Person of Interest 3x13

Das passiert in der Person of Interest-Folge 4C:
Reese (Jim Caviezel) hat mit dem Team und vor allem mit der Maschine gebrochen. Er ist entschlossen, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen - und hat dazu einen Einfachflug nach Istanbul gebucht. Doch am Flughafen gibt es Schwierigkeiten und er wird auf einen anderen Flug umgebucht, der über Rom führt. In der Maschine sieht Reese, dass zwei US-Marshals einen Gefangenen, den Computer-Programmierer Owen (Samm Levine, Do No Harm), transportieren.
Als er einen der Marshals bewusstlos auf der Toilette findet und dessen Waffe fehlt, ruft er umgehend Finch (Michael Emerson) an. Er glaubt, dass dieser eine Nummer erhalten und ihn, Reese, ohne sein Wissen und seine Zustimmung auf eine Mission geschickt hat. Doch Finch hat zunächst überhaupt keine Ahnung, wovon Reese überhaupt spricht. Offenbar hat die Maschine von sich aus gehandelt. Von Finch erfährt Reese, dass Owen ein Zeuge in einem internationalen Drogenprozess ist. Doch offenbar ist es nicht nur ein kolumbianisches Drogenkartell, welches ihn tot sehen will. Finch hat den Verdacht, dass es sich bei Owen um eine relevante Nummer und damit um einen Fall der nationalen Sicherheit handelt...
Nur weg von hier
Nach Aletheia ging den besorgten Person of Interest-Fans vor allem eine Frage im Kopf herum: Was ist mit John? Wann und wie kommt er zum Team Machine zurück?
Hätte Jim Caviezel aus der Rolle aussteigen - oder zumindest eine Pause einlegen - wollen, wäre das von der Geschichte her der optimale Zeitpunkt gewesen. John kann es nicht verwinden, dass Carter gestorben ist - und dass auch die Maschine daran nichts hat ändern können. Es kommt ihm so vor, als ob die Arbeit des Teams sinnlos sei - und sie ohnehin nur das Unvermeidliche aufschieben. In 4C artikuliert er zudem seine Frustration über Finch und die Maschine; dass beide mehr wissen, als sie sagen; dass beide Informationen für sich behalten. Das ist ein Punkt, auf den später noch genauer eingegangen werden muss.
Zunächst bleibt festzuhalten: Johns Motivation, das Team zu verlassen, ist sehr stark. Umso besser müssen deshalb die Gründe sein, die ihn zu einer Umkehr bewegen.
John und Harold
4C dient im Grunde nur diesem einen Zweck: John ins Team zurückzuholen. Es ist eine sehr reduzierte Folge: Fusco (Kevin Chapman) und Root (Amy Acker) kommen darin beide nicht vor. Auch Shaw (Sarah Shahi) spielt nur eine Nebenrolle. Es geht primär um John und Harold, was nicht nur das Herz von PoI-Nostalgikern hochschlagen lässt. Die Beziehung dieser beiden Figuren ist der (emotionale) Kern von Person of Interest. Eine Folge, die davon handelt, dass John das Team verlassen will, muss sich deshalb mit dem Verhältnis der beiden zueinander befassen.
Gegenüber der netten, hilfsbereiten Stewardess Holly (Sally Pressman, Army Wives) sagt John, dass er nicht auf seinen Boss (also Harold), sondern auf den Boss seines Bosses (also die Maschine) sauer ist. Nur kurze Zeit später merken wir jedoch, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht. Als er Owen herunterputzt („You computer guys, you build something that you can't control. And when it backfires you won't accept responsibility...“), da merken wir als Zuschauer - genau wie Owen -, dass er nicht nur über diesen spricht. Ja, er ist auch sauer auf Harold. Und es ist fraglich, ob dieses Gefühl auch nach dem Ende dieser Folge gänzlich verraucht ist.
Hilfsbereitschaft
Fraglos ist dagegen, dass 4C John die Gelegenheit gibt, eine ganze Passagiermaschine zu retten. Wobei Harold ihm eine große und ganz entscheidende Hilfe ist (auch wenn über die betreffende Szene gleich noch zu reden sein wird). Vor allem aber scheint es Holly zu sein, die ihm einen neuen Sinn für... im Englischen würde man wohl von purpose sprechen; einen neuen Sinn für seine Aufgabe, seine Bestimmung gibt. Holly ist, wie schon erwähnt, nett und freundlich und hilfsbereit. Sie arbeitet in einem Beruf, in dem ihr das kaum jemand dankt. Und trotzdem macht sie weiter. Und trotzdem hört sie nicht auf, hilfsbereit zu sein. „Let me help you...“ Sie stellt die wohl entscheidende Frage, die John zum Umdenken bewegt: „Whatever happened to people helping other people?“
Das vielleicht Beste, was die Person of Interest-Autoren tun konnten, war, John, der einem so außergewöhnlichen Beruf nachgeht, mit jemandem zusammenzubringen, der einen ganz gewöhnlichen, alltäglichen Beruf hat, der aber trotzdem für John als eine Art Spiegel fungiert. So sehr, dass John am Ende als Beruf angibt: „I help people.“
Der menschliche Faktor
Steht also nur noch die „Versöhnung“ mit Harold aus. Diese vollzieht sich - atmosphärisch sehr stimmungsvoll - in einem römischen Straßencafé. Harold offenbart, dass er die Maschine bewusst so konstruiert hat, dass sie nur begrenzt Informationen preisgibt. Von Beginn an haben wir uns gefragt, wie es sein kann, dass die Maschine nicht eindeutig Täter als Täter beziehungsweise Opfer als Opfer identifiziert. Sie tut es nicht, weil Harold das Schicksal von Menschen nicht dem Automatismus einer Maschine überlassen will. Ob diese unbedingt und in jedem Fall dafür besser geeignet sind, darüber lässt sich zwar streiten. Aber es ist auf jeden Fall - in einem Zeitalter, in dem an automatisch agierenden Kampfdrohnen gearbeitet wird - ein sehr bedenkenswerter und diskussionswürdiger Punkt.
