Sarah Lancashire wurde durch ihre Rolle als Raquel Watts in der Soap „Coronation Street" bekannt und feierte später mit der Krimiserie „Happy Valley" als Polizistin Catherine Cawood ihren größten internationalen Erfolg.
Sarah Lancashire wurde als Tochter von Geoffrey Lancashire geboren, der selbst als früher Drehbuchautor für Coronation Street (1960-1960) tätig war und damit früh den Weg in die Welt des Fernsehens ebnete. Sie wuchs in einem Haushalt auf, in dem Theater und Fernsehen ständige Gesprächsthemen waren, was ihr Interesse an der Schauspielerei bereits in jungen Jahren weckte. Ihre schauspielerische Ausbildung absolvierte sie an der renommierten Guildhall School of Music and Drama, die sie im Jahr 1986 erfolgreich abschloss. Nach dem Abschluss sammelte sie zunächst Erfahrungen im lokalen Theater und übernahm kleinere Gastrollen in Fernsehserien und Sitcoms. Diese frühen Jahre legten den Grundstein für eine Karriere, die sich über vier Jahrzehnte erstrecken sollte und sie zu einer der angesehensten Schauspielerinnen des britischen Fernsehens machte
Ihren großen Durchbruch erlebte Lancashire durch die Rolle der Raquel Watts in der langjährigen britischen Seifenoper Coronation Street (1991-1996), in der sie ursprünglich nur für wenige Episoden vorgesehen war. Raquel Watts entwickelte sich zu einer der beliebtesten Figuren der Serie und wurde als warmherzige, aber oft unglückliche Figur mit komischem Talent angelegt, die dennoch immer wieder mit persönlichen Rückschlägen zu kämpfen hatte. Insgesamt erschien Lancashire in über 260 Episoden der Serie und kehrte im Jahr 2000 noch einmal für eine kurze Rückkehr der Figur zurück. Während dieser Zeit lernte sie am Set auch den Fernsehproduzenten Peter Salmon kennen, der damals für die produzierende Firma Granada Studios arbeitete. Der Erfolg dieser Rolle brachte ihr im Juli 2000 einen zweijährigen exklusiven Vertrag mit dem Sender ITV ein, der sie zeitweise zur bestbezahlten Fernsehschauspielerin Großbritanniens machte
Nach ihrem Abschied von Coronation Street übernahm Lancashire die Hauptrolle der Ruth Goddard in der Serie Where the Heart Is (1997-1999), in der sie eine Landärztin in einer kleinen englischen Gemeinde verkörperte. Die Figur zeichnete sich durch Fürsorglichkeit und einen starken Gerechtigkeitssinn aus und stand oft im Mittelpunkt emotionaler Handlungsstränge rund um das Dorfleben. In der Krankenhausserie Clocking Off (2000-2000) spielte sie in sechs Episoden die Fabrikarbeiterin Yvonne Kolakowski, eine Figur, die mit familiären Spannungen und den Herausforderungen des Arbeitsalltags in einer Textilfabrik konfrontiert wird. Für ihre Darstellung der Kinderbetreuerin Coral Atkins im Fernsehfilm „Seeing Red“ (2000) erhielt sie ihren ersten National Television Award, was ihren Ruf als vielseitige Charakterdarstellerin festigte. In diesen Jahren bewies Lancashire wiederholt, dass sie sowohl in komödiantischen als auch in ernsten Dramenrollen überzeugen konnte
Zwischen 2008 und 2011 übernahm Lancashire die Rolle der erwachsenen Laura in der BBC-Kostümserie Lark Rise to Candleford (2008-2011), die das Leben in einem englischen Dorf im späten neunzehnten Jahrhundert schilderte. Die Serie umfasste insgesamt 40 Episoden, in denen ihre Figur den Wandel des ländlichen Lebens im viktorianischen England miterlebte. In der Literaturverfilmung Wuthering Heights (2009) übernahm sie in zwei Episoden die Rolle der Haushälterin Nelly Dean, einer Erzählerfigur, die als Bindeglied zwischen den verschiedenen Generationen der Handlung fungiert. Auch in der Science-Fiction-Serie Doctor Who (2008-2008) trat sie in einer Gastrolle als Miss Foster auf, was ihre Bereitschaft zeigte, auch außerhalb klassischer Kostümdramen zu arbeiten. Diese Phase ihrer Karriere unterstrich ihre Fähigkeit, sowohl in historischen als auch in fantastischen Stoffen überzeugende Nebenfiguren zu gestalten
