina Thalbach („Die Blechtrommel“), gehörige Angst einflößt. Und auch Pieter war nicht ganz ehrlich mit ihm: Nicht nur wurde der zackige Sänger aus der deutschen A-cappella-Szene verbannt, weil er die goldene Regel gebrochen hat (Stichwort Playback), auch hat er Bumpers Berühmtheit deutlich übertrieben.

Auf die Hilfe von seiner Schwester kann Pieter leider auch nicht zählen. Sie ist nämlich eine erfolgreiche Technomusikerin, die unter dem Künstlernamen DJ Das Boot in den Berliner Szeneclubs auftritt (gespielt wird sie von Lera Abova). Planlos und ohne Erfolgschancen bereut Bumper seine überhasteten Umzug sehr bald. Als dann auch noch Pieters Exfreundin Gisela (Jamil) ihm seinen Auftritt bei der Wiedervereinigungsfeier verdirbt, indem sie ihm seinen Song klaut, scheint alles verloren. Doch kann sich Pieter mit Heidis und Pieters Zuspruch nochmal aufraffen?

Wie ist es?

Alles in allem fällt es schwer, eine klare Empfehlung für die neue Peacock-Comedyserie Pitch Perfect: Bumper in Berlin auszusprechen. Zumindest das sympathische Ensemble rund um Adam DeVine, Flula Borg, Sarah Hyland und Jameela Jamil ist sehenswert. Deutsche Zuschauer:innen müssen hingegen einige Klischeekröten schlucken, wobei man sich wenigstens ein paar neue Vorurteile über Deutschland wünschen würde, und nicht dieselben wie schon vor 30 Jahren. Die netteste Vorbeugung der Serie vor ihrem Handlungsort steckt in den Episodentiteln. Darin werden so schöne deutsche Wörter wie „Backpfeifengesicht“, „Torschlusspanik“, „Verschlimmbessern“, „Streicheleinheit“, „Mutterseelenallein“ und „Lebensabschnittspartner“ erklärt.

Im Prinzip fängt die Serie von Megan Amram und Elizabeth Banks auch ganz gut den Ton der dreiteiligen Film-Vorlage ein. Nur dass die Hauptfigur, also Bumper, nicht optimal als Hauptfigur ist. Er ist so sehr die Karikatur eines Dummkopfes, dass es schnell ermüdend wird. Und wie gesagt: Die emotionalen Szenen - zum Beispiel zwischen ihm und Heidi - funktionieren dadurch auch nicht. „Bumper in Berlin“ sollte man sich nur anschauen, wenn man wirklich schon alles andere geschaut hat. Drei von fünf Brezeln.

Hier der Trailer zur neu gestarteten Peacock-Comedy Pitch Perfect - Bumper in Berlin:

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