Person of Interest 3x04

Das passiert in der Person of Interest-Folge Reasonable Doubt:
Die Maschine gibt Finch (Michael Emerson), Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi) die Nummer von Vanessa Watkins (Kathleen Rose Perkins, Episodes). Watkins ist eine ehemalige Staatsanwältin, die einen bekannten Strafverteidiger geheiratet hat. Dieser ist vor ein paar Tagen angeblich bei einem Unfall auf ihrer gemeinsamen Yacht über Bord gegangen. Die Polizei glaubt Watkins das aber nicht, sondern geht davon aus, dass sie ihren Ehemann wegen der Lebensversicherung ermordet hat. Die Maschine hat ihre Nummer aber erst ausgespuckt, nachdem der Vorfall auf der Yacht bereits passiert war.
Damit stellt sich dem Team um Finch einmal mehr die Frage: Haben sie es mit einer Täterin zu tun, die erneut morden wird? Mit einer Unschuldigen, deren Leben in Gefahr ist? Oder mit einer Kreuzung zwischen beiden Optionen? Diese Frage stellt sich umso mehr, nachdem Watkins aus dem Polizeigewahrsam flüchtet und von ein paar höchst zwielichtigen Typen ein Paket mit Kokain entgegennimmt, während der sie verfolgende Detective gleichzeitig alles daran setzt, sie wieder zu schnappen - lebendig oder tot...
Verwirrspiel
Die Fälle-der-Woche waren in der noch jungen dritten Staffel von Person of Interest ja bislang nicht so prickelnd. Das ändert sich allerdings mit Reasonable Doubt. Ja, die Geschichte hat sicherlich auch ihre Schwächen. So muss man beispielsweise schon darüber staunen, wie die Maschine die Verwicklungen, die dazu führen, dass Vanessa ihren ursprünglich totgeglaubten Ehemann nun tatsächlich umbringen will, durchschaut haben kann.
Abgesehen davon präsentiert die Episode jedoch ein höchst interessantes Verwirrspiel, welches durch die Doppelstruktur - auf der einen Seite ein Verbrechen, das schon passiert ist, auf der anderen eines, welches noch geschehen wird - zwei neue Varianten für die alte Frage Opfer oder Täter? findet. Vanessa könnte eine Mörderin sein, deren Leben nun selbst in Gefahr geraten ist (etwa durch den rachsüchtigen Detective). Oder sie ist des ersten Verbrechens unschuldig, aber dabei, selbst einen Mord zu begehen.
Bad Things
Dass ihr totgeglaubter Gatte in Wahrheit noch am Leben ist, kommt kaum als Überraschung. Das ist spätestens klar, als Shaw dessen Affäre mit Vanessas bester Freundin entdeckt. Auch ist der Part mit dem Schleimigen-Unsympath-vom-Dienst Daniel Cosgrove (In Justice) etwas zu prominent besetzt, um einfach nur das Foto eines Verstorbenen zu sein. Dass Vanessa ihm am Ende an den Kragen will, kommt allerdings tatsächlich als Überraschung.
Nur noch übertroffen von der Reaktion von Reese: „I am in the business of stopping bad things from happening. I am not so sure what's about to happen is a bad thing.“ Und lässt die Eheleute aufeinander los. Vermutlich tötet Vanessa am Ende Jeremy, obwohl wir uns da natürlich nicht mit letzter Gewissheit sicher sein können. In dieser Hinsicht erinnert die Folge an Cura Te Ipsum aus der ersten Staffel.
In moralischer Hinsicht nimmt Person of Interest hier eine interessante Verschiebung vor: In Til Death hatten Finch und Reese noch um jeden Preis versucht, ein Ehepaar, das sich gegenseitig ermorden will, von seinem Plan abzubringen. In Reasonable Doubt versorgt Reese die beiden dagegen sogar noch mit den notwendigen Schusswaffen.
Finch und Reese
Der Person of Interest-Nostalgiker bemerkt dankbar, dass Finch und Reese im Gegensatz zu den ersten drei Folgen dieser Staffel wieder deutlich mehr Screen Time bekommen - angefangen mit Bears vermeintlichen Tierarztbesuch, der sich aber nur als Tarnung erweist, um einen räuberischen Überfall zu verhindern. Shaws Einsatz ist in dieser Woche etwas reduziert. Im Gedächtnis bleiben von ihr vor allem zwei Szenen: ihr bewaffneter Auftritt im Buchclub und ihr Beinah-Mord an einem nicht ganz so technikaffinen Bankangestellten.
Root (Amy Acker) kommt in Reasonable Doubt überhaupt nicht vor, was einen kleinen Minuspunkt gibt. Nachdem ihre Flucht aus der Psychiatrie am Ende von Lady Killer der große Cliffhanger gewesen ist, hätte sie zumindest mal erwähnt werden können, ja, müssen. Dafür ist immerhin einmal kurz von Zoe (Paige Turco) die Rede, was sehr schön zeigt, dass sie und das Team auch außerhalb der Fälle, die wir auf dem Bildschirm sehen, miteinander in Verbindung stehen.
Ein Partner, dem man besser nicht den Rücken kehrt
Einziger fortlaufender Handlungsbogen, der in Reasonable Doubt eine Rolle spielt, ist HR. Carters (Taraji P. Henson) neuer Partner Laskey (Brian Wiles) beobachtet, wie sie mit Reese spricht. Und als wäre das nicht schon unangenehm genug, bestätigt sich am Ende unser Verdacht: Ja, Laskey steckt mit Terney (Al Sapienza, House of Cards) und HR unter einer Decke.
Das ist einerseits ein bisschen enttäuschend, weil es doch recht offensichtlich und mit wenig Finesse eingefädelt worden ist. Andererseits lässt das Tempo, mit dem die Autoren Laskey uns Zuschauern gegenüber als HR-Maulwurf enthüllt haben, vermuten, dass sie recht bald schon etwas damit vorhaben.
Vom Gesichtspunkt der Spannung her ist es natürlich nicht das Schlechteste einen HR-Mann bei Carter auf dem Beifahrersitz zu haben.
Fazit
Eine starke Folge dank eines ausgeklügelten Falls-der-Woche, welcher eine überraschende (und vor allem überraschend krasse) Auflösung findet. Finch und Reese stehen (endlich) mal wieder stärker im Mittelpunkt, was der Episode ebenfalls sehr gut tut.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 17. Oktober 2013(Person of Interest 3x04)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x04
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