Ein entscheidender Wendepunkt in Lancashires Karriere war die Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Sally Wainwright, die mit der Serie Last Tango in Halifax (2012-2020) begann. Darin spielte sie die Figur Caroline, eine Oxford-gebildete Schulleiterin, die durch die zweite Heirat ihrer Mutter im hohen Alter beginnt, ihre eigene Identität und sexuelle Orientierung zu hinterfragen. Für diese Rolle erhielt sie im Jahr 2014 ihren ersten BAFTA Television Award in der Kategorie beste Nebendarstellerin. Die Serie lief über insgesamt 24 Episoden und mehrere Staffeln und gilt als eine der prägendsten Arbeiten ihrer späteren Karriere. Die enge künstlerische Beziehung zwischen Lancashire und Wainwright sollte sich in den folgenden Jahren als eine der fruchtbarsten Partnerschaften des britischen Fernsehens erweisen
Im Jahr 2014 übernahm Lancashire die Rolle der Polizeisergeantin Catherine Cawood in der Krimiserie Happy Valley (2014-2023), die von Sally Wainwright geschrieben wurde und im ländlichen West Yorkshire spielt. Die Figur der Catherine Cawood zeichnet sich durch eine unnachgiebige Härte im Berufsalltag aus, während sie gleichzeitig private Traumata verarbeitet, darunter den Selbstmord ihrer Tochter und die Erziehung ihres Enkels. Über drei Staffeln mit insgesamt 18 Episoden entwickelte sich ein anhaltender Konflikt zwischen Cawood und dem Verbrecher Tommy Lee Royce, der von James Norton gespielt wurde. Für ihre Darstellung erhielt Lancashire im Jahr 2017 sowie erneut im Jahr 2024 den BAFTA Television Award als beste Hauptdarstellerin. Die finale Staffel aus dem Jahr 2023 endete mit einer vielbeachteten Konfrontation zwischen den beiden Hauptfiguren in einer Küche, eine Szene, die bei den BAFTA Awards als einprägsamster Moment des Jahres ausgezeichnet wurde
Im Jahr 2022 übernahm Lancashire die Titelrolle in der Serie Julia (2022-2022), in der sie die berühmte amerikanische Köchin Julia Child über 16 Episoden hinweg verkörperte und dabei deren Weg zum Fernsehstar in den sechziger Jahren nachzeichnete. Diese Rolle bedeutete für Lancashire den Einstieg in eine amerikanische Produktion und erweiterte ihr internationales Publikum erheblich. In der Miniserie Das Unglück (2019-2019) spielte sie in vier Episoden die Figur Polly Bevan, eine Mutter, die nach einem tragischen Bauunfall in ihrer Gemeinde mit Schuldfragen und Vertuschungsversuchen konfrontiert wird. Zuletzt war sie in der Netflix-Produktion Black Doves (2024-2024) in sechs Episoden als Mrs. Reed zu sehen, eine Figur mit Verbindungen zur Welt der Spionage neben Schauspielern wie Keira Knightley und Ben Whishaw. Diese jüngeren Projekte zeigen, dass Lancashire auch im fortgeschrittenen Karrierestadium weiterhin gefragte Hauptrollen in internationalen Produktionen übernimmt
Im Laufe ihrer Karriere wurde Lancashire mit zahlreichen Preisen bedacht, darunter mehrere BAFTA Television Awards für ihre Arbeit in Last Tango in Halifax (2012-2020) und Happy Valley (2014-2023). Im Jahr 2017 wurde sie im Rahmen der Birthday Honours zum Officer of the Order of the British Empire ernannt, eine Auszeichnung für ihre Verdienste um die darstellende Kunst. Im Jahr 2025 folgte die Erhebung zum Commander of the Order of the British Empire, womit ihre langjährigen Beiträge zum britischen Drama noch einmal offiziell gewürdigt wurden. Bei der Verleihung des CBE äußerte sie sich zu ihrer Rolle als Catherine Cawood und beschrieb ihre Leistung als Ergebnis von Nervosität und dem Gefühl, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Auch bei den National Television Awards wurde sie wiederholt ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2023 mit einem Special Recognition Award für ihr Lebenswerk
Sarah Lancashire heiratete im Jahr 1987 im Alter von 22 Jahren ihren ersten Ehemann, den Musikdozenten Gary Hargreaves, mit dem sie zwei Söhne, Thomas und Matthew, bekam. Die Ehe hielt zehn Jahre, bevor sich das Paar 1995 trennte, wobei Lancashire später offen über eine Zeit schwerer Depressionen sprach, die sie mit Therapie und der Einnahme von Antidepressiva bewältigte. Im August 2001 heiratete sie den Fernsehmanager Peter Salmon in einer zurückhaltenden Zeremonie in Langar Hall in Nottinghamshire, nachdem er ihr während eines Urlaubs in New York einen Antrag gemacht hatte. Im März 2003 kam ihr drittes Kind, Sohn Joseph, zur Welt, während Salmon zudem drei Söhne aus seiner vorherigen Ehe mit Penny Watt mit in die Beziehung brachte, wodurch die Familie insgesamt sechs Söhne umfasst.