Harold erklärt, warum die Maschine so ist, wie sie ist. Er lädt John in ein Museum an, wo Kunstwerke von Graces Lieblingsmaler hängen. Es ist so selten, dass er überhaupt von ihr spricht. Hier tut er es. Er zeigt deutlich, dass er sich gegenüber John öffnet. Und dieser reagiert darauf mit der Ankündigung, sich einen neuen Anzug schneidern lassen zu wollen. Dieser Moment zwischen den beiden... Ich kann gar nicht sagen, wie warm mir ums Herz geworden ist! Als die beiden danach Seite an Seite die Straße hinabgehen, da ist mir, glaube ich, sogar ein Seufzer entfahren... Endlich ist John wieder zurück! 4C hat allein damit schon seine Aufgabe erfüllt!
Man könnte darüber diskutieren, dass die Freude vielleicht sogar noch größer gewesen wäre, wenn man zumindest eine Folge ohne John dazwischengeschaltet hätte, um das Gefühl des Ihn-Vermissens noch zu steigern. Doch so grausam wollten die Autoren dann wohl doch nicht sein. Zumal wir in den USA in den nächsten zwei Wochen auf PoI verzichten müssen.
Der Fall
Was nun den Fall als solches angeht, so ist der Eindruck etwas zwiegespalten: Thematisch kommt einem die Folge auf dem Hintergrund der Berichterstattung rund um die Drogen-Plattform Silk Road sehr aktuell vor. Auch, dass es die Autoren geschafft haben, den Fall-der-Woche mit dem fortlaufenden Handlungsstrang rund um die Activity/Control-Gruppe in Verbindung zu bringen, ist sehr gelungen.
Die schiere Anzahl von Killern, die es auf Owen abgesehen haben (und die netterweise alle warten, bis sie dran sind), wirkt allerdings doch arg konstruiert. Auch ist es ein bemerkenswerter Zufall, dass Johns ursprünglich gebuchter Flug und der Owen-Flug so gut zeitlich und räumlich koordiniert sind. Was hätte die Maschine bloß gemacht, wenn John sein Exil lieber in Südamerika gesucht hätte? Oder ein paar Tage später hätte fliegen wollen? Hmm...
Die Konsolen-Rettung
Und dann ist da natürlich auch noch der „Star Trek: Der Aufstand“-Moment. Der Film ist eigentlich gar nicht mal sonderlich schlecht. Es gibt da nur diese eine Szene, die so voll unfreiwilliger Komik ist, dass man sich schütteln muss. Die Rede ist natürlich von dem Moment, als Riker (Jonathan Frakes) die Enterprise mittels Joystick fliegt. Das Finale von 4C, als Harold einen Jumbo-Jet mittels eines Mini-Spielzeug-Cockpits landet, weckt in dieser Hinsicht ungute Assoziationen und Erinnerungen... Ja, Harold ist ein Hobby-Pilot, das wissen wir seit Proteus. Trotzdem ist diese Szene schon sehr... grenzwertig over the top.
Ein sehr schöner Moment ist derweil das Gespräch zwischen Shaw und Hersh (Boris McGiver) - und die Tatsache, dass er um ihr Wohlergehen bei ihrem neuen Arbeitgeber besorgt ist, obwohl er selbst doch schon versucht hat, sie umzubringen...
Fazit
In Sachen Plausibilität darf man bei 4C nicht all zu genau hinschauen. Ansonsten ist es eine schöne Folge, die ihren Hauptzweck, John ins Team zurückzuholen, sehr gut erfüllt. Sie hat ihre lustigen Momente (Johns Erlebnisse beim Boarding) und ein zu Herzen gehendes Finale. Und ist trotz mancher Unglaubwürdigkeiten durchaus spannend. Ja, es war die richtige Episode zur richtigen Zeit.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 15. Januar 2014(Person of Interest 3x13)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x13
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