Person of Interest 3x14

Das passiert in der Person of Interest-Folge Provenance:
Reese (Jim Caviezel) ist zurück aus Italien - natürlich mit einem schönen neuen Anzug im Gepäck - und bereit für einen neuen Auftrag. Tatsächlich hat die Maschine Finch (Michael Emerson) eine neue Nummer gegeben: Kelli Lin (Elaine Tan, „EastEnders“), gebürtige Chinesin, arbeitet als Eventmanagerin. In Wahrheit, das findet das Team Machine bald heraus, ist sie jedoch eine geschickte Diebin, die sich auf Kunst- und Antiquitätenraub spezialisiert hat. Interpol ist ihr, in Gestalt des französischen Agenten Alain Bouchard (Henri Lubatti, Sleeper Cell), schon lange auf den Fersen.
Shaw (Sarah Shahi) kann verhindern, dass Kelli eine wertvolle Gutenberg-Bibel stiehlt. Dabei stellt sich jedoch heraus, dass Kelli unter Zwang handelt. Ihre Tochter wird von tschechischen Gangstern gefangen gehalten. Wenn Kelli, die ehemalige Gymnastik-Olympionkin, die Bibel nicht besorgt, muss ihre Tochter dafür büßen. Also macht sich das Team Machine daran, die Bibel selbst zu stehlen. Das allerdings erweist sich als ziemlich große Herausforderung, denn die Sicherheitsfirma, welche das Buch eingelagert hat, ist mit allen Schikanen ausgestattet...
Die Team-Folge
4C ist die Folge gewesen, die Reese zur Rückkehr ins Team bewegen sollte. Provenance ist die Folge, welche das Team erstmals nach seiner Rückkehr wieder gemeinsam in Aktion zeigt. Die Autoren haben dazu eine reine Fall-der-Woche-Geschichte gewählt, was wahrscheinlich gar nicht mal so verkehrt ist. Zwischendurch ging zwar dem Rezensenten im Kopf herum: „Vielleicht stoßen sie ja bei ihrem Einbruch in die Sicherheitsfirma auf Spuren von Decima...“ Mit solchen Überraschungen muss man bei Person of Interest schließlich rechnen. Doch letztlich ist es ganz gut, dass es dazu nicht gekommen ist.
Es ist eine Folge, in dem das Team als solches im Vordergrund steht. Und ein „Ocean's Eleven“-Gangsterstück ist da genau die richtige Story, um das reibungslose Zusammenspiel unserer Hauptfiguren zu demonstrieren.
Die Team-Dynamik
Ja, natürlich, zu Beginn ist es für Reese etwas sonderbar, seinen Platz zu finden. Seine Reservepistole ist nicht mehr dort, wo er sie hingelegt hat. Shaw hat sie woanders deponiert, was durchaus symbolhaft für eine gewisse Verschiebung in der Teamdynamik steht. Zu Anfang der Staffel ist Shaw die Außenseiterin gewesen, die sich erst mal daran gewöhnen musste, dass ihr Job nicht mehr darin besteht, Leute abzuknallen. Das ist eine Einsicht, die sich, wie wir am Ende von Provenance hören, bei ihr offenbar mittlerweile gesetzt und verfestigt hat. Sie hat ihren Platz im Team gefunden. Und naturgemäß ist es nun der Rückkehrer Reese, der zunächst ein bisschen außen vor scheint.
Doch das alles spielt keine Rolle mehr, sobald sie sich im Einsatz befinden. Finch, Reese, Shaw und „Yeah, I know people!“ Fusco (Kevin Chapman) harmonieren perfekt miteinander. Der Heist läuft ab wie ein fein abgestimmtes Räderwerk. Jeder ist genau da, wo er sein muss. Jeder bringt genau die Fähigkeiten ein, die ihn zu einem unverzichtbaren Teil des Teams machen. Kein Wundern also, dass Fusco am Ende sogar von einem Einbruch in Fort Knox fantasiert.
Der Team-Zusammenhalt
Die Schlussszene in Serien heißt im dramaturgischen Sprachgebrauch Tag, was sich aus dem Englischen heraus mit so viel wie Anhängsel übersetzen lässt. Das suggeriert (und ist manchmal auch gar nicht so unzutreffend), dass die Szene eigentlich überflüssig ist. In Provenance ist die Tag-Szene dagegen, so würde ich argumentieren, die raison d'être - der Daseinsgrund - der ganzen Episode.
Der Team- (man ist fast geneigt zu sagen: der Familien-) Zusammenhalt wird zementiert. Ja, wir haben schon früher gesehen, dass Finch und Reese gemeinsame Aktivitäten auch abseits der Arbeit unternommen haben (etwa ihr Kinobesuch in Proteus). Doch hier sitzt zum ersten Mal die ganze Familie bei einem guten Glas Whiskey beisammen. Die Stimmung ist gelöst (hat man Finch schon mal so oft hintereinander lächeln sehen?). Die Szenerie ist in das warme Licht des Kaminfeuers getaucht. Das Team hat einen tollen Job gemacht - und feiert zusammen den guten Ausgang. Reese ist so ein bisschen der Stimmungskiller. Und doch ist die Erinnerung an Carter keineswegs unpassend. Im Gegenteil: sie ist nicht nur nicht vergessen, sondern sie wird im Geiste immer ein Teil dieses Teams sein.
Ich muss gestehen: bei der letzten Einstellung - das Whiskeyglas für Carter, mit dem Kaminfeuer im Hintergrund, da sind dem Rezensenten ein paar Tränen heruntergekullert...
French Fries
Provenance ist eine schöne Teamfolge mit einem schön ausgeklügelten Heist. Die Story dahinter ist jetzt nicht unbedingt das Highlight der Serie. Das entführte Kind als Druckmittel beispielsweise haben wir dann ja doch schon häufiger in Film und Fernsehen gesehen. Aber das soll gar nicht gegen die Folge sprechen. Schließlich kann man nicht jede Woche das Rad neu erfinden. Und da und dort hatte die Episode durchaus überraschende Momente. So geht es zumindest dem Rezensenten so, dass er bei französischen Figuren (insbesondere Polizisten) in US-Serien automatisch damit rechnet, dass sie sich als Verräter oder sonstwie korrupt herausstellen. Insofern war es eine schöne Überraschung, dass der als knochenharte Jagdhund eingeführte Alain am Ende einen sehr sympathischen, mitfühlenden Zug zeigt - und Kelli zur Flucht verhilft.
Bowties: Cool but complicated
Nicht unter den Tisch fallen sollten darüber hinaus die vielen wieder mal wunderbar komischen Momente der Episode: etwa Johns Kampf mit der Fliege (Gut, dass ihm der elfte Doctor aus Doctor Who nie über den Weg gelaufen ist; der hätte sich mit seinem ständigen „Bowties are cool“ wohl eine Schelle von Reese eingefangen...). Oder auch der Verdacht der Empfangsdame, dass Finch und Reese mehr als nur... platonische Freunde sind, was von Finch auch noch mit einem koketten Augenaufschlag scherzhaft bestätigt wird. Spätestens damit dürfte Person of Interest wohl Gegenstand eines sehr speziellen Zweigs von Fanliteratur werden...
Fazit
Eine grundsolide, sehr unterhaltsame Folge mit einem grandiosen Soundtrack, schönen Akrobatikeinlagen und einem durch und durch zu Herzen gehenden Ende.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 5. Februar 2014(Person of Interest 3x14)